Grüne Oasen schaffen

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Text von: Christian Mühlhausen, redaktion

Bei den Außenanlagen von Unternehmen liegt noch viel Potenzial, Gutes zu tun und Geld zu sparen.

Der Rasen kurzgeschoren, die Hecke akkurat gestutzt, der Parkplatz eine geschlossene Asphaltfläche und die Produktionshallen sowie Bürogebäude mehr oder weniger ästhetisch, auf jeden Fall aber vollkommen geschlossen: So präsentieren sich in den Gewerbegebieten unserer Region die meisten Produktions- und Handwerksbetriebe, Dienstleister und Freiberufler.

Viel Platz für Flora und Fauna, die hier einst präsent waren, gibt es nicht. Allenfalls einige Allerweltstiere wie Amsel und Kohlmeise, vielleicht mal ein Schmetterling oder ein Marienkäfer tummeln sich hier.

Viel wurde in den vergangenen Jahren gesprochen und geschrieben über Umweltschutz im Büro, über Energiesparlampen, Recyclingpapier, Wärmedämmung und Mülltrennung.

Vollkommen unberücksichtigt blieb dabei aber die Außenanlage eines Unternehmens.

Und das, obwohl dort enorm viel Potenzial liegt, etwas Gutes zu tun. Denn täglich verschwindet in Deutschland eine Fläche von 100 Hektar Landschaft unter Straßen, Neubaugebieten, Gewerbeansiedlungen und Ausgleichsmaßnahmen.

Es mehren sich die Stimmen, die einerseits ein Ende des Flächenfraßes fordern, zugleich aber auch mehr Natur in die Siedlungen holen wollen.

Leuchtturmprojekte

Dass es auch anders geht, beweisen einige Leuchtturmprojekte unserer Region. Beim Bau des „Backhauses“, am Ortsrand von Klein Lengden gelegen, wurde nicht nur der Bau einer Solarstromanlage vorgesehen,sondern auch ein Gründach integriert.

Heute, zehn Jahre später, zeigt sich Axel Artmann, einer von fünf Backhaus-Gesellschaftern, sehr zufrieden: „Wir würden das jederzeit wieder machen.“ Es passe nicht nur zu den ökologischen Vorstellungen der Gesellschafter, sondern sei auch „einfach schön“.

Ein Gründach sei sehr pflegeleicht und halte auch das Regenwasser zurück – dieses fließe langsamer ab, was übrigens auch die Kommune bei der Berechnung der Regenwasserbeiträge positiv berücksichtige.

Auch bei den Außenflächen des Backhauses setzt man auf Natur: Die Grünflächen werden nur zwei Mal im Jahr gemäht. „Das sieht zwar manchmal etwas wild aus, bietet aber Lebensraum für Insekten, Schmetterlinge, Eidechsen, Vögel und Kleinsäuger.“

Von den Vorteilen von Gründächern ist auch Christian Schade aus Reinhausen überzeugt. Schade ist Mitgesellschafter der Firmen Xeroflor und Grönloof, die Vegetationsmatten für Dachbegrünungen herstellen und Dachbegrünungen durchführen. „Zum Einsatz kommen niedrig wachsende Pflanzen mit geringen Ansprüchen an Wasser und Nährstoffe“, sagt Schade.

Gründächer halten nicht nur Regenwasser zurück, sie dämpfen auch Lärm (etwa bei Starkregen), bieten sommerlichen Wärmeschutz und Wohlfühlaspekt in einem, werten Gebäude ästhetisch auf, schaffen durch Verdunstung ein günstiges Kleinklima und schützen die unterliegende Dachhaut, die dadurch weniger Temperaturextremen ausgesetzt ist.

Wichtige Gründach-Märkte sind neben Deutschland und Belgien derzeit vor allem die Niederlande und Frankreich – dort ist bei Neubauten das Zurückhalten von Regenwasser vorgeschrieben.

Neben privaten und öffentlichen Bauten installiert Schade auch auf Firmendächern Gründächer – etwa bei Aldi Süd auf einem 45.000-Quadratmeter- Dach. „Auf solchen Dächern entwickelt sich ein regelrechtes Eigenleben – sogar Rebhühner kommen dort vor.“

Auf Natur rund ums Firmengebäude setzen auch Heike und Ulli Atts von der Blauer Planet GmbH, einem „Versandhandel für lebensfreundliche Produkte“ (Ernährung, Kosmetik, Körperpflege, Nahrungsergänzung). Was 1987 in Hedemünden begann, hat sich mittlerweile zu einem Unternehmen mit 18 Mitarbeitern entwickelt.

