Göttinger Elch 2008 für die „Biermösl Blosn“

Text von: redaktion

Der mit 3.333 Euro, einer silbernen Elchbrosche und 99 Dosen „Original Göttinger Elch-Rahmsuppe“ dotierte Satirepreis wird für ein „Lebenswerk satirischer Provenienz“ oder „eine satirische Multibegabung“ vergeben.

„Seit über dreißig Jahren beweisen die bayerischen Musiker Christoph, Hans und Michael Well, weithin bekannt als Biermösl Blosn, dass Volksmusik und Satire, Liebe zur Tradition und Leidenschaft zur subversiven Kritik, Bodenständigkeit und unbändige Freude am Neuen aufs Schönste zusammenpassen“, heißt es in der Begründung der Jury. „Mit einer musikalischen Virtuosität ohnegleichen, verwurzelt im Dialekt ihrer oberbayerischen Heimat und ausgerüstet mit der selbstverständlichen Aufmüpfigkeit wacher Zeitgenossen knüpfen Christoph, Hans und Michael Well an die fast vergessene Überlieferung des respektlosen, derben und aktuelle Missstände attackierenden Volkslieds an und führen es zu neuen Höhen jenseits von Kitsch, Klischee und kommerzieller Glätte, so die Jury weiter.

Als „Biermösl Blosn“ traten die drei Brüder erstmals 1976 auf und wurden für ihre virtuose Verbindung von traditioneller Volksmusik mit aktuellen, kritischen Texten in bayerischem Dialekt rasch bekannt. Mehrmals erregten sie mit ihren bissigen Liedern politisch Anstoß. Sie nannten die Soldatenuniform ungeniert ein „Mörderkleid“, bezeichneten den damaligen Kardinal Ratzinger als „Alpen-Ayatollah“ und wurden wegen ihres Einsatzes gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf vom Bayerischen Rundfunk boykottiert.

Der „Göttinger Elch“ ist Deutschlands einziger Satirepreis. Er nimmt dabei Bezug auf Göttingens besondere Tradition in Sachen Satire, die mit dem Aphoristiker Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) beginnt und bis in die jüngste Vergangenheit durch die Wahl-Göttinger Robert Gernhardt und F. W. Bernstein fortgeführt wurde. Entlehnt wurde der Name des 1997 geschaffenen Preises einem bereits sprichwörtlich gewordenen Zweizeiler F. W. Bernsteins: „Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche.“

Die feierliche Verleihung findet am Samstag, den 4. Oktober 2008, statt