Grünes Licht für die IT

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Text von: Stefan Liebig

Ganz sicher gilt Südniedersachsen nicht als Deutschlands Silicon Valley. Doch die regionalen IT-Unternehmen sind längst nicht nur vor Ort, sondern vielfach sogar weltweit tätig und auf Wachstumskurs - gute Aussichten also für Absolventen.

Hochqualifizierte Spezialisten entwickeln, installieren und warten innovative Produkte und ermöglichen damit anderen Unternehmen, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Da sich die Anforderungen an die IT-Branche rasend schnell ändern, kommt es vor allem auf eine hohe Reaktionsgeschwindigkeit an. Wer den Anschluss an die sich ändernde Infrastruktur, neue Software und leistungsfähigere Hardware verliert, ist schnell raus aus dem Geschäft. Je kleiner die Unternehmen sind, desto effektivere Schulungssysteme brauchen sie, damit ihre Mitarbeiter am Ball bleiben. Daher liegt es geradezu auf der Hand, sich in einer strukturschwachen Region wie Südniedersachsen zu vernetzen und nach Wegen zu suchen, gemeinsam die jeweiligen Stärken zu nutzen. Aus diesem Grunde formierte sich im Jahr 2010 auch eine schlagkräftige Gruppe von inzwischen 17 IT-Firmen: das IT InnovationsCluster Göttingen/ Südniedersachsen, kurz IT-Cluster.

Große Bedeutung nimmt hier der Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Unternehmen ein. Dies bezieht sich sowohl auf das reine Fachwissen als natürlich auch auf die Nachwuchsfachkräfte. Und Netzwerkmanager Andreas Redeker weiß sehr wohl um die Schwierigkeiten der Region mit ihren überwiegend mittelständischen Unternehmen: „Bei den Hochschulabsolventen stehen die Branchenriesen wie Apple und Google hoch im Kurs. Gleichzeitig aber möchten sie in einem agilen Umfeld mit viel aktiver Verantwortung arbeiten.“ Da diese beiden Ziele schwer zu vereinbaren sind, sieht er hier für Südniedersachsen mit seinen kleinen und mittelständischen IT-Firmen einen Vorteil. Denn dort können junge und motivierte Absolventen häufig sehr viel schneller in eigenverantwortlichen Positionen arbeiten.

Wie das funktionieren kann, vermittelt die Website des IT-Clusters. Hier gibt es umfangreiche Hinweise zu Jobs und Praktika sowie Unternehmensprofile inklusive Ansprechpartnern. Eines dieser Profile stellt die Sycorgruppe vor. Mit neun Standorten in Deutschland und zehn weiteren weltweit sowie insgesamt 500 Mitarbeitern gehört der Göttinger IT-Gesamtdienstleister zu den Branchengrößen der Region. Ziel ist es, jährlich um etwa zehn Prozent zu wachsen. Das Unternehmen berät seine Kunden im Hinblick auf den Einsatz und die Nutzbarkeit von IT-Systemen. Cloudcomputing, ERP-Lösungen, Telekommunikationssysteme und Softwareentwicklung sowie Servereinrichtung und -wartung gehören zu den Kernkompetenzen. Viel Wert wird bei Sycor auf die Work-Life-Balance gelegt.

„Die Arbeit bei uns soll mit den anderen Lebensbereichen gut vereinbar sein und Spaß machen. Wir wissen, dass wir dies nur erreichen können, wenn wir eine Vertrauenskultur pflegen und unsere Mitarbeiter aktiv an den Entscheidungsprozessen beteiligen. Das private Umfeld wird immer berücksichtigt“, sagt Human-Resources-Leiter Martin Renker. „So versuchen wir, sicherzustellen, dass junge Eltern weniger reisen müssen. Elternzeit fördern wir, und Teilzeit, Home-Office sowie Auszeiten sind bei uns selbstverständlich.“ Dank dieser ,Politik‘ erhielt Sycor bereits mehrere Auszeichnungen als vorbildlicher Arbeitgeber. Offene Stellen gibt es laut Renker bei Sycor „praktisch immer“. Der Personaler legt bei Bewerbern insbesondere Wert auf ein verknüpftes Verständnis von Wirtschaft und IT, um im Beratungsbereich kompetent auftreten zu können.

Ein weiteres Mitglied des IT-Clusters ist die 110 Mitarbeiter beschäftigende mod-Gruppe. Neben dem Hauptsitz in Einbeck unterhält sie Standorte in Hannover und Berlin. Der Management- und IT-Berater sieht seine Kompetenzen in der Unterstützung von komplexen IT-Prozessen. Als „innovativer Trendbegleiter“ betreut mod unter anderem Kunden der Finanzbranche und der ,Human Resources Services‘ überwiegend im norddeutschen Raum. „Das IT-Cluster hilft uns, andere regionale Unternehmen kennenzulernen und im Idealfall mit ihnen zu einer gegenseitigen Portfolioergänzung zu kommen“, sagt Florian Reinhold, Head of Group Marketing & Sales, zufrieden über die Entwicklung des Clusters. Wie Sycor befindet sich auch mod auf Wachstumskurs und profitiert von der Branchenentwicklung, der zufolge Kunden sich immer häufiger auf große Dienstleister konzentrieren, die möglichst viele Aufgaben dauerhaft erledigen können. „Daher setzen wir auf Nachwuchskräfte, die ein Talent haben, Trends zu erkennen und diese mit Wissen über Geschäftsprozesse, Betriebswirtschaft und natürlich IT-spezifischen Fachkenntnissen verknüpfen können“, so Reinhold.

