Here comes the sun

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Text von: Stefan Liebig

Warum uns das Licht Segen und Unglück zugleich bringt.

Vornehme Blässe oder tiefbraune Sonnenfärbung? Was einst als Zeichen eines höheren gesellschaftlichen Standes galt – schließlich zeigte eine blasse Hautfarbe, dass die feinen Herrschaften nicht in der Sonne schuften mussten –, steht heutzutage eher für den Stubenhocker, der den Weg ins Freie scheut. Wir haben es nicht leicht, den rechten Weg ins Licht zu finden. Es kann uns krank, aber auch gesund machen. Entscheidend ist die Dosis. Während wir an schönen Sommertagen bis zu 100.000 Lux gratis vom Himmel geliefert bekommen, geizt der Winter damit und ist weit von diesem Wert entfernt. Dabei steuert das Licht auch unseren Tag-Nacht­ Rhythmus und unseren Melatoninspiegel – und Melatonin kann so einiges. Es entsteht aus der Vorstufe Serotonin, das durch Helligkeit (und Sport) gebildet wird. Das Wechselspiel sorgt für unsere Ausgeglichenheit und unser Wohlbefinden.

Ist es dunkel, steigt der Melatoninspiegel an, im Hellen fällt er ab. Das Hormon macht uns müde, hilft in den Schlaf und repariert – während wir träumen – einen Teil der Schäden, die die Sonne in unserer Haut hinterlassen hat. Gleichzeitig übernimmt es als Antioxidans im Kampf gegen Alterungsprozesse und sogar gegen Krebs eine wichtige Rolle – und fördert ganz nebenbei noch unseren Haarwuchs. Doch auch hier gibt es ,zu viel des Guten‘. Bei zu wenig Licht – vor allem im Winter – wird das Hormon am Tag nicht genug abgebaut, und wir kämpfen mit anhaltender Müdigkeit. Hier hilft nur Serotonin. Der ,Baustofflieferant‘ des Melatonins ist ein wahrer Glücksbringer und schützt uns vor Depression.

Während wir also penibel darauf achten, Sonnenbrände zu vermeiden, sollten wir uns aber auch darüber im Klaren sein, was das Licht zu bieten hat. So ist es wichtig, unter anderem auch regelmäßig Vitamin D über die Strahlen aufzunehmen, die auf unsere Haut scheinen. Vitamin D hat einen enormen Einfluss auf unsere Gesundheit. Wir benötigen es zur Steuerung zellulärer Vorgänge und zum Knochenerhalt. Es macht uns leistungsfähiger, soll eine schützende Wirkung auf das Immunsystem haben und hilft vielen Menschen bei diversen Erkrankungen – von chronischer Schuppenflechte über Lungenkrankheiten bis hin zur Vorbeugung von Schlaganfällen. All das und noch viel mehr kann das Licht – doch leider hat die Sonne auch ihre Schattenseiten. Sie kann Verbrennungen und eine Sonnenallergie auslösen, sie führt zu Falten und Flecken und bei zu starken und zu häufigen Sonnenbädern entsteht eine Art Lederhaut, im schlimmsten Fall kommt es zu Hautkrebs. Zum Glück verstehen wir heutzutage immer besser, welch verheerende Folgen zu intensive Sonnenbestrahlung für unsere Haut mit sich bringt. Wie so oft im Leben sollte ein gesunder Mittelweg angestrebt werden, denn: Ganz ohne Sonne lebt es sich in jedem Fall äußerst ungesund.