2001 wurde es im alten Ortskern zu eng und ein neues Gelände im Industriegebiet Hedemünden bezogen – und natürlich auf Ökologie gesetzt: Kurzgeschorenen Rasen sucht man vergeblich, beim Bau wurde auf Holz als nachwachsenden Öko-Baustoff sowie natürliche Farben geachtet.

Die Solarstromanlage gehört ebenso dazu wie ein Kräutergarten mit Gewürz- und Heilpflanzen, ein Trockenbeet sowie eine Regenwassernutzung für die Toilettenspülung – darüber hinaus speist überschüssiges Regenwasser ein Wasserbiotop auf dem Gelände. In die Kanalisation muss beim Blauen Planeten kein Regenwasser eingeleitet werden.

Dazu trägt auch ein großes Gründach bei; die Mehrkosten beim Dach lägen bei etwa zehn bis 15 Prozent. „Wir wollen damit der Natur oben zurückgeben, was wir unten genommen haben, und gleichzeitig grüne Oasen schaffen im Industriegebiet“, sagt Ulli Atts.

Im Gewerbegebiet in Rosdorf setzt auch der Bauernverband „Landvolk“ mit dem 1996 errichteten Grünen Zentrum, in dem mehrere Unternehmen und Organisationen aus dem landwirtschaftlichen Bereich untergebracht sind, auf ökologisches Bauen. Auch hier wurde überwiegend Holz verwendet, die Dämmung mit ökologischen Materialien ausgeführt.

„Das Gründach“, so Landvolk-Geschäftsführer Achim Hübner, „ist nicht nur schick, sondern spart uns auch die Gebühren fürs Regenwasser.“ Mit einem Gründach oder der extensiven Pflege des Außengrundstückes wäre der Natur schon weitergeholfen.

Doch wer mag, kann noch weitaus mehr Leben aufs Firmengrundstück holen

„Moderne Büro- und Industriegebäude bieten kaum Lebensraum für unsere Kulturfolger, wie etwa Schleiereule, Fledermaus, Schwalben und Mauersegler. Leider ist dieses Thema auch noch nicht bei den Architekten angekommen. Denn mit wenigen Maßnahmen kann man schon viel erreichen“, sagt Artenschutzexperte Hans-Joachim Haberstock aus dem Niemetaldörfchen Varlosen.

Er plädiert, Gebäudeteile für die Tierwelt zu öffnen und so Kulturfolgern eine Zuflucht zu bieten – das alles gehe auch, ohne die Wärmedämmeigenschaften zu verschlechtern. Schon beim Bau eines Hauses könne dieses berücksichtigt werden. Auch später sei ein Nachrüsten möglich – etwa mithilfe spezieller Niststeine, die ins Mauerwerk eingebaut werden können.

Dass das alles auch Erfolg versprechend ist, beweisen die Gebäude der Mülldeponie Deiderode und der Bodendeponie Dransfeld, bei denen Haberstock mit künstlichen Nisthilfen nachgerüstet hat.

Auch bei den Außenanlagen rät Haberstock zu mehr Mut zur Natur. Stein- und Reisighaufen oder ein Insektenhotel könnten das Firmengrundstück ebenso aufwerten wie eine Trockenmauer, in der sich Eidechsen wohlfühlen.

Statt geteerter Parkplätze könnten die Varianten „Schotterfläche“ und „Rasengittersteine“ zum Einsatz kommen. Und wer sich nicht traut, den kompletten Rasen in eine Blumenwiese zu verwandeln, könne das ohne großen Aufwand auch in Etappen machen: Zunächst einfach Inseln wachsen lassen, auf denen Blumen und Kräuter blühen, und diese später ausweiten.

Leicht umzusetzen

„Diese Maßnahmen lassen sich leicht umsetzen und werden schnell Freude bereiten, wenn sich die Natur einstellt“, sagt Experte Hans-Joachim Haberstock. Wenn viele Unternehmen mitmachten, könnten viele Tausend Quadratmeter neuer Lebensraum für die Natur zurückgewonnen werden.