©Luka Gorjup
Text von: Lea van der Pütten

Von Schockbekämpfung bis Babybespaßung – bei diesem Beruf steht der Mensch im Mittelpunkt. Denn Gesundheits- und Krankenpfleger betreuen kranke und pflegebedürftige Menschen, versorgen Wunden, legen Schienen und Verbände an, assistieren bei operativen Eingriffen, informieren Patienten über gesundheitsfördernde Maßnahmen und leiten sie zur Selbsthilfe an. Ein Beruf, der Stressresistenz, Kommunikationstalent und Empathie erfordert – und damit genau der richtige Job für Marius Hofmann.

Marius absolviert derzeit seine Ausbildung am Standort Neu-Mariahilf des Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende (EKW).

„Göttingen gefällt mir einfach super: Hier gibt es gleich zwei Kliniken, die einen guten Ruf für diese Ausbildung haben“, berichtet der 24-Jährige. „Aber ich habe mich für das EKW entschieden, weil die Atmosphäre hier einfach noch familiärer ist.“ Insgesamt beschäftigt das Krankenhaus derzeit um die 70 Auszubildenden für unterschiedlichste Berufe. Für den Bereich Gesundheits- und Krankenpflege gibt es sogar eine eigene Krankenpflegschule vor Ort. Dort lernen die Azubis alles, was sie in der Praxis brauchen – von Krankheitslehre über Hygienerichtlinien bis hin zu Sterbeseminaren bei Palliativpatienten. „Dass die Schule direkt neben dem Krankenhaus liegt, ist optimal. Die Lehrer kennen die Stationsleitung und wissen, wie hier gearbeitet wird“, sagt Marius. So kann die Theorie enger auf die Praxis abgestimmt werden.

Gerade auf das erste Lehrjahr fällt ein Großteil der notwendigen Theoriestunden. Dabei sei es entscheidend, dass man fleißig ist, am Ball bleibt und sich eine Wissensbasis schafft, so Marius. Die Auszubildenden begleiten in dieser Zeit zunächst erfahrene Pfleger und beobachten sie bei der Körperpflege von Patienten, bei der Prophylaxe oder der Wundpflege. „Wir probieren davon einiges auch an uns gegenseitig aus“, erzählt Marius. „Das ist wichtig, damit man ein Gefühl dafür bekommt, wie sich der Patient dabei fühlt.“ Denn bereits im zweiten Lehrjahr bekommen die Azubis dann weit mehr Verantwortung übertragen und dürfen eigene Zimmer und Bereiche übernehmen.

Marius ist bereits im dritten Lehrjahr angekommen, und für ihn steht nun eine ,Schülerstation‘ auf dem Programm. Für einen Monat übernehmen die Auszubildenden eine gesamte Station, die sie betreuen, natürlich unter Aufsicht von erfahrenem Pflegepersonal. Außerdem steht das Examen am Ende des dritten Lehrjahres an, sprich, die Azubis müssen ihr in der Ausbildung gewonnenes Fachwissen aufbereiten und lernen.

Nach seinem Examen würde Marius gern noch eine Ausbildung als Notfallsanitäter anschließen und in die Notaufnahme oder Anästhesie gehen. „Diese Bereiche sind aufregend – da ist jeder Tag unterschiedlich“, erklärt der 24-Jährige. „Es ist immer gut, wenn man weiß, wohin die Reise gehen soll. Denn die Krankenpflege ist so vielfältig und bietet so viele Weiterbildungsmöglichkeiten.“

Doch obwohl die Möglichkeiten breit gefächert sind – der Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers ist auch mit vielen Herausforderungen behaftet. „Den Fachkräftemangel spürt man hier im Krankenhaus schon enorm. Jeder läuft auf 150 Prozent“, erzählt Marius, auch wenn die Ausbilder sehr bemüht seien, die Azubis diesem Stress nicht zu stark auszusetzen. Und dennoch: „Man fühlt sich einfach nicht wohl dabei, weil man sich nicht die Zeit nehmen kann, die man müsste. Aber das ist bei 30 Patienten auf drei Pfleger oft einfach nicht anders möglich.“

Für diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, eine Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger zu beginnen, empfiehlt Marius daher, vorab unbedingt ein Praktikum in diesem Bereich zu absolvieren, um die Herausforderungen, den Schichtdienst und eben den Arbeitsalltag kennenzulernen. Grundsätzlich sollte man offen und höflich im Umgang mit anderen Menschen sein sowie engagiert und motiviert, um die Belastungen aushalten zu können. „Ich würde mich freuen, wenn sich noch ein paar mehr Leute für diesen tollen Beruf entscheiden würden und täglich mit dem gleichen stolzen Gefühl nach Hause gehen wie ich.“

Denn trotz all des Stresses – Marius ist glücklich mit seiner Berufswahl. „Es ist einfach nur wichtig, dass man sich nicht zu viel Last auf die Schultern nimmt, weil man sonst irgendwann gar nichts mehr schafft“, sagt der Azubi. „Dann gibt der Job einem viel zurück! Das Schönste für mich ist, wenn die Patienten sich bedanken, dass ich gute Arbeit gemacht habe – das ist unbezahlbar. Das fängt schon bei der Frage an ‚Wann kommen Sie denn morgen wieder?‘“

Was lernst du in der Ausbildung?

Du lernst, wie der menschliche Körper aufgebaut ist, wie man Pflegetechniken anwendet (z. B. bei der Wundversorgung, Injektionen, Infusionen) und wie man in Krisen- und Konfliktsituationen handelt. Im praktischen Teil der Ausbildung wirst du unter anderem in den Bereichen Gynäkologie, innere Medizin, Chirurgie und Psychiatrie sowie in der Wochen- und Neugeborenpflege eingesetzt.

Wo geht’s nach der Ausbildung hin?

Gesundheits- und Krankenpfleger arbeiten in der Regel in Krankenhäusern, Facharztpraxen, Reha-Kliniken, Gesundheitszentren, Altenwohn- und -pflegeheimen, Wohnheimen für Menschen mit Behinderung sowie in Einrichtungen der Kurzzeitpflege bzw. in Pflegestützpunkten.

Ausbildungsgehalt

1. Lehrjahr: 1.040 Euro
2. Lehrjahr: 1.102 Euro
3. Lehrjahr: 1.203 Euro (brutto)