Gute Gründe für den Erfolg

Konzept der ,Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt‘ erfolgreich
Text von: redaktion

Seit mittlerweile fünf Jahren wird nun der ‚Gute Gründe(r)‘-Preis an mutige Menschen in Südniedersachsen verliehen. faktor war von Anfang an dabei und fragt nach: Was ist aus ihnen geworden?

Gute Gründe für den Erfolg

Seit mittlerweile fünf Jahren wird nun der ‚Gute Gründe(r)‘-Preis an mutige Menschen in Südniedersachsen verliehen. faktor war von Anfang an dabei und fragt nach: Was ist aus ihnen geworden?

Text: Stefan Liebig – Fotografie: Alciro Theodoro da Silva

Es sind die zahlreichen kleinen und mittelständischen Betriebe, die der südniedersächsischen Wirtschaft ihren besonderen Charakter verleihen. Ungeheure Innovationskraft entwickeln die hiesigen Unternehmer, um sich in der globalisierten Wirtschaftswelt einen Vorsprung zu erarbeiten. Mit Stolz können die Menschen hier auf unzählige kreative Köpfe verweisen, die ein einzigartiges Miteinander von Wirtschaft und Wissenschaft aufgebaut haben. Universität und private Hochschulen fördern Wissenschaftler beim Ausgründen. Privatinitiativen wie Startup Göttingen oder die Beschäftigungsförderung des Landkreises stehen beratend zur Seite, die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen (GWG) und die Wirtschaftsförderung Region Göttingen (WRG) sorgen für günstige und moderne Räumlichkeiten sowie zahlreiche Informations- und Schulungsangebote. Um dieses gute Gründungsklima weiter zu fördern, rief die GWG 2010 den Preis ‚Gute Gründe(r)‘ ins Leben. Diesen erhält vierteljährlich – inzwischen in Kooperation mit der WRG – ein Gründer, der den Innovationsgedanken in besonderer Weise lebt. Als Medienpartner begleitet faktor diesen Preis von Anfang an und gewährte Einblicke in Unternehmen der Preisträger.

Die erste Siegerurkunde erhielt im Februar 2010 Dirk Diederich noch aus der Hand vom damaligen GWG-Geschäftsführer Klaus Hoffmann. „Die Aktivitäten der Wirtschaftsförderung sind auf die Schaffung neuer und nachhaltiger Arbeitsplätze ausgerichtet. Daher ist die Gründung des Instituts für Glas- und Rohstofftechnologie (IGR) ein vielversprechender Baustein, um im Standortwettbewerb um kluge Ideen und kluge Köpfe erfolgreich zu sein“, sagte Hoffmann, und sein Gefühl für eine erfolgreiche Gründung täuschte ihn nicht. Denn von einst fünf Mitarbeitern ist das in Göttingen gegründete IGR auf inzwischen 17 Mitarbeiter gewachsen.

Zum Angebot des IGR gehören die physikalische und chemische Glasanalytik und die Qualitätskontrolle von Gläsern sowie die Qualitätssicherung von Glasrecyclingmaterialien und die Rohstoffüberwachung. „Eine vergleichbare Laborausstattung gibt es nur ein- bis zweimal in Deutschland“, erklärt Diederich heute stolz und verweist auf seine wachsenden Auftragszahlen und Kunden auf allen Kontinenten. Preise wie ‚Gute Gründe(r)‘ oder auch der Innovationspreis sind für den erfolgreichen Geschäftsmann „eine gute Möglichkeit, der Öffentlichkeit die eigenen Projekte vorzustellen“.

