Gesundheitskompetenz für Studierende: ein wirtschaftlicher Faktor

©Shutterstock:Anna Frajtova
Text von:

Die deutschen Hochschulen sind Studienort für 2,7 Millionen Studierende und Arbeitsort für 600.000 Beschäftigte. Durch den veränderten Studiengang hinsichtlich Bachelor und Master wird die Arbeit an den Hochschulen immer stressiger: Sowohl für die Studierenden in Hinblick auf Leistungsdruck und Zeit sowie für die Hochschulmitarbeiter in Form neuer Arbeitsstrukturen und verdichteter Arbeitsinhalte. Die Uni Göttingen startet nun als 'Gesunde Hochschule' durch.

Das Ergebnis beweist auch der ‚CampusKompass‘ der Techniker Krankenkasse (TK), nach dem rund 1.000 Studentinnen und Studenten zu ihrem Lebensstil, ihrem Stress und ihrem Nutzerverhalten zu digitalen Medien befragt wurden: Drei von vier Studenten stehen unter Druck und 44 Prozent fühlen sich erschöpft. Viele sind zudem nicht in der Lage, diese Situation alleine zu bewältigen.

Gesundheitsförderung sollte deshalb gerade an Hochschulen frühzeitig einsetzen. Da die TK bundesweit einen hohen Anteil an Studierenden versichert, stehen wir gegenüber den späteren Akademikern und Führungskräften in einer besonderen Verantwortung“, erläutert Sabine Voermans,  Fachbereichsleiterin Gesundheitsmanagement der TK. „Seit Jahren engagieren wir uns daher, um gemeinsam mit den Hochschulen Gesundheitsmanagementprojekte zu initiieren“.

Wenn die Studierenden qualifiziert im Rahmen von Gesundheitsförderung ausgebildet und unterstützt werden, ist eine langfristige Win-Win-Situation für Hochschulen und  Wirtschaft vorgezeichnet. Das während der Studienzeit erworbene Know-how können die Studierenden in ihrem Job praxisgerecht umsetzen.

Die Universität Göttingen hat diese Vorbildfunktion erkannt und setzt als ‚Gesunde Hochschule‘ seit Jahren verschiedene Projekte erfolgreich in die Tat um. Dieser Einsatz wurde honoriert: Mit dem zweiten Preis im Wettbewerb um den besten Prozess der Organisationsentwicklung für das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) wurde die Hochschule Göttingen 2010 ausgezeichnet. Der Wettbewerb ‚Gesunde Hochschule‘  wurde vom Arbeitskreis Gesundheitsfördernder Hochschulen gemeinsam mit der Hochschule Magdeburg-Stendal und der TK ausgeschrieben.  Damit wollten die Initiatoren die Auseinandersetzung  mit ganzheitlichen Maßnahmen und Organisationsentwicklungsprozessen auf dem Weg zu einer gesunden Hochschule fördern.

„Gesundheit ist gewissermaßen die Grundlage einer nachhaltigen Beschäftigungsfähigkeit, die nicht nur das Setting der Hochschule betrifft, sondern – im Sinne einer Vorbereitung auf die Arbeitswelt  – nachhaltig auf die Lebens- und Arbeitswelten zukünftiger Lebensphasen ausstrahlt. Die Befähigung zu einem kompetenten Umgang mit der eigenen Gesundheit wird damit zu einer Art Metakompetenz, zu der alle anderen Bereiche in Abhängigkeit stehen“, so Arne Göring, stellvertretender Leiter  des Hochschulsports der Uni Göttingen und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Sportwissenschaften.

Professorin Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE), Ludwigshafen ergänzt:

„Neben den fachlichen, sozialen und methodischen Modulen, die Inhalte der Hochschulbildung sein müssen, braucht es aber auch das Rüstzeug zum lebenslangen Lernen, einen bewussten Umgang mit Medien sowie eine Expertise zum Selbst- und Veränderungsmanagement. In Bewegung bleiben, ohne die Balance zu verlieren, sollte für jeden zum persönlichen Motto werden und eine Lebensbasis darstellen“.

„Durch sinkende Geburtenraten, zunehmenden Fachkräftemangel, anders gewichtete Lebensziele der Generation Y und einem sich weiter verschärfenden globalen Wettbewerb, stehen viele Unternehmen heute vor ganz neuen Herausforderungen. Ziel muss daher sein, gute Fachkräfte nicht nur an das Unternehmen zu binden, sondern die Belegschaft möglichst gesund zu erhalten und vielfach überhaupt erst einmal das Bewusstsein dafür zu schärfen“, so die realistische Einschätzung und Zukunftsprognose von Barbara Fuisting, Leiterin für die Themenbereiche Weiterbildung, Recht, Bau, und Organisation des Göttinger Unternehmens Mahr GmbH.

Christopher Hillebrand, Strategischer Einkäufer und Teilnehmer am betrieblichen Gesundheitsmanagement der Firma Sycor in Göttingen berichtet aus seiner Arbeitspraxis: „Es ist immer erstrebenswert, die drei Komponenten Sport, berufliche Erfolge und Weiterbildung jeglicher Art, möglichst ausgeglichen in seinen Alltag zu integrieren. Statt mich auf einen der drei Faktoren zu beschränken oder Aktivitäten zu reduzieren, konnte ich in der jüngeren Vergangenheit alle drei Lebensbereiche durch die entsprechende Firmenphilosophie und Unterstützung meines Arbeitsgebers gut miteinander kombinieren. Dies soll auch für die Zukunft mein Ziel sein“.

 

Interessierte finden weitere Informationen zur Gesundheitsförderung an Hochschulen unter  www.tk.de/lv-niedersachsen, Webcode 215832 sowie den TK-CampusKompass – eine Umfrage zur Gesundheit von Studierenden –  unter dem Webcode 724598.