Grenzgänger

© Florian Aue
Text von: Sebastian König

HAWK und Hochschule OWL gründen länderübergreifendes Zukunftszentrum Holzminden-Höxter.

„Die gemeinsame Gründung des Zukunftszentrums ist ein echter Glücksfall“, sagen Christiane Dienel, Präsidentin der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK), sowie Oliver Herrmann, Präsident der Hochschule Ostwestfalen- Lippe (OWL), übereinstimmend. Am 17. Dezember 2013 unterzeichneten beide die Verträge für das länderübergreifende Zukunftszentrum Holzminden- Höxter (ZZHH). Hier sollen neue Impulse für die Regionalforschung entstehen. Im Mittelpunkt steht dabei der demografische Wandel. Herrmann erklärt, warum sich besonders die Region Holzminden-Höxter für diesen Schwerpunkt eignet: „Sie ist eine Modellregion für die Folgen des demografischen Wandels, da sie in besonderem Maße vom Bevölkerungsschwund und der veränderten Altersstruktur betroffen ist.“ Und Dienel ergänzt: „Das Zentrum ist hier genau richtig, da sich Holzminden und Höxter sowieso immer weiter aufeinander zubewegen.“

Die Ergebnisse aus den angestrebten Forschungen sollen Städte und Regionen dabei unterstützen, den Herausforderungen der Demografie besser begegnen zu können. Dabei werden laut Herrmann ganz unterschiedliche Fragestellungen beleuchtet: „Wie kann beispielsweise Dorfentwicklung zukünftig aussehen, wenn ältere Menschen zunehmend unmobiler werden und die Betreuungskapazitäten nicht ausreichen?“ Auch die Frage nach Maßnahmen gegen den absehbaren oder bereits vorhandenen Fachkräftemangel soll geklärt werden. Zur Beantwortung der Fragen bündeln die beiden Hochschulen in dem neu gegründeten Zukunftszentrum ihre Stärken. Während die Hochschule OWL die Bereiche Umweltingenieurwesen, Angewandte Informatik und Landschaftsarchitektur einbringt, steuert die HAWK ihr Wissen in den Bereichen Sozialwissenschaften, Sozialarbeit, Wirtschaftsingenieurwesen und Management bei. „Rund um den demografischen Wandel und seine Auswirkung ist das genau der richtige Mix“, sagt Dienel. Ziel sei es, gemeinsame und zukunftsorientierte Vorhaben der Stadtund Regionalentwicklung voranzubringen.

Neben der thematischen Ausrichtung sehen beide Präsidenten das Zentrum auch darüber hinaus in einer Vorreiterrolle. Denn die beiden Hochschulen betreten mit der Gründung absolutes Neuland, wie Dienel ausführt: „Es ist das erste Zentrum dieser Art, das Ländergrenzen überschreitet.“ Deshalb gibt es aktuell noch einige kleinere Hürden zu überwinden. So lässt die Anerkennung als gemeinsames Institut durch die Länder Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen noch auf sich warten. Dies sei laut Dienel aber der Tatsache geschuldet, dass es auch für die Behörden ein völlig neuer Fall sei.

„Wir haben eine ungewöhnliche und innovative Institution ins Leben gerufen“, sagt Herrmann und ergänzt: „Die Ergebnisse werden wegweisend und auf andere Regionen übertragbar sein.“ Damit recht bald erste Ergebnisse vermeldet werden können, beginnt das Zentrum umgehend mit der Arbeit. Das neue Direktorium und somit die fachliche Leitung bilden Alexandra Engel und Ulrich Harteisen von der HAWK sowie Klaus Maas von der Hochschule OWL. Ihnen stehen verteilt über die kommenden fünf Jahre Fördergelder in einer Gesamthöhe von 660.000 Euro zur Verfügung. Diese haben die Städte und Kreise Holzminden und Höxter zusammengetragen. Zusätzlich beteiligen sich vier Unternehmen aus Ostwestfalen mit Einmalzahlungen in Höhe von insgesamt 37.500 Euro. Der Sitz des Zentrums wird in Holzminden sein. In Höxter wird eine Außenstelle eingerichtet.