©Luka Gorjup
Text von: Lea van der Pütten

Rund 15 Millionen Menschen deutschlandweit leiden unter einem Hörverlust. Dieser wird leider meist viel zu spät erkannt und behandelt. An dieser Stelle hilft er weiter: der Hörakustiker – so wie Maximilian Schielke, der gerade im zweiten Lehrjahr seiner Ausbildung steckt.

Eine Glocke klingelt beim Betreten des Hörakustik-Geschäftes Geers in der Barfüßerstraße in der Göttinger Innenstadt. Hinter dem Empfangstresen sitzt ein junger Mann und begrüßt fröhlich die eintretenden Personen. Der Laden ist schmal und langgezogen, wirkt sauber und modern. In einer der Anpasskabinen wird gerade eine Kundin beraten. Das ist die Arbeitswelt von Maximilian Schielke. „Ich bin sehr glücklich, hier gelandet zu sein“, sagt er über seinen Ausbildungsbetrieb.

Nach dem Abitur in Einbeck war Maximilian zunächst unschlüssig, wohin es für ihn beruflich gehen sollte. „Als Kind änderte sich mein Berufswunsch beinah wöchentlich“, sagt er und lacht. „Aber technisch versiert war ich schon immer.“ So entschied sich der heute 24-Jährige, der in seiner Freizeit leidenschaftlich gerne Miniroboter baut, erst einmal an einer zehnmonatigen berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme der Agentur für Arbeit teilzunehmen. Hier lernte er, Lebensläufe zu schreiben, trainierte Bewerbungsgespräche und bekam Praktika vermittelt. „Gerade diese haben mir da wirklich weitergeholfen“, berichtet Maximilian rückblickend. So konnte er bei einem Praktikum in Einbeck auch schon einmal in den Berufsalltag eines Hörakustikers hineinschnuppern und wusste schnell: „Genau das ist es!“

Der Beruf setzt sich aus einem sozialen, einem technischen, einem handwerklichen und einem kaufmännischen Teil zusammen und bietet so eine Vielfalt an Tätigkeiten. Maximilian ist inzwischen in seinem zweiten Ausbildungsjahr und berät Kunden über Hörsysteme oder Hörschutz, passt die Hörgeräte an die jeweiligen Bedürfnisse der Kunden an oder führt in den kleinen Kabinen audiometrische Tests durch, um das Hörvermögen einschätzen zu können. In der filialinternen Werkstatt können die Hörgeräte zudem gewartet und gereinigt werden. „So eine Grundreinigung kann manchmal schon Wunder bewirken und eine Vielzahl an Problemen lösen“, erklärt Maximilian bestimmt.

Doch manchmal steht der technikbegeisterte Azubi auch vor einer Herausforderung, immer dann, wenn er den Fehler eines defekten Gerätes einfach nicht finden kann. „Dann ist es – auch vor dem Kunden – wichtig, gelassen zu bleiben, auch wenn man vielleicht selbst mal etwas verunsichert ist“, so Maximilian. „Im Zweifel ist immer ein Kollege da, der einem weiterhilft.“ Ist der Fehler aber partout nicht zu finden, schickt Maximilian das Gerät einfach weiter ins Labor, wo es sich der Hersteller nochmal anschaut.

Dreimal im Jahr fährt der Azubi nach Lübeck. Dort befindet sich die größte und älteste Berufsschule für Hörakustiker. Drei bis sechs Wochen wohnen die Auszubildenden dann dort am Campus und lernen die Theorie hinter den im Betrieb gewonnenen Fertigkeiten. Neben den allgemeineren Fächern wie Wirtschaft oder Politik lernen die Azubis dort auch die Anatomie des Ohres kennen: im ersten Lehrjahr die des Außen- und des Mittelohrs, und im zweiten Lehrjahr geht es weiter mit dem Innenohr bis hin zu den Nervenbahnen. Aber auch die Ausbreitung des Schalls und die Physik, die dahintersteckt, stellen wichtige Ausbildungsinhalte dar, die in den drei Jahren immer weiter vertieft werden – ebenso wie die rechtlichen und hörakustikspezifischen Normen und Regeln des Berufes.

Neben diesem theoretischen Teil bietet Maximilians Ausbildungsbetrieb auch mehrmals im Jahr zusätzlich Workshops und Schulungen in einer Akademie in Dortmund an. Diese sind deutlich praxisorientierter angelegt und perfekt auf die Produkte des Betriebes zugeschnitten. Dort können Azubis gemeinsam das Fräsen von Einzelteilen der Hörgeräte üben, Ohrabformungen abnehmen und Otoplastiken herstellen. „So komme ich auch mal aus dem Tagesbetrieb heraus und kann mich mit anderen austauschen“, erklärt Maximilian zufrieden.

Die Ausbildung zum Hörakustiker kann er nur empfehlen. „Keine Berührungsängste vor fremden Menschen zu haben, ist sicher ebenso von Vorteil wie sich vor Ohrenschmalz nicht zu ekeln“, sagt Maximilian noch mit einem Augenzwinkern. „Aber gerade für eher technisch Interessierte bietet der Beruf jede Menge Spaß.“

Was sollte ich als Hörakustiker mitbringen?

• technisches Verständnis
• Offenheit und Kommunikationsstärke
• keine Berührungsängste

Welche Vorteile bietet die Ausbildung?

• Beruf mit Zukunft
• Vielfalt – das Berufsbild setzt sich aus kaufmännischen, sozialen, technischen und handwerklichen Teilen gleichermaßen zusammen

Ausbildungsgehalt

1. Lehrjahr: 515 Euro
2. Lehrjahr: 611 Euro
3. Lehrjahr: 695 Euro
Einstiegsgehalt: 1.700–1.100 Euro (brutto)