Hightech-Medizin für 750.000 Euro

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Eines der modernsten mobilen Bildgebungssysteme auf dem Markt hat das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende vor Kurzem in Betrieb genommen. Dem Ärzteteam um Ralf Müller-Issberner, Chefarzt der Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie, ermöglicht der neue sogenannte O-Arm der Firma Medtronic Eingriffe an der Wirbelsäule und am zentralen Nervensystem mit nie dagewesener Präzision.

Zu diesem Zweck hat die Weender Klinik rund 750.000 Euro investiert. Es handelt sich bei dem neuen O-Arm um eine Art mobiler Computertomograph. Es ist das einzige Gerät im Umkreis von 200 Kilometern um Göttingen. Speziell für Wirbelsäulen-Eingriffe entwickelt Das speziell für die Wirbelsäulenchirurgie entwickelte Gerät
verbindet die Vorteile eines modernen röntgentechnologiebasierten C-Bogens mit computertomographisch digitaler Bildauflösung sowie Navigation in einem einzigen System. Mittels dreidimensionaler Darstellung kann die Bewegung der Instrumente bis in den Millimeterbereich genauestens überwacht werden. Noch während des Eingriffs kann der Operateur permanent in den Körper einblicken und unmittelbar seinen Behandlungserfolg kontrollieren. Dies erspart dem Patienten weitere Strahlenbelastung durch eine Computertomographie nach der Operation. Gerade für Fusionsoperationen mit Einbringen von Schrauben und Stäben in  minimal invasiver Technik ist das O-Arm-System in Kombination mit der Navigation eine deutliche Erleichterung für den behandelnden Arzt. Dieses mobile Bildgebungssystem umschließt den Patienten (daher das „O“ im Namen) und erlaubt somit zwei- und dreidimensionale Aufnahmen sowie die Durchleuchtung (Fluoroskopie) des Körpers während der Operation, ohne dass dessen Liegeposition verändert werden muss. Der ringförmige Teil des Geräts mit seiner hochauflösenden Röntgenkamera wird dabei von einer Schwenkvorrichtung immer wieder für die benötigten Aufnahmen genauestens in Position gebracht. Somit kann also eine 360°-Bildfolge rund um den Körper des Patienten produziert werden.

391 Einzelaufnahmen in 13 Sekunden

In 13 Sekunden lassen sich 391 Einzelaufnahmen machen. Anschließend braucht das System nur noch 20 Sekunden, um die Aufnahmen zu dreidimensionalen Bildern der Körperpartie des Patienten zusammenzusetzen und diese auf dem Bildschirm darzustellen. Alle Bewegungen des Geräts, wie auch das Geschehen auf dem Bildschirm, lassen sich aus dem sterilen Bereich direkt vom Operateur steuern. „Den Nutzen von dieser hochmodernen Technik hat eindeutig der Patient“, sagt Müller-Issberner. „Wir haben zu jedem Zeitpunkt den absoluten Überblick und können das Einsetzen von Implantaten millimetergenau kontrollieren. Komplexe Eingriffe sind nun mit noch mehr Sicherheit möglich.“ Im zurückliegenden Jahr hat die Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende insgesamt 4500 Patienten operiert. Dabei wurden im Rahmen des Wirbelsäulenzentrums in zirka 1100 Fällen Eingriffe an der Wirbelsäule vorgenommen.