Wieso, weshalb, warum?

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Text von: Marisa Müller

Die Generation Y - anderes als die Generationen zuvor und damit eine Herausforderung für die Wirtschaft. Denn die schaut genau hin, was ihren Nachwuchs betrifft. Was muss man den 20 bis 35-Jährigen heute bieten, was erwarten sie und wieso ist das überhaupt wichtig? Was ist dran an der ,Generationenfrage‘? UNIfaktor hat nachgefragt.

Du willst ein Sabbaticial, noch bevor du überhaupt den Arbeitsvertrag in der Tasche hast? Du bist immer online und kommunizierst ohne Unterbrechung? Du willst dich selbst verwirklichen und Dinge verändern? Materielle Werte sind nicht wichtig? Und vor allem: Du bist zwischen Anfang 20 und 35 Jahre alt? Herzlichen Glückwunsch! Du bist ein Ypsilon! Ob du willst oder nicht, du gehörst dazu, zumindest auf dem Papier…

Die Ypsilons – oder auch Millennials genannt – gelten als sehr umgängliche Gesellen. Statis­tisch gesehen ist ihnen allen gemein der Wunsch nach Spaß an der Arbeit. Sie sind in der Zeit des aufkommenden Internet­booms geboren, betrachten die Globalisierung als völlig normales Phänomen und verfügen im Durchschnitt über ein hohes Bildungsniveau. Informationen sind für sie dank neuer Technologien ständig verfügbar und der Ausgleich zwischen Beruf und Freizeit ist äußerst wichtig. Generation Y (‚Why‘) werden sie genannt, weil sie ständig alles infrage stellen. Dann tun wir das doch auch einmal.

Y also, Schön und gut. Doch was soll es nützen, wenn für die Ewigkeit gebannt feststeht, dass die einen eher karrierefixiert und die nächsten eher buddhistisch entspannt oder spaßbezogen sind? Der Generation selbst bringt es vermutlich eher wenig. Oder stellst du dich selbst­reflektierend vor den Spiegel und überlegst, was dich mit anderen deines Alters verbindet? Wohl nicht!

Auch Rainer Schmidt, ein Mitglied der ,Why‘-Generation und Absolvent der Soziologie und der Deutschen Philologie der Universität Göttingen, beginnt – erwartungsgemäß – direkt mit einer kritischen Überlegung: „Schon komisch, dass sich Arbeitgeber um die Generationenfrage solche Gedanken machen. Schließlich ist jeder Mensch am Ende individuell und will vielleicht gar nicht das, was der Arbeitgeber vermutet.“ Der 29-Jährige befindet sich aktuell auf der Suche nach der ersten richtigen Anstellung. „Wenn mich heute jemand fragen würde, was ich erwarte? Einen interessanten Job, eine gute Kommunikationskultur im Unternehmen, faire Bezahlung, Entwicklungsmöglichkeiten – eigentlich ganz normale Dinge“, erklärt Schmidt. Über Details wie Privatnutzung des Internets am Arbeitsplatz oder E-Mails am Wochenende zu ­beantworten hat er sich noch keine konkreten Gedanken gemacht. „Klar, manche Verhaltensweisen kann ich bei allen Gleichaltrigen flächendeckend ausmachen. Ständige Handynutzung zum Beispiel. Aber letztendlich stellen Arbeitgeber die Regeln auf. Und dann ist etwas erlaubt oder verboten. Deshalb würde ich trotzdem dort einsteigen, wenn das Feeling stimmt“, so Schmidt.

Auch wenn die Generationen sich selbst gar nicht als solche wahrnehmen, sind die Definitionen für Andere Gold wert – für Arbeitgeber zum Beispiel. Speziell mit Hinblick auf den demografischen Wandel ist die Frage nach dem Nachwuchs eine, die besonders die Wirtschaft in Atem hält. Denn die Ys – und auch die nachrückende Generation Z – werden in Kürze einen Großteil der vorhandenen Arbeitskräfte ausmachen, sodass es unabdingbar ist, diese für sich zu gewinnen. Dies zeigt die Bevölkerungsprognose für die nächsten 50 Jahre. Fachkräftemangel ist heute schon in vielen Bereichen spürbar. Da gibt es viele Fragen, die es zu klären gilt: Weshalb als Arbeitgeber beispielsweise mit flexiblen Arbeitszeiten werben, wenn flächendeckend geregelte Zeiten gewünscht sind, so die Überlegung.

„Unternehmen bekommen hierauf klare Antworten, wenn sie sich mit der nachrückenden Generation beschäftigen“, sagt Maximilian Freiherr von Düring. Der Unternehmercoach hat immer häufiger mit der Frage zu tun, was die Neuen denn nun eigentlich wollen und was man als Arbeitgeber wohl tun muss, um diese Gruppen für sich zu gewinnen.

Aus diesem Grund steht auch Antje-Britta Mörstedt, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der PFH Private Hochschule Göttingen, momentan hoch im Kurs. Sie hat sich intensiv mit den Generationen beschäftigt. Besonders im Fokus ihrer aktuellen Studie standen Wünsche und Bedürfnisse der Ys und der jüngeren Zs hinsichtlich der Arbeitssituation.

Ihre Forschung zeigt, dass vieles mit einer Meinung übereinander zu tun hat. Die Jüngeren halten demnach die Älteren häufig für unflexibel und glauben, dass moderne Medien ihnen nicht liegen würden.
Die Älteren hingegen denken über die Jüngeren, diese hätten keine Erfahrung oder würden nur nach Erfolg streben. Besonders Arbeitgeber im vorgeschrittenen Alter kratzen sich immer häufiger verstohlen am Kopf und fragen sich, wie man die nachfolgenden Generationen an das Unternehmen binden kann. Mit Speck fängt man Mäuse – so sagt man. Aber welchen Speck die Jungen präferieren, die doch irgendwie sowieso eher vegetarisch unterwegs sind, scheint viele zu verwirren und zu verunsichern.

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