Göteborger Lise-Meitner-Preis 2010/2011 für Stefan Hell

Text von: redaktion

Stefan W. Hell, Direktor und Leiter der Abteilung NanoBiophotonik am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie hat am Freitag, 16. September 2011, den Göteborger Lise-Meitner-Preis erhalten.

Hell erhält den Preis für seine bahnbrechende Entwicklung der Lichtmikroskopie und ihre Anwendungen in der biologischen Forschung. Abgesehen von seiner wissenschaftlichen Exzellenz hat er die Herausforderung angenommen, Brücken über die Grenzen zwischen den verschiedenen naturwissenschaftlichen Disziplinen hinweg zu schlagen, um wichtige Fragestellungen anzugehen – was nicht immer einfach ist”, begründete das Komitee seine Wahl. Er habe als Erster eine Methode vorgeschlagen und experimentell gefunden, um die beugungsbedingte Auflösungsgrenze in der Lichtmikroskopie zu überwinden.

Vorher konnten Lichtmikroskope Objekte, die weniger als 200 Nanometer (millionstel Millimeter) voneinander entfernt sind, im Bild nicht mehr trennen. Für Biologen, die bei der Beobachtung von Vorgängen in lebenden Zellen auf die Lichtmikroskopie angewiesen sind, bedeutete dies eine massive Einschränkung – denn für sie sind weitaus kleinere Strukturen in lebenden Zellen interessant.

Mit seiner STED-Mikroskopie unterläuft Hell die Grenze mit einem einfachen Trick: Eng benachbarte Details werden kurzfristig dunkel gemacht, und zwar so, dass sie nicht gleichzeitig, sondern nur nacheinander sichtbar sind. Auf diese Weise lassen sich Strukturen in lebenden Zellen mit einer heute bis zu zehnmal besseren Detailschärfe beobachten.

„Rein theoretisch gibt es nach unten bis zum Molekül keine Grenze“, erklärt der Physiker. In Zukunft möchte er mit seinen Mikroskopen noch tiefer in die Welt der Zelle blicken. Der Lise-Meitner-Preis wurde Stefan Hell am Freitag, 16. September 2011 in Göteborg überreicht.

Über den Lise-Meitner-Preis

Die österreichisch-schwedische Kernphysikerin Lise Meitner (1878-1968) forschte am Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie in Berlin, bevor sie im Jahr 1938 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft fliehen musste. In Kungälv bei Göteborg schrieb sie mit ihrem Neffen Otto Frisch Geschichte: Sie deutete die Versuche ihres in Berlin verbliebenen Kollegen Otto Hahn und fand heraus, dass ein Atomkern durch den Beschuss mit Neutronen in zwei Teile gespalten werden kann und dabei ein hohes Maß an Energie freisetzt – damit hatte sie ein wesentliches Element der Kernspaltung entdeckt.

Der Göteborger Lise Meitner Preis wird seit 2006 jährlich von Fysicum verliehen, einem Zusammenschluss der Fakultäten für Fundamentalphysik und für Angewandte Physik der Technischen Universität Chalmers sowie der Physikfakultät der Universität Göteborg, bevorzugt an Wissenschaftler, die unter schwierigen Bedingungen bahnbrechende Entdeckungen auf dem Gebiet der Physik gemacht haben.

Mit der Auszeichnung erhält der Preisträger 10.000 Schwedische Kronen (rund 1.000 Euro).

Über den Preisträger

Stefan W. Hell promovierte 1990 an der Universität Heidelberg in Physik und arbeitete von 1991 bis 1993 am Europäischen Molekularbiologischen Laboratorium (EMBL) in Heidelberg. Danach folgte ein dreineinhalbjähriger Aufenthalt an den Universitäten Turku (Finnland) und Oxford (Großbritannien). Als Leiter einer Max-Planck-Nachwuchsgruppe wechselte er im Jahr 1997 an das Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. Seit 2002 ist er Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie und Leiter der Abteilung NanoBiophotonik.

Stefan Hell hat für seine Forschung zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, darunter den 10. Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten (2006), den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis sowie den Niedersächsischen Staatspreis (beide 2008). Der Otto-Hahn-Preis für Physik folgte im Jahr 2009. Am 7. September 2011 wurde ihm der diesjährige Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft verliehen.