Händel & Hannover

© Händel-Gesellschaft
Text von: Claudia Klaft

Die Göttinger Händel-Festspiele werden 90 und präsentieren sich zeitgemäß.

Dass Barock und Moderne keine Widersprüche sind, das beweisen die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen seit 90 Jahren. Das weltweit älteste Festival für Barockmusik wird auch 2010 eine Komposition von alter Musik und neuer Inszenierung bieten.

Gestartet hat die „Göttinger Händel-Renaissance“ Oskar Hagen 1920 mit „Rodelinde“, die er als erste Aufführung einer Oper nach Händels Tod auf die Bühne bringt. Viele der bekanntesten Opern Händels erleben hier seitdem ihre moderne Welterstaufführung.

Eine zeitgemäße Aufführung verspricht dieses Jahr auch Johanna Garpe. Die schwedische Regisseurin inszeniert „Tamerlano“, die musikalisch wie dramaturgisch zu den interessantesten Opern Händels gehört.

1724 uraufgeführt übernahm erstmals in der Musikgeschichte ein Tenor eine Hauptrolle, kein Chor begleitet die Sänger, und das Libretto fokussiert sich ausschließlich auf intensive menschliche Beziehungen. Pure Emotionen und packende Dramatik:

„Die Oper vereint eigentlich alle Elemente eines guten Action-Films“

so die Regisseurin. „Und trotz aller Tragik kommt dennoch das Komische zum Vorschein. Ich hoffe, dass die Zuschauer auch lachen“.

Geschrieben hat Händel das Werk als Hofkomponist von König Georg I., der ihn bereits 1710 an den Hof des Welfenschlosses holte. Diese 300-jährige Verbindung war daher Anlass, die diesjährigen Festspiele ganz unter das Motto „Händel & Hannover“ zu stellen.

Neben „Tamerlano“ stehen die Kantate „Apollo e Dafne“ und das Oratorium „Judas Maccabaeus“ auf dem Programm. Ein weiterer Höhepunkt ist die Aufführung von Händels „Messias“, die erstmals seit vermutlich 200 Jahren in der Originalfassung Johann Adam Hillers aufgeführt wird.

Besonderes bieten die Festspiele aber nicht nur mit den Aufführungen und einem vielfältigen Rahmenprogramm, das von Händel Jazzt über Händel 4 Kids bis zu einem Manager-Workshop vielfältige Wege zur Händelschen Musik eröffnet.

Vor allem das eigene Festspiel Orchester Göttingen, unter der Leitung von Nicholas Mc- Gegan, ist Garant für exklusive Aufführungen. Der zwölftägige Publikumsmagnet hat 2009 durch internationale Auftritte seinen heraus ragenden Stellenwert gestärkt.

Zudem bot die Aufführung von „Admeto“ unter der Regie von Doris Dörrie eine völlig neue und viel beachtete Interpretation der Händelschen Oper.