Göttinger Wissenschaftsgeschichte neu belebt

© Wolfgang Beisert
Text von: Redaktion

Die Astronomische Hütte auf dem Gelände der Wiechert’schen Erdbebenwarte wird mit dem wieder funktionstüchtigen “Passage-Instrument“ ihre Rolle bei der Erkennung von Erdbeben erneut aufnehmen. Eine vorläufige Einweihung fand am 15. Juni 2009 statt.

Grünes Licht hieß es im März für die Sanierung 1902 errichteten Hütte, die nun in altem Glanz erstrahlt. Sie war vorher seit mindestens 50 Jahren nicht mehr gepflegt worden, ihr Zustand wurde genauestens analysiert.

„Unser Ziel ist es, die Hütte so originalgetreu wie möglich zu erhalten. Nur wenn es nicht anders möglich ist, werden Teile ausgetauscht“, so Wolfgang Brunk, Vorsitzender des Vereins Wiechert’sche Erdbebenwarte Göttingen.

Im Herbst wird ein großes Einweihungs-Fest stattfinden. Vereinsmitglied Udo Wedeken weiß: „Bis dahin muss noch ein wenig getan werden.“

Die Sanierungskosten belaufen sich auf 7.000 Euro. Die Sparkasse Göttingen und die Niedersächsische Sparkassenstiftung übernehmen davon 5.000 Euro und helfen damit, ein Stück Göttinger Wissenschaftsgeschichte wieder zum Leben zu erwecken.

Herzstück der Astronomischen Hütte ist das „Passage-Instrument“, das der präzisen, astronomischen Zeitbestimmung dient, da es vor über 100 Jahren noch keine Atomuhr oder ähnliches gab.

Damit konnten die weltweit erfassten seismischen Daten synchronisiert und eine genaue Auswertung eben dieser Daten gesichert werden. Bald soll es seine Funktion wieder aufnehmen. Die Sanierung schließt die Rundum-Erneuerung der Wiechert’schen Erdbebenwarte ab.

Das Gelände auf dem Göttinger Hainberg umfasst das „Alte Erdbebenhaus“ mit dem ältesten aktiven Seismographen der Welt, das „Neue Erdbebenhaus“ von 1925, das Gauß-Haus, die Samoa-Hütte sowie die Astronomische Hütte und die Mintrop-Kugel.

Gründer der Erdbebenwarte ist Emil Wiechert, der ab 1901 in Göttingen auf den Gebieten Seismik, Erdmagnetismus, Luftelektrizität und Meteorologie forschte. Ab 1902 baute er mit den Göttinger Unternehmen G. Bartels und Spindler & Hoyer (heute LINOS) Aufzeichnungsgeräte für Erderschütterungen – Seismographen.

„Wir möchten unseren Besuchern mit der Sanierung der Astronomischen Hütte nun endlich die gesamte Erdbebenwarte mit all ihren Stationen präsentieren – voll funktionstüchtig und in altem Flair!“ berichtet Brunk.

Jeden ersten Sonntag im Monat können Besucher zwischen 14 und 17 Uhr bei geeignetem Wetter den freien Fall der „Mintrop-Kugel“ erleben. Die Erfindung von 1908 diente dazu, künstliche seismische Bodenwellen zu erzeugen, um später in den 1920er Jahren unter anderem in Texas Erdölfelder zu lokalisieren.

Des Weiteren gibt es Führungen, bei denen die Besucher die Erdbebenwarte und deren Anlagen erkunden können.