Generation Z – hinter den Kulissen mit Sabine Löwe

©UMG Gastronomie / Sabine Löwe
Text von: Marisa Müller

Die neue Generation: für Arbeitgeber eine Herausforderung. faktor hat mit Unternehmen, jungen Menschen und Experten gesprochen, und dabei ganz erstaunliche Entdeckungen gemacht. faktor-Interview: Sabine Löwe über die Generationenfrage. 

Sabine Löwe, 46 Jahre, UMG Gastronomie GmbH, Personalleitung

 

Haben Sie schon Erfahrungen mit der Generation Z gemacht? 
Ja, überwiegend bei unseren Schülerpraktikanten. Die Generation Z protzt vor Selbstbewusstsein und möchte bereits als 15/16-jähriger unabhängig von JEDEM sein. Auch die eher „weniger guten Schüler“ sehen sich in „Top-Jobs“- auch wenn es realistisch gesehen „unmöglich“ ist. Beispielsweise glaubte ein 16-jähriger Schüler einer Oberschule zu 100 Prozent daran, nach seiner Schulzeit eine Ausbildung zum Piloten machen zu können, obwohl seine schulischen Leistungen in Mathe, Physik und Englisch „ungenügend“ waren! Im einem gemeinsamen Gespräch mit diesem Schüler, stellte ich die Frage, wie das denn funktionieren solle und bekam die Antwort, dass er dann ins Ausland gehen würde, in ein Land, wo er diese Noten für den Beruf des Piloten nicht braucht.

Wie erleben Sie die Generation Z?
Die Generation Z ist definitiv „Offener“ und „Neugieriger“. Vor allem interessieren sie sich für die technischen Möglichkeiten im Arbeitsumfeld. Welche PC´s hat man, welche Handy´s, arbeitet das Unternehmen mit QR-Codes, wie händelt der Arbeitgeber das mit den sozialen Netzwerken, ist man vertreten auf Facebook? Alles was Digital ist, ist „IN“. Solange die Generation am Arbeitsplatz Spaß hat, ein gutes Betriebsklima herrscht und sie sich selbstverwirklichen können, ist das Unternehmen interessant. Es wird für Unternehmen zukünftig immer wichtiger, die Motivation dieser Generation Z durch wechselnde Herausforderungen, gute Entwicklungsmöglichkeiten und ergebnisorientierte Führung anzubieten.            

Entsprechen die Mitglieder der Generation Z dem Ruf, der ihnen voraus eilt?

Man darf nicht alle aus der Generation Z über einen „Kamm scheren“. Auch hier gibt es definitiv Ausnahmen. Deshalb sollte man generell keine vorschnellen Meinungen haben. Als Unternehmen sollte man generell jedem Bewerber „Offen“ und „Neugierig“ gegenüber treten (unabhängig von der Generation). Wie bereits mit allen anderen Generationen, muss dem Unternehmen klar sein, dass ein gutes Arbeitsverhältnis auf „guten Kompromissen“ basiert. Arbeitgeber sollten die digitalen Potenziale dieser Generation Z nutzen. Sie wachsen in dieser digitalen Welt auf, sind ständig online vernetzt und viele virtuelle Kontakte werden rasant schnell zu persönlichen Kontakten. Diese Potenziale können eine Bereicherung für Unternehmen sein. Durch ihr großes Selbstwertgefühl, haben sie eine geringere Angst vor dem beruflichen Versagen.

Sind die Zs anders als Ihre Vorgänger?

Die Generation Z hat sich Digital weiterentwickelt, weil sie damit unbedacht aufgewachsen sind. Facebook, Notebook, Handy, Skype und XING sind ein Teil ihres Lebens und gehören dazu wie für eine andere Generation das „Firmenfahrzeug“. Die Generation Z setzt sich im Gegensatz zur Generation X klare Grenzen bei „Beruf & Privatleben“. Karriere JA, aber nur wenn es Spaß macht und man sich nicht verausgaben muss. Freizeit ist Freizeit, Arbeit ist Arbeit, Grenzen sind Grenzen und Nein heißt Nein. Dieser Unterschied zu den anderen Generationen ist gut für die Persönlichkeit. Wo sich bei den Generationen X und Y aufgrund der sehr hohen Leistungsbereitschaft oftmals mit „Mitte-Ende 40“ der Erschöpfungszustand breitgemacht hat oder die Schlagwörter „Burn Out“ und „Depressionen“ immer mehr in den Vordergrund getreten sind, wird die Generation Z gelassener an der eigenen Karriere arbeiten, sich Freiräume lassen und großzügig am Work-Life Balance teilnehmen. Das eigene Glück steht im Fokus. Nachteilig für diese Generation Z ist allerdings, dass sie die „verbale Kommunikation“ stiefmütterlich behandeln. Die Kommunikation der Generation Z findet überwiegend via Whatsapp, Twitter, SMS´s oder „Snap-Chats“ statt. Das ist eine Schwäche, die ein Problem im Unternehmen werden kann. Wenn man beispielsweise Konflikte nicht in Gesprächen aus der Welt schaffen kann, sind zukünftig Eskalationen der verschiedenen Generationen am Arbeitsplatz vorprogrammiert.

Was erwarten Sie als Arbeitgeber von der jungen Generation?

