Gut Holz !

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Text von: Christian Mühlhausen

Die Forst- und Holzwirtschaft gilt neuerdings als Zukunftsbranche. Denn sie verfügt über genügend Rohstoffe. Der Wald wird dabei nicht mehr nur als Lebens- und Erholungsraum gesehen, sondern zunehmend als Wirtschaftsfaktor und Rohstofflieferant, an dem eine lange Wertschöpfungskette hängt.

Der Wald „Hasenwinkel“ zwischen Ballenhausen, Groß Schneen und Reinhausen südlich von Göttingen wirkt nicht nur durch seinen Namen wie aus dem Märchen: Durch die Täler schlängeln sich sanft schmale Schotterwege, gesäumt von mächtigen Fichten, Lärchen und Buchen. Auch der Blick hangaufwärts lohnt sich: Die meisten Bergkuppen ziert eine vom Wind und Wetter zerzauste Sandsteinformation – wie ein Thron aus einem Märchenland.

Melchior Freiherr von Bodenhausen (Foto), Eigentümer des Waldes, schreitet ein am Weg liegendes Fichtenholzpolter ab. Den Wald, seit vielen hundert Jahren im Familienbesitz, kennt er seit Kindesbeinen. Hier hat er als kleiner Junge seinen Vater bei Verhandlungen mit den Holzkäufern begleitet, hier hat er seinen ersten Rehbock geschossen. „Da hinten war das“, sagt er und zeigt auf ein dichtes Laubholzwäldchen. Aus den kniehohen Bäumen von damals sind stattliche Buchen und Ahornbäume geworden. Doch heute hat er weder für die Jagd noch für die Landschaft ein Auge: Am Wege liegt noch Holz, das abgefahren werden müsste. Dicke Fichten, vielleicht knapp 100 Jahre alt: „Die hat mein Urgroßvater gepflanzt und mein Vater gepflegt. So ist das nun einmal in der Forstwirtschaft“, sagt er, während sein Blick das Holz kritisch mustert. „Was ich heute aufbaue, werden erst meine Urenkel im Endbestand ernten können. Über allem steht dabei: massen- und wertmäßig nicht mehr ernten, als nachwächst. Wir nennen das Nachhaltigkeit.“ Wobei die Nachhaltigkeit aber durchaus auch flexibel ist: „Jahrelang haben wir nur 60 Prozent des Holzzuwaches geerntet, weil die Preise schlecht waren. In guten Jahren ernten wir dann aber auch mal 120 Prozent.“ Forstwirtschaft heißt, in Generationen zu denken. Rund 100 Jahre dauert es bei einer Fichte vom Keimen bis zur Hiebsreife, 120 Jahre sind es bei der Buche und gar 180 bei der Eiche. Forstwirtschaft heißt auch, den Maßstab „Zeit“ als Werkzeug zu begreifen. Außenstehenden und Neulingen, die mit der Branche Geschäfte machen wollen, fällt das manchmal schwer. Die Bäume wachsen nun einmal nicht schneller, wenn man an ihnen zieht.

Der Holzmarkt ist in den letzten Monaten etwas ins Stocken geraten, nachdem die Winterstürme wie Kyrill, Emma und ihre stürmischen Schwestern bundesweit riesige Holzmengen auf den Markt geworfen haben. Solche Ereignisse, die jede Planung über den Haufen werfen und an denen betriebswirtschaftliche Kalkulationen leider regelmäßig scheitern. Waldbau kann man eben nicht detailliert planen – immer hat die Natur ihr Händchen mit im Spiel…

Mehr zum Thema Forst und Holz lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des faktor-Magazins 03/2008.

Foto: Christian Mühlhausen