Händel im Hier und Jetzt

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Claudia Klaft

Am Freitag, den 14. Mai 2010, feierte die Händel-Oper “Tamerlano“ im Rahmen der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen ihre gelungene Premiere. Die zeitgemäße Inszenierung der schwedischen Regisseurin Johanna Garpe fand großen Beifall.

Es war das alte Spiel um die Liebe, das modern und zeitgemäß in Szene gesetzt wurde und die Darsteller verkörperten ihre Rollen mit betonter Lässigkeit:

Tamerlano (Christopher Ainslie) mit Schutzweste und in Zivil, sein Vertrauter Leone (Lars Arvidson) als Securityguard mit Digitalkamera und seine Braut Irene (Franziska Gottwald) im kurzen schwarzen Kostüm mit modischem Rollkoffer.

Im Business-Anzug und mit gegelten Haaren – so zeigte sich der griechische Prinz Andronico (Clint van der Linde), während der gefangene Herrscher der Türken Bajazet (Thomas Cooley) und dessen Tochter Asteria (Kristina Hannson) in traditionell türkischer Kleidung die östliche Kultur darstellten.

Und so verkörperte die Inszenierung nicht nur den Konflikt der Liebe, sondern auch der Kultur. Unterstützt von zwei mobilen Türmen in Gitteroptik, die als Twin Towers von Manhatten wirkten oder – zusammengeschoben – als Gefängniswand.

Eine minimalistische Bühnenausstattung gepaart mit wenigen Lichteffekten (Martin Kukulies), gab eine fast kühle Atmosphäre, nichts lenkte ab von der dichten Dramatik des Geschehens.

Die Sänger brillierten in ihren Rollen, füllten sie auch darstellerisch perfekt aus. Momente der inneren Zerrissenheit wie auch der coolen Arroganz, witzige und nachdenkliche Szenen – nichts wirkte aufgesetzt oder künstlich. Die Musik Händels passte nahtlos in das zeitgemäße Kostüm.

Zur gelungenen Inszenierung trägt traditionsgemäß das FestspielOrchester Göttingen unter der Leitung Nicholas McGegan bei, auch dieses überzeugte durch perfektes Zusammenspiel.

Die Zuschauer feierten die Premiere mit minutenlangem Applaus und Bravo-Rufen – die Internationalen Händel-Festspiele haben wieder einmal eine außergewöhnliche und gelungene Oper auf die Bühne des Deutschen Theaters gebracht.

Mit einem Public-Viewing am Kiessee öffnet sich die Opernwelt dem breiten Publikum am Montag, den 17. Mai 2010, um 19 Uhr.