Generation Z – hinter den Kulissen mit Margarete Boos

©Privat / Margarete Boos
Text von: Marisa Müller

Die neue Generation: für Arbeitgeber eine Herausforderung. faktor hat mit Unternehmen, jungen Menschen und Experten gesprochen, und dabei ganz erstaunliche Entdeckungen gemacht. faktor-Interview: Margarete Boos über die Generationenfrage. 

Margarete Boos, 59 Jahre, Babyboomer, Professorin für Wirtschafts- und Sozialpsychologie an der Georg- August- Universität Göttingen

 

Woran liegt es, dass die Wünsche innerhalb einer Generation schon sehr nah beieinander liegen? Woher stammt die Idee vom Generationen-Wechsel?

Ursprünglich:  Ronald Inglehart aus den End60er/Anfang 70er Jahren.
These: Vom Materialismus zu Postmaterialismus

 Inglehart, Ronald (1971). The Silent Revolution in Europe: Intergenerational Change in Post-Industrial Societies. In: The American Political Science Review, Vol. 65, No. 4 (Dec., 1971), pp. 991-1017

Inglehart, Ronald (1979). Wertewandel in den westlichen Gesellschaften: Politische Konsequenzen von materialistischen und postmaterialistischen