Glück in der Nische

Text von: Sebastian König

Zeitgeist: Erstes veganes Geschäft der Region mit Urkunde ‚Gute Gründe(r)‘ ausgezeichnet.

Eine Nische finden und darin glücklich werden – das hat sich für Conny Harte-Götz erfüllt.

Mit dem ersten veganen Geschäft in der Hospitalstraße in Göttingen, das sie auf den Namen ‚Zeitgeist – Leben ist kostbar.‘ getauft hat, konnte sie sich innerhalb kürzester Zeit etablieren.

Ihr Mut zum Schritt in die Selbständigkeit ist jetzt mit der Auszeichnung ‚Gute Gründe(r)‘ belohnt worden.

„Innenstadt und Innenstadthandel sind ein wichtiger Teil unseres Wirtschaftsstandortes“, sagt Ursula Haufe, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen (GWG), zur Begründung. „Die stetige Entwicklung eines vielfältigen Angebots wird von der GWG wahrgenommen und gern unterstützt.“

Dass ein veganes Geschäft Erfolg hat, wundert Haufe nicht: „Vegane Ernährung wird in der Gesellschaft zunehmend praktiziert, der Bedarf an derartigen Produkten wächst.“

Conny Harte-Götz habe mit ihrer Gründung ein Angebot geschaffen, welches auf wachsende Nachfrage in Göttingen treffe. „Es war ein mutiger Schritt, der durch die positive Geschäftsentwicklung eindrucksvoll bestätigt wird“, ergänzt Haufe.

Und tatsächlich scheint Harte-Götz mit ihrem im August 2012 eröffneten Laden den Geist der Zeit zu treffen. „Das Geschäft läuft so gut, dass ich bereits im November eine Aushilfe einstellen konnte.“

Außerdem halte sie bereits nach größeren Räumlichkeiten Ausschau, um die Produktpalette erweitern zu können.

Momentan bietet sie neben veganen Lebensmitteln auch Kosmetik, Schmuck, Nahrungsergänzung, Tiernahrung, Kleidung, Bücher sowie Geschenkartikel an. Dazu kommen Gutscheine, Wein, Tee, Kaffee, Fleisch- und Käseersatzprodukte sowie seit Kurzem auch Rohkostprodukte.

Denn die vegane Lebensweise beinhaltet mehr als nur den Verzicht auf Fleisch, Fisch, Milch, Käse und Eier, wie Harte-Götz erklärt: „Vegan leben bedeutet für mich, Tierleid zu vermeiden.“ Deshalb verzichten Veganer auch auf Honig, Wolle, Seide, Federbetten, Pelz und Leder.

Sie selbst kam durch das Buch ‚Anständig essen‘ zu der neuen Lebensweise. „Danach habe ich meinen Lebensstil schlagartig geändert.“ Das galt aber nicht nur für den Verzicht auf tierische Produkte.

Harte- Götz gab ihren Beruf als Zahntechnikerin auf und entwickelte die Idee zum ersten veganen Geschäft in der Region.

Bevor sie sich aber auf dieses Wagnis einließ, bereitete sie sich akribisch darauf vor. In mehreren Kursen für Gründer an der Mobil Akademie lernte sie, wie ein Business-Plan entsteht oder wie Buchführung funktioniert.

„Das hat mir Sicherheit gegeben“, erzählt die Jungunternehmerin. Außerdem betrieb sie Marktforschung. Dabei entdeckte sie, dass in Göttingen und Umgebung rund 1.000 Veganer leben. Darüber hinaus zählen Vegetarier sowie Menschen mit Allergien und Unverträglichkeiten zu den potenziellen Kunden.

Insgesamt geht für Harte-Götz der Trend deutlich in die Richtung einer fleischlosen Ernährung. Dies drückt sich auch im Namen ihres Geschäfts aus: „Zeitgeist bedeutet, dass ich es als nicht mehr zeitgemäß ansehe, Fleisch zu essen.“

Menschen, die sich für die Lebensweise interessieren, lädt sie an jedem Donnerstag ab 12 Uhr zu einer veganen Suppe in ihren Laden ein.

‚Gute Gründe(r)‘

Im Mai 2013 verliehen Oberbürgermeister Wolfgang Meyer, Landrat Bernhard Reuter, GWG-Geschäftsführerin Ursula Haufe und WRG-Geschäftsführer Detlev Barth die Urkunde ‚Gute Gründe(r)‘ an Conny Harte-Götz für ihre Geschäftsidee ,Zeitgeist – Leben ist kostbar‘.

Die Urkunde ‚Gute Gründe(r)‘ wird vier Mal im Jahr von der GWG und WRG an jung gegründete Unternehmen vergeben. Mit der Urkunde sollen besonders neue, viel versprechende und tragfähige Geschäftsideen ausgezeichnet werden, die in besonderer Weise geeignet sind, ein positives Gründungsklima in Göttingen zu fördern und Mut machen,