Unternehmen können auch bei kurzfristigen Bindungszeiträumen mit dieser jungen Generation Z, auch für „kurze Projekte“ von motivierten Mitarbeitern profilieren. Sie stören sich nicht an befristeten Arbeitsverträgen, anders wie die Mitarbeiter der Generation X und Y. Ist für die Generation X/Y ein langfristiges Arbeitsverhältnis und die gute Bezahlung ein MUSS, sieht sich die Generation Z eher als „flexibel und sprunghaft“, weshalb sie sich nicht an ein einziges Unternehmen ein Leben lang binden muss. Sie sind ständig auf der Suche nach attraktiven Projekten und dem passenden Arbeitsumfeld, um für sich interessante Jobs herauszufiltern. Daher ist es enorm wichtig für Unternehmen sich in sozialen Netzwerken zu präsentieren. Ferner sollten Unternehmen die ggf. zukünftige „Personalfluktuation“ nicht als Krise sondern als Normalität werten. Dieses Wissen können Unternehmen heute bereits nutzen und vorbeugend reagieren. Arbeitgeber sollten sich attraktiv machen und am Arbeitsmarkt positionieren.

Was tun Sie für die Generation Z und dafür, dass Sie als attraktiver Arbeitgeber von der Zielgruppe wahrgenommen werden?

Wir versuchen als Arbeitgeber UMG Gastronomie zu zeigen, dass Arbeiten bei uns Spaß macht. Wir haben im Rahmen von TOPAS unser Arbeitgeberversprechen stärker definiert und auch auf unserer Homepage für unsere Mitarbeiter, aber auch für unsere zukünftigen Arbeitnehmer veröffentlicht. Ferner haben wir unsere Arbeitgebermarke für das Unternehmen verinnerlicht. Die Arbeitswelt der Generation Z ist so stark digitalisiert, so dass die unternehmerische Präsenz in den sozialen Netzwerken unabdingbar ist. Dort wird gesucht und dort wird man gefunden. Durch Kooperationen mit einigen Göttinger Schulen, ist eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit dieser Generation Z möglich. Durch gemeinschaftliche Projekte mit den Schülern, kann bereits im Vorfeld auf unser innovatives, zukunftsorientierte Unternehmen aufmerksam gemacht werden. Wir beginnen bereits beim sog. „ZUKUNFTSTAG“, das Interesse der Schüler auf uns zu lenken. Durch visuelle und praxisnahe Aktionen, z.B. gemeinsames Kochen, Ernährungsberatung mit frischem Warenkorb oder durch die aktive Teilnahme am „TAG DER AUSBILDUNG“ in der UMG, wird der Grundstein für potenzielle, zukünftige Bewerber gelegt. Unseren Praktikanten werden unsere Vorteile als Arbeitgeber gezeigt. Beispielsweise ist das Interesse an den zukünftigen Arbeitszeiten sehr groß, oder ob man auch gemeinsame Aktivitäten außerhalb der Arbeit mit den Kollegen unternimmt. Darauf folgt die Frage nach dem Gehalt, ob es immer pünktlich gezahlt wird. Diese Fragen werden ebenso mit Ja beantwortet, wie auch die Frage nach den Weiterbildungsmöglichkeiten in der UMG Gastronomie. Den Auszubildenden der UMG Gastronomie kommt auch der Ausbildungspate zugute, der ggf. mit Rat und Tat zur Seite steht und auch als Vermittler zum Vorgesetzten fungieren kann. Großes Interesse besteht auch an unseren Arbeitsmitteln wie Laptop, Handy, Ipad und Co.

Ihre Empfehlung: Was sollten Arbeitgeber tun, was sollten sie eher lassen, um Arbeitnehmer zu gewinnen?

Um Arbeitnehmer zu gewinnen, ist es wichtig, dass Unternehmen sich klar definieren, am besten mit einer guten Arbeitgebermarke die für jedermann zugänglich ist (soziale Netzwerke), um dem zukünftigen Bewerber einen „Blick ins Unternehmen“ zu vermitteln. Man sollte versuchen, die Außendarstellung des Unternehmens attraktiv zu machen, um den Bekanntheitsgrad zu steigern. Wichtig ist aber auch das Thema „Wertschätzung“ der vorhandenen Mitarbeiter sowie der zukünftigen Mitarbeiter. Das können bei Beschäftigungsbeginn sog. Startbegleiter sein, die den Einstieg ins Unternehmen erleichtern und somit schneller ein „Zugehörigkeitsgefühl“ des neuen Mitarbeiters vermittelt. So ein Gefühl beflügelt zufriedene Mitarbeiter zu leistungsorientierten Mitarbeitern. Der Arbeitgeber muss aber auch glaubwürdig gegenüber seinen Mitarbeitern sein, denn ohne Vertrauensbasis ist eine loyale Zusammenarbeit nicht auf Dauer möglich. Generell sollte ein Unternehmen sich nicht vor NEUEN verschließen und durch Kompromissbereitschaft auch leistungsorientierte sowie motivierte junge Bewerber bekommen kann. Wenn man sich als Unternehmen nicht sicher ist, wie man zukünftig gute Mitarbeiter findet oder aber auch vorhandene Mitarbeiter bindet, bieten sich gute Projekte wie beispielsweise TOPAS an, um das eigene Arbeitgebermarketing unterstützend zu festigen oder aber aufzubauen. In diesen Seminaren findet man „Gleichgesinnte“, die dieselbe Problematik haben und ggf. Denkanstöße fürs eigene Unternehmen liefern. Ist ein optimales Forum zum kollegialen Erfahrungsaustausch und Netzwerken im mittelständischen Unternehmen.

Vielen Dank für das Gespräch!