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© Klett-Cotta
Text von: redaktion

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Wirtschaftskrimi

Dass das Junge Theater gerne Stoffe anfasst, die kritisch den Zeitgeist beäugen, die Entwicklung unseres Gesellschafts- und Wirtschaftssystem diskutieren und neue Denkrichtungen aufzeigen, ist bekannt. Das nun das JT zum zweiten Mal Schauplatz eines wirklichen Wirtschaftskrimis wird, hätte sich wohl keiner träumen lassen.

Nach dem Finanzschock 2003, der Insolvenz und den damaligen Geschäftsführern Horst Wattenberg und Intendant Thorsten Schilling Geldstrafen wegen Veruntreuung von Sozialabgaben einbringt, und einem furiosen Neustart des Theaters als gemeinnützige GmbH unter der Leitung des geschäftsführenden Intendanten Andreas Döring hat sich das Theater wieder gerappelt, feiert sogar große Erfolge und Jahr für Jahr neue Zuschauerrekorde. Das nun die jüngsten Vorgänge am Theater wiederum zur Insolvenzanmeldung zwingen, trifft Führungsteam und Ensemble aus heiterem Himmel. Umso schlimmer noch, dass sich der Verdacht gegen eine langjährige Mitarbeiterin richtet, die umgehend vom Dienst freigestellt wurde. Die Gesellschafter der gGmbH John Coates und der Förderverein „Freunde des JT Göttingen“ haben Anzeige erstattet. Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner bestätigt gegenüber dem Stadtmagazin37: „Am 6. Juli wurde bei der Polizei Anzeige erstattet, am 7. Juli erhielt die Staatsanwaltschaft einen umfangreichen Aktenbestand. Nun wird seitens unserer Spezialisten für Wirtschaftskriminalität vorerst in einem Verfahren gegen eine Einzelperson ermittelt.“ Aus Sicht des Pressesprechers seien mehrere Wirtschaftsjahre betroffen, so dass man einfach Zeit für die Ermittlungen brauche.

Nach Angaben der Fördervereinsvorsitzenden Elke Bartussek seien dem Aufsichtsrat für die Jahre 2007, 2008 und 2009 gefälschte Jahresabschlüsse vorgelegt worden, um die Veruntreuung von Einnahmen aus der Theaterkasse und Geldern des Guthabenkontos zu verschleiern. Geplatzt ist der Betrug offensichtlich dadurch, dass die Gehälter für Juni und Juli nicht mehr überwiesen werden konnten und das Konto gesperrt wurde. Dem Aufsichtsrat habe in einer Sondersitzung am 8. Juli der geschäftsführende Intendant Andreas Döring daraufhin dargestellt, dass der Betrug sehr sachkundig, umfasssend und vorsätzlich angelegt gewesen sei. Bis zu 300.000 Euro könnten so veruntreut worden sein. Nach Angaben des JT-Aufsichtsratsvorsitzenden Frank-Peter Arndt gegenüber dem Göttinger Tageblatt, sei man einem großen Betrug aufgesessen und das finanzielle Desaster sei nicht überschaubar. Weitere Aussagen will man im Hinblick auf das laufenden Verfahren nicht treffen.
Die Ffolgen für das Leitungsteam des JT sind allerdings gravierend. Da nach Bekanntwerden der Veruntreuung die Stadt Göttingen die laufenden Förderzahlungen mit Wirkung zum August eingestellt hat, musste die JT-Geschäftsführung Insolvenz anmelden. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Burghard Wegener bestimmt.
Kritik wird nun am Aufsichtsgremium und dem geschäftsführenden Intendanten Andreas Döring laut. Zu ungeheuerlich klingen ja auch die Vorwürfe, eine einzelne Mitarbeiterin habe die Buchhaltung bis zu den Jahresabschlüssen gefälscht und gleichzeitig eine Wirtschaftsprüfung dieser Abschlüsse vorgetäuscht. Vor allem da in Artikelkommentaren (User Tusnelda) zum GT-Artikel schon zu lesen ist, dass die betreffende Mitarbeiterin schon früher im „Umgang mit Geld Merkwürdigkeiten aufgewiesen“ hätte. „Aber auf diesem Ohr sei das Haus, insbesondere Andreas Döring, absolut taub gewesen.“ „Wir haben die Unterlagen, die wir bekommen haben, nach bestem Wissen und Gewissen kontrolliert. Bisher fanden wir das alles glaubwürdig“, erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende Frank-Peter Arndt gegenüber dem GT.
Der Aufsichtsrat vertraut bei der Aufarbeitung weiterhin Andreas Döring, der auch als künstlerischer Leiter weiterarbeiten soll. Nun gilt es, trotz der persönlichen Enttschäuschung und vielleicht auch des Zornes gegenüber der Beschuldigten, schnell, emotionslos und konzentriert zu handeln, um durch eine zügige Aufklärung hoffentlich alle Zweifel gegenüber Aufsichtsrat und Geschäftsführung zu beseitigen, den Kriminalfall umfassend zu lösen und eine kommende Spielzeit zu sichern.

Text: Florian Grewe, Foto: Archiv