Die öffentliche Wirkung half auch dem Preisträger im März 2013, Helmut Wagner, wichtige neue Kontakte zu schließen. Mit seinem Duderstädter Unternehmen CHW-Technik bewies er großen Mut und machte sich im hartumkämpften Bereich der medizinischen Hilfsmittel selbständig. Zuvor forschte er bereits seit zehn Jahren an der Optimierung der Knieentlastungsorthese Kneo. Sie hilft Menschen mit dauerhaften Meniskus- oder Kreuzbandproblemen, den Schmerz zu lindern oder sogar auszuschalten. „Durch den Preis wurde der MDR auf mich aufmerksam und berichtete ausführlich über meine Innovation“, erinnert sich Wagner an das schon während der Sendung läutende Telefon. Inzwischen übernehmen viele Kassen die Kosten für seine Orthese. Von Kreditinstituten hingegen wünscht er sich für Jungunternehmer deutlich mehr Unterstützung, um wachsen und ein effektiveres Marketing betreiben zu können.
Geld ist auch ein zentrales Thema des Projekts, für das Berndt Demandt im Frühjahr 2014 ausgezeichnet wurde. Er bündelte das Interesse engagierter Hann. Mündener Bürger am Erhalt einer attraktiven Altstadt in seiner ,Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt‘. Nach jetzt zweieinhalb Jahren bringen sich bereits 250 Menschen finanziell und tatkräftig ein. Das erste Projekt hieß ,9×24‘ und stand für die Sanierung der Speckstraße 7 in neun Tagen rund um die Uhr. Künftig wird die Immobilie teilweise vom Verein Mündener Kunst-Netz e.V. für Ateliers und Werkstätten genutzt. „Spektakulär war auch ein Trauerzug durch die Innenstadt. Über 300 Bürger zeigten, wie unzufrieden sie mit dem teilweisen Verfall der Innenstadt sind“, erklärt Demandt die medienwirksame Aktion.

Medienwirksam sind auch die vielen Auszeichnungen, die die in Uslar ansässigen Jungunternehmer von Fovea – Guter Gründe(r) im November 2014 – inzwischen ihr Eigen nennen. Mit einer Holz-App revolutionierten sie den weltweiten Forstbetrieb. Ihre fotooptische Anwendung ermöglicht eine effektive Verwaltung der im Wald aufgeschichteten Holzpolter. Kunden aus der ganzen Welt waren so begeistert von dieser zeitsparenden Innovation, dass das von den HAWK-Absolventen Nadine Weiberg, Manfred Ide und Christoph Herborn ausgegründete Unternehmen inzwischen auf zehn Mitarbeiter angewachsen ist. „In fünf Jahren möchten wir bei 30 Mitarbeitern angekommen sein“, sagt Ide. Doch ein großes ,Aber‘ gäbe es noch: Die deutsche Gesetz­gebung bremse laut Ide die gesamte Forstwirtschaft und auch die Weiterentwicklung der App. Daher ist er nicht sicher, „ob wir nicht doch früher oder später gezwungen sind, unseren Unternehmenssitz ins Ausland zu verlagern“.

Um eine Verlagerung, allerdings mit negativen Auswirkungen, geht es auch beim Göttinger ,Zeitgeist‘. Für die Eröffnung dieses ersten veganen Geschäfts der Region erhielt Conny Harte-Götz im Sommer 2013 die ‚Gute Gründe(r)‘-Urkunde. Wie sehr sie den Zeitgeist getroffen hatte, machten die für sie überraschend gro­ßen Umsätze deutlich. „Ich musste schnell meine Kapazitäten erweitern und sogar in größere Geschäftsräume umziehen“, sagt Harte-Götz zurückblickend. Doch leider ging es nicht dauerhaft so weiter. Denn der Erfolg ließ größere Unternehmen aufhorchen. Supermärkte nahmen mehr und mehr vegane Artikel ins Sortiment. „Meine Kunden kauften dann leider nicht mehr bei mir, denn preislich konnte ich als kleines Geschäft nicht mit den großen Märkten konkurrieren“, so Harte-Götz. Im August dieses Jahres schloss sie ihren Laden, aber nicht ohne einen Zukunftsplan: „Ich arbeite an einem Konzept für ein veganes Café.“

All diese Beispiele belegen, was auch WRG-Geschäftsführer Detlev Barth sagt: „Die Liste­ der Preisträger zeigt, dass wir nicht nur in der Hochschulstadt Göttingen, sondern gerade auch in der Fläche über innovative Gründer mit großem unternehmerischem Potenzial verfügen.“ Auch Ursula Haufe, Geschäftsführerin der GWG, ist von dem inzwischen etablierten Preis als Unterstützung für mutige Existenzgründer überzeugt: „Selbständigkeit, da geht was! Die Entwicklung der vergangenen Jahre in Göttingen mit interessanten, innovativen Gründungen und positiven Geschäftsentwicklungen belegen das.“ Gute Gründe, dies weiterhin zu fördern.