Heigl-Preis 2014 für Göttinger Psychotherapieforscherin

© UMG
Text von: redaktion

10.000 Euro Preisgeld bekommt Simone Salzer für eine Studie zur Wirksamkeit von stationärer psychodynamischer Therapie bei Jugendlichen mit einer kombinierten Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen.

Dr. Simone Salzer aus der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat gemeinsam mit Annette Streeck-Fischer (International Psychoanalytic University IPU Berlin) den Heigl- Preis 2014 der Gesellschaft von Freunden und Förderern der Heinrich-Heine- Universität Düsseldorf erhalten. Der mit 10.000 Euro dotierte Heigl-Preis der gleichnamigen Stiftung würdigt besonders erfolgreich abgeschlossene und publizierte wissenschaftliche Forschungsprojekte auf dem Gebiet der Psychotherapieforschung. Die Preisverleihung fand am 28. März 2014 im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) in Berlin statt.

Die Auszeichnung erhielten die beiden Forscherinnen für ihre Studie mit dem Titel ‚Psychodynamic therapy for adolescents suffering from co-morbid disorders of conduct and emotions in an inpatient setting: a randomized controlled trial‘. Darin belegen sie die Wirksamkeit einer stationären psychodynamischen Psychotherapie zur Behandlung von Jugendlichen mit einer kombinierten Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen. Die Therapiestudie wurde im Asklepios Fachklinikum Tiefenbrunn durchgeführt. Die Veröffentlichung der Ergebnisse erfolgte im November 2013 in der Fachzeitschrift ‚Psychological Medicine‘.

Bei der untersuchten Patientengruppe handelte es sich um schwer gestörte Jugendliche mit ausgeprägten Schwierigkeiten im Kontakt mit anderen Menschen. Neben dieser Störung des Sozialverhaltens wiesen die Patienten weitere psychische Diagnosen wie etwa Angststörungen und Depressionen auf. Die Jugendlichen litten unter selbst- und fremddestruktivem Verhalten, hatten Probleme in ihrer schulischen und beruflichen Laufbahn und waren oftmals mehrfach vorbehandelt. Viele dieser Jugendlichen hatten in ihrer bisherigen Entwicklung komplexe Traumatisierungen erlebt. Fast sechzig Prozent der behandelten Patienten erfüllten bereits die Kriterien für die Diagnose der ‚Borderline Persönlichkeitsstörung‘. Anhand einer randomisierten kontrollierten Studie im stationären Setting konnten die Forscherinnen zeigen, dass diese Jugendlichen erfolgreich mit psychodynamischer Psychotherapie behandelt werden können. Verglichen mit einer Wartekontrollgruppe, in der die Hälfte der Patienten Routinebehandlungen in Anspruch nahm, erwies sich die Behandlung mit der stationären psychodynamischen Psychotherapie als deutlich wirksamer. Die psychische Belastung der jungen Patienten nahm stark ab und die Behandlungsergebnisse waren auch sechs Monate nach Behandlungsende stabil.

Psychodynamische Therapie ist der international etablierte Oberbegriff für alle von der Psychoanalyse abgeleiteten Verfahren. Die Wirksamkeit psychodynamischer Therapien wird in den vergangenen Jahren zunehmend empirisch belegt.

Der Heigl-Preis ist nach seinen Stiftern, den verstorbenen Düsseldorfer Psychosomatikern Franz Seraphin und Annelise Heigl, benannt. Mit dem Preis werden jährlich empirische oder konzeptionelle Arbeiten aus dem Bereich der (psychodynamisch orientierten) Psychotherapieforschung ausgezeichnet. Die Stifter des Preises haben beide unter anderem in Göttingen gearbeitet: Franz Seraphin Heigl war von 1971 bis 1985 Ärztlicher Direktor des Landeskrankenhauses Tiefenbrunn. Seine Ehefrau Annelise Heigl-Evers hat ebenfalls klinisch und wissenschaftlich am Landeskrankenhaus Tiefenbrunn gearbeitet. Von 1974 bis zur Rufannahme nach Düsseldorf 1977 leitete sie die Forschungsstelle für Gruppenprozesse der Georg-August-Universität Göttingen.