Helden der Wirtschaft

Text von: Christian Mühlhausen

Gutes tun und darüber reden – wie sich auch Ihr Unternehmen gesellschaftlich engagieren kann, zeigen unsere Beispiele von Corporate Social Responsibility (CSR).

Man sagt, ein Held sei jemand, der mehr tut, als er muss. So gesehen gibt es eine Reihe von Unternehmern in der Region, die Helden sind:

Der Installateur, der die Fußballtrikots der örtlichen B-Jugend spendet, der Fabrikant, der auf eigene Kosten ein Spielgerät vorm Kindergarten aufstellen lässt oder der Computerdienstleister, der ausrangierte PCs wieder flott macht und sie den lokalen Schulen überlässt.

Ein Engagement im örtlichen Umfeld ist für viele, besonders mit der Region verankerte Unternehmer selbstverständlich – und wird vielerorts sogar erwartet.

Helfen ist „in“ – und das nicht nur zu Weihnachten.

Bernd Lesser zum Beispiel, der den Campingplatz in Dransfeld bewirtschaftet, hatte keine ökonomische Erwartungshaltung, als er im vergangenen Jahr in der Nähe des Gaußturmes am Pilgerweg Loccum – Volkenroda eine kleine Kapelle aus Holz mit Glockenturm errichten ließ.

Fundament, Aufbau, Material – rund 3.500 Euro hat er investiert, andere Unternehmen spendeten Farbe oder halfen beim Aufbau. „Aber dabei geht es gar nicht ums Geld“, stellt er gleich klar. Vielmehr sei es ein Dank an die Allgemeinheit, aber auch ein Dank an „Kirche unterwegs“, die in der Saison beispielsweise für Gottesdienste und kirchliche Betreuung auch auf seinem Campingplatz sorgt.

„Es ist enorm, wie viele Menschen diesen Weg pilgern und welche Beweggründe sie dafür haben“, so Lesser. Das Gästebuch, das ein Jahr nach der Einweihung schon fast voll sei, lege darüber Zeugnis ab.

Immer mehr Unternehmen verankern ihr Engagement für Gesellschaft oder Umwelt in ihren Grundsätzen.

Sei es aus Überzeugung, sei es aus ökonomischen Gründen oder schließlich in der Verbindung von beiden nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“. Das freiwillige ökologisch und sozial verantwortliche Handeln von Unternehmen wird Corporate Social Responsibility (CSR) genannt und umfasst nicht nur den fairen Umgang mit den eigenen Mitarbeitern, sondern auch soziale und ökologische Arbeitsbedingungen bei ihren Zulieferern und darüber hinaus auch gesellschaftliches Engagement.

Es gibt viele Gründe, CSR im Unternehmen zu implementieren.

„Das kann zum Beispiel die Erhöhung der Reputation des Unternehmens sein, aber auch ein Baustein im Bemühen um neue Kunden und gute Mitarbeiter“, sagt Matthias Thorns, für CSR zuständig bei der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände BDA in Berlin.

CSR könne aber auch ein Bestandteil des Risikomanagements sein. Wenn sich beispielsweise ein Unternehmen bewusst um die Feinheiten seiner Zulieferkette kümmere und dort zum Beispiel Kinderarbeit ausschließe, minimiere es dadurch gleichzeitig die Gefahr eines möglichen späteren Imageschadens. Oft hätten Unternehmer aber auch gar keine Businessgründe, sondern sähen das im Rahmen ihres Weltbildes als eigene Verantwortung des Unternehmers an, so Matthias Thorns.

Ein anschauliches Beispiel dafür ist der Göttinger Hersteller von Vakuumsystemen Trinos. Vor einigen Jahren begann das Unternehmen, sich im Sport-Sponsoring zu engagieren und unter anderem die Basketballerinnen der BG 74 Göttingen zu fördern: „Natürlich wollten wir den Sport unterstützen, aber auch uns als Unternehmen bekannter machen“, sagt Marcus Weinhagen, einer der beiden Geschäftsführer.

Denn einhergehend mit einem höheren Bekanntheitsgrad wollte man so auch als potenzieller Arbeitgeber für die Menschen in der Region wahrgenommen werden. Die Erstligadamen der Göttinger Basketballerinnen trugen seinerzeit den Namen Trinos sogar in die ganze Republik hinaus.

Doch auch ohne unternehmerischen Zusatznutzen wollte sich Trinos engagieren: Seit zwei Jahren unterstützt das Unternehmen daher auch das „Elternhaus für das krebskranke Kind“ in Göttingen – und zwar kontinuierlich. „Beide Seiten wollen und brauchen Verlässlichkeit und Planungssicherheit“, begründet Weinhagen die Nachhaltigkeit dieses Engagements. Von den Spenden werden beispielsweise Investitionen des Vereins bestritten, aber auch Reisen mit den Betroffenen organisiert.

Darüber hinaus unterstützt Trinos auch die Göttinger Werkstätten für Behinderte, etwa bei ihrer Weihnachtsfeier: „Wir legen aber Wert darauf, dass wir uns nicht nur an Weihnachten für Andere einsetzen. Gesellschaftliches Engagement sollte nicht nur an Weihnachten stattfinden“, macht Weinhagen deutlich.

Für sportliches und gesellschaftliches Engagement gibt das Unternehmen, das mittlerweile 146 Mitarbeiter auf der Siekhöhe beschäftigt und einen Umsatz von 17 Millionen Euro erwirtschaftet, jährlich einen festen Betrag aus, der sich am Umsatz orientiert und der „im guten fünfstelligen Bereich“ liege, so Weinhagen.

