Göttingen in neuem Licht

Text von: redaktion

Bekannte Orte Göttingens erstrahlen in ganz neuem Licht: mit 13 Fotografien zeigt das ein Wandkalender für 2021, der jetzt erschienen ist. Vor den Kulissen der Stadt schufen Karsten Knigge (54) und Sohn Findus Hirt (14) Lichtskulpturen und Lichtmalereien.

Ihre Lightpaintings entstanden zumeist in den Wochen des Corona-Lockdowns im Frühjahr. Die Fotokünstler hatten zu dieser Zeit ideale Bedingungen für ihre Arbeit: die Stadt war menschenleer, die Fotoaufnahmen, die oft minutenlange Belichtungszeiten erfordern, wurden nicht durch Passanten oder vorbeifahrende Fahrzeuge gestört.

Die Monatsblätter des Kalenders zeigen bekannte Bauwerke der Stadt, etwa das alte Rathaus, die Aula am Wilhelmsplatz oder das Deutsche Theater. Dazu kommen auch einige unbekanntere Orte, wie die Leineaue oder die Diemardener Warte. Vor diesen Hintergründen bannte das Fotografenpaar ihre Lichtkunst auf den Sensor der Kamera. Auf der Rückseite des Kalenders erklären sie kurz die verwendeten Lightpainting-Techniken und -Tools.

Zudem bot das Projekt den beiden Göttingern die Möglichkeit, die wochenlangen Schulschließungen sinnvoll zu überbrücken. Und neben den fotografischen Dingen konnte Findus auch ganz praktische Einblicke gewinnen: Druckereiverhandlungen, Mehrwertsteuerberechnung, Sponsorensuche, Vertrieb und Öffentlichkeitsarbeit wurden von Vater und Sohn gemeinsam erledigt.

Der fertige Kalender im A3-Format zum Preis von 19,50 Euro ist im Göttinger Buchhandel erhältlich. Auch auf der Internetseite www.lightpainting-goe.de gibt es eine Online-Bestellmöglichkeit. 50 Prozent ihrer Gewinne spenden Vater und Sohn an eine Aktion des KUNST.eV, die soloselbstständige Kulturschaffende in der Coronakrise unterstützt.

Lightpaintings sind Fotografien, in die während der langen Belichtungszeit mit zusätzlichen Lichtquellen, etwa Taschenlampen, Wunderkerzen, LED-Streifen oder Leuchtstäben hineingearbeitet wird. Die beste Zeit für die Fotos ist die Dämmerung des Abends und des frühen Morgens vor Sonnenaufgang. Da die Zeitspanne mit passendem Dämmerungslicht kurz ist, gelingt meist nur eine Aufnahme pro Tag. Daher müssen die Fotoshootings im Vorfeld gut geplant und einstudiert werden. Insbesondere auch, weil spätere digitale Veränderungen der vor Ort entstandenen Fotografien bei Lightpaintern verpönt sind. Weltweit gibt es eine wachsende Community, die sich mit dieser Kunstform beschäftigt und die gut vernetzt ist. Anleitungen für Einsteiger finden sich im Internet.

Findus Hirt: „Es war immer spannend, nach den Shootings zu Hause das fertige Bild anzusehen, weil man nie ganz genau wusste, was herausgekommen ist. Jetzt hoffe ich, dass sich unser Kalender gut verkauft, denn meinen Anteil möchte ich in einen neuen Computer für Bild- und Videobearbeitung stecken. Bei den Arbeiten an unserem Kalender habe ich ganz praktische Dinge gelernt, die in der Schule so nicht vorkommen.“

Karsten Knigge: „Wir waren fast jeden Abend unterwegs zum Fotografieren. Es war schön, dass wir in den schwierigen Zeiten des Lockdowns ein Projekt hatten, aus dem wir positive Energie ziehen konnten. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir mit den Einnahmen auch einige Göttinger Kulturschaffende unterstützen können, die es grade wieder richtig schwer haben.“