Sehr viel spezialisierter geht es bei der Prof. Schumann GmbH in Göttingen zu. Das IT-Cluster-Mitglied realisiert innovative Lösungen im Kreditrisikomanagement und hilft seinen Kunden, ihre Forderungsausfälle und die damit verbundenen Kosten nachhaltig zu senken. „Unsere Lösungen werden international erfolgreich in Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen eingesetzt“, skizziert Geschäftsführerin Martina Städtler-Schumann die Zielgruppe. Das inzwischen 70 Mitarbeiter beschäftigende Unternehmen schuf sich den Markt für diese Lösungen übrigens selbst und ist daher stets Vorläufer auf diesem Gebiet. „Wir modifizieren nicht Software, die andere erstellt haben, sondern entwickeln unsere Standardsoftwareprodukte permanent weiter. Dazu brauchen wir immer kreative Topleute, die die Arbeit im Team und an anspruchsvollen Aufgaben lieben. Wir sind keine Nerds oder Workaholics, aber stressig kann es in heißen Projektphasen natürlich auch werden“, so die Firmengründerin, die mit ihrem Unternehmen über das Kreditrisikomanagement hinaus auch Beratungs- und Programmierleistungen zu individuellen IT-Fragestellungen anbietet.

Beratung steht auch im Fokus des Göttinger IT-Unternehmen GOESYS. Mit 15 Mitarbeitern versorgt es vorwiegend regionale Unternehmen mit IT-Infrastruktur. „Das Coole bei uns: Kein Tag ist wie der andere“, sagt Geschäftsführer Peter Bruchmüller über die vielfältigen Aufgaben, die täglich auf seine Spezialisten warten. Bei neuen Mitarbeitern setzt er vor allem auf ein breites Grundlagenwissen beispielsweise bei den gängigen Betriebssystemen. Die Feinheiten müssen dann sowieso jeweils geschult werden. Denn „wir machen bei jedem Kunden etwas anderes: Das reicht von IT-Security über den Ersatz einzelner Geräte bis zur Erneuerung der kompletten Infrastruktur“. Um dies mit einem kleinen Mitarbeiterkreis bewerkstelligen zu können, setzt er auf Mitarbeiterbindung sowie Vernetzung durch IT-Systemhauskooperation und sogar auf gemeinsame Mitarbeiter mit anderen Unternehmen – eine funktionierende Praxislösung, die sich aus der Cluster-Arbeit entwickelt hat.

In einem ähnlichen Umfeld bewegt sich auch die Firma Lendeckel und Schmidt aus Heiligenstadt, die auch in Göttingen einen Standort im Ausbau betreibt. Zurzeit noch zu siebt, sieht sich das Unternehmen als Versorger für IT-Technik. Von der Hardware bis zur Übernahme von Administrationstätigkeiten deckt es alle Aufgaben ab. „Was uns ausmacht, ist die Flexibilität – sowohl für unsere Kunden als auch für unsere Mitarbeiter, die einen unglaublich abwechslungsreichen Job bei uns bekommen“, so Geschäftsführer Heiko Lendeckel. Mit seinem Partner Winfried Schmidt ist er seit knapp zwei Jahrzehnten auf dem Markt, den er allerdings für sehr schwierig hält. „Wer jetzt von null anfängt, hat es schwer, sich zu behaupten, da es sehr viele Anbieter auf engem Raum gibt“, so Lendeckel.

Eine These, die auch Carsten Antelmann unterstützt. Der selbständige IT-Supporter aus Bovenden warnt vor Übereifer: „Sich als Einzelkämpfer im IT-Support direkt aus dem Studium heraus selbständig zu machen, halte ich für aussichtslos.“ Ein bestehendes Netzwerk hält der gelernte Bankkaufmann ebenso für unabdingbar wie kaufmännisches Verständnis zur Abwicklung der Geschäfte. Sein Fachwissen erwarb der inzwischen seit 25 Jahren auf eigene Verantwortung tätige IT-Fachmann in einem Frankfurter Rechenzentrum. Inzwischen hält er sich durch tägliche Fortbildung mittels Fachliteratur und Internetrecherche auf dem aktuellen Stand der technologischen Entwicklung. Sein Portfolio umfasst neben der Serverbetreuung inzwischen auch Cloudcomputing und Webdesign. Seine kurze Reaktionszeit und die an den Möglichkeiten kleiner Unternehmen orientierte Preisgestaltung überzeugen insbesondere Einzelunternehmer sowie kleine Architekturbüros, Arzt- und Anwaltspraxen.

Ob Global Player, KMU oder Einzelkämpfer – die Region hält für IT-Fachkräfte und IT-Nachwuchs jede Menge Abwechslung bereit. Einsatzbereitschaft und wirtschaftliches Verständnis vorausgesetzt bietet die IT-Branche spannende Einsatzfelder.