Hidden Champions

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Text von: redaktion

Mit ihrem Verfahren erobert die MPM Environment Intelligence KG in Gittelde den Weltmarkt und hat dafür den „Volksbanken Innovationspreis 2007“ erhalten.

Kupfer ist derzeit in der Industrie heiß begehrt und so teuer, dass selbst Elektroschrott noch nach jedem Gramm des Rohstoffes durchforstet wird. Die MPM Environment Intelligence KG aus

Gittelde am Harz hat ein einzigartiges Verfahren entwickelt, wie das Metall besonders effizient und umweltschonend aus Leiterplattenresten wiedergewonnen werden kann. Dafür wurde das Unternehmen jüngst mit dem Volksbanken Innovationspreis der Landkreise Osterode und Goslar ausgezeichnet und ist nun auf dem Sprung, mit dieser Technologie den Weltmarkt zu erobern.

Bei der Produktion von Leiterplatten, der Grundlage vieler elektronischer Geräte und Bauteile wie etwa Computermainboards, fallen Abfälle an, die bares Geld wert sind. Ausgezeichnet wurde das

Unternehmen mit seinen 15 Mitarbeitern für den Bau einer weltweit einzigartigen Anlage, die den beim Bohren und Fräsen von Leiterplatten entstehenden Staub auf rein mechanischem Wege recycelt. Das geschieht im Wesentlichen durch Mahlen, Sieben und elektrostatische Trennung. Die am Ende dieses Prozesses wiedergewonnenen Stoffe, vor allem das Kupfer, weisen einen besonders hohen Reinheitsgrad auf und sind damit extrem hochwertig. Außerdem schone diese so genannte kalt mechanische Aufbereitung die Umwelt mehr als andere Verfahren. „Wir benötigen weder Wasser noch Wärmeenergie und Chemikalien“, erklärt Peter Kolbe, geschäftsführender Gesellschafter von MPM. Es fallen keine giftigen Reststoffe an, die deponiert werden müssten.

Außer dieser innovativen Anlage für Bohr- und Fräsmehle betreibt MPM bereits seit zehn Jahren eine weitere Verarbeitungslinie, in der Stanzrahmen und Fehlchargen von unbestückten Leiterplatten recycelt werden. Diese wurde zwar ebenfalls von heutigen MPM-Mitarbeitern entwickelt, damals aber noch unter dem Dach des benachbarten Leiterplattenherstellers Fuba Printed Circuits GmbH. Die komplette Recycling-Sparte wurde von Peter Kolbe und zwei Partnern 2005 im Rahmen eines Management-Buyouts ausgegründet.

Während der Markt für Elektronik-Recycling zuletzt eine starke Konsolidierung erfahren habe, konnte sich die MPM in ihrer speziellen Nische gut behaupten. Sämtliche Reste der Leiterplatten-Industrie in Nord- und Westeuropa werden eigenen Angaben nach in Gittelde aufbereitet. Das mittelständische Unternehmen aus Südniedersachsen dominiert demnach diesen Wirtschaftszweig und erfüllt so die klassischen Kriterien eines „Hidden Champions“.

Neben Kupfer werden auch die beiden anderen gewonnenen Stoffe – Glasfasern und Epoxidharz – wiederverwertet. Daraus lässt MPM feuerfeste, extrem beständige Spezialpaletten fertigen. „Kein niedliches Recycling-Produkt wie Kunststoffparkbänke, sondern eines mit einem echten Markt“, betont Peter Kolbe. So werden diese unverwüstlichen Paletten zum Beispiel von der Kali & Salz AG für die sichere Zwischendeponierung von Chemieabfällen eingesetzt. Nachdem die Technik nunmehr ausgereift sei, denkt MPM an Expansion. Potenzial sieht Wirtschaftsingenieur Kolbe in den USA, Japan und Taiwan, wo schon in den kommenden beiden Jahren Zweigniederlassungen mit Hightech made in Germany entstehen sollen.

„Eine umweltgerechte Produktion wird für Unternehmen weltweit zunehmend wichtiger, das beinhaltet auch die Verwertung der Abfälle“, erklärt Kolbe, der die Industrie in einem weiteren Geschäftszweig auch beim Aufbau von Umweltmanagement-Systemen berät. Der Gewinn des Innovationspreises und die Fürsprache des Umweltministeriums, so hofft Peter Kolbe, dürften MPM nun vielerorts noch leichter die Türen öffnen.

Mit ihrem Recyclingverfahren von unbestückten Leiterplatten sowie von Bohr- und Fräsmehlen hat die MPM Environment Intelligence KG den „Volksbanken Innovationspreis 2007 der Landkreise Osterode am Harz und Goslar“ gewonnen. MPM erhielt eine Innovationsskulptur und 3.000 Euro in bar. Weitere Infos: www.envint.de. Den zweiten Platz belegte die Zuelch Industrial Coatings GmbH und den dritten Platz FRÖTEK-Kunststofftechnik GmbH. Der Mittelständler aus Gittelde dominiert den Wirtschaftszweig in Nord- und Westeuropa.