Dafür verzichtet das Unternehmen auf der anderen Seite auf Werbe- und Weihnachtsgeschenke für die Kunden. Und auch bei der Einweihung des neuen Firmengebäudes wurde den Gästen im Vorfeld mitgeteilt, doch lieber für das Elternhaus zu spenden, anstatt mit üppigen Blumensträußen zu erscheinen. – Eine Konsequenz des Handelns, für das die Geschäftsleitung letztendlich sehr gelobt wurde.

Doch warum das alles? „Wir sind hier seit 1997 tätig, die Stadt unterstützt uns seit dem aktiv, und auch die Region gibt uns viel – auf der anderen Seite möchten wir so auch der Region etwas zurückgeben“, erklärt Weinhagen.

Etwas bewegen, etwas zurückgeben – das war auch der Antrieb von Thomas Schultz, verantwortlich für Marketing, Vertrieb und Öffentlichkeitsarbeit bei der Barmer in Göttingen. Vor einem Jahr kam er mit dem BONUS Freiwilligen-Zentrum in Göttingen zusammen, um sich privat gesellschaftlich zu engagieren: „Mir geht es gut, meiner Tochter geht es gut – aber es gibt auch viele Menschen, die nicht so viel Glück im Leben hatten. Denen etwas zu geben, das ist man der Gesellschaft schuldig.“

Schnell kam er im Gespräch mit Martina Herr, Leiterin von BONUS, auf das Kinderheim Rittmarshausen zu sprechen. Dort sind junge Mädchen von acht bis 17 Jahren untergebracht, die aus einem schwierigen Elternhaus kommen, misshandelt wurden oder es anderweitig nicht leicht hatten im Leben.

Spontan kam Schultz, selbst Vater einer 16-jährigen Tochter, die Idee, auch Kollegen von einem Engagement zu überzeugen. Mit Erfolg: Neben mehreren Mitarbeitern der Barmer, die sich teils persönlich, teils finanziell engagierten, gab es auch Unterstützung durch die Geschäftsleitung, die die Mitarbeiter beispielsweise für ein vorbereitendes Kennenlerntreffen freistellte.

Im Sommer schließlich verbrachten mehrere Barmer-Mitarbeiter mit den Mädchen einen Tag lang auf einem Reiterhof: Neben Reiten und Pferdestriegeln stand auch ein gemeinsames Picknick auf dem Programm. „Das soll keine Eintagsfliege gewesen sein, wir möchten uns nachhaltig engagieren und die Zusammenarbeit intensivieren“, sagt Schultz. So sind Folgetermine geplant, etwa ein vorweihnachtliches gemeinsames Plätzchenbacken mit den jungen Frauen.

Auch wenn das soziale Engagement im Vordergrund steht, sieht Schultz auch positive Aspekte für seinen Arbeitgeber, die Barmer: „Sich gemeinsam sozial zu engagieren, bringt auch die Mitarbeiter näher zusammen. Man lernt Kollegen, auch aus anderen Abteilungen, von einer anderen, von einer privaten Seite kennen.“

Unternehmen und Privatpersonen, die sich personell und/oder finanziell engagieren möchten, stehen vor der Frage:

Helfen, ja – aber wie?

Hilfe zum Helfen kann bundesweit über die Organisation UPJ gegeben werden, zudem in der Region unter anderem auch das von der Caritas getragene BONUS Freiwilligenzentrum (0551/999590) geben, das zugleich Ansprechpartner in den Nachbarkreisen nennen kann.

Das Zentrum kennt über hundert gemeinnützige Initiativen und Organisationen in der Region, die für externe Hilfe dankbar sind – vom organisierten Mittagstisch für Bedürftige über Krankenbesuche bis zur Betreuung von lernschwachen Kindern oder wohnungslosen Menschen. Alte und einsame Menschen, Behinderte, Ausländer, Kinder und Jugendliche, Umwelt – für jedes Unternehmen, so Sozialbetriebswirtin Martina Herr als Leiterin des Büros, gebe es einen geeigneten Partner, dem man helfen könne. Sie sieht sich in ihrer Rolle als Mediatorin, die die Ansprüche von beiden Seiten herausarbeite und dann geeignete Partner zusammenbringe.

Besonders liegt Martina Herr das Corporate Volunteering am Herzen: der Einsatz von Personalkapazität für die gute Sache. „Wenn sich einzelne Führungskräfte, Arbeitsteams oder sogar ganze Belegschaften von Unternehmen zeitlich begrenzt außerhalb des Kerngeschäfts gemeinnützig engagieren, profitiert nicht nur das Gemeinwesen, sondern auch der eigene Betrieb“, so Herr.

Je nach Ausgestaltung des Projekts könne Corporate Volunteering sowohl als Instrument zur Personalentwicklung als auch zur Förderung der Unternehmensidentität eingesetzt werden. Ein Beispiel sei etwa das Projekt „Seitenwechsel“ in der Schweiz, wo Jungmanager in gemeinnützigen Projekten eingesetzt werden, um so ihre soziale Kompetenz zu stärken.

Zwar gebe es eine Reihe von positiven Nebeneffekten eines gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen, so Herr. Ein Unternehmen, das helfen wolle, sollte das aber aus Überzeugung tun und nicht ausschließlich aus Gründen der Imagepflege.

„Den angeschlagenen Ruf aufzupeppen allein reicht nicht.“ Auch die Einrichtungen ließen sich nicht instrumentalisieren. Zum Helden zu werden, ist nicht einfach, aber ein lohnenswerter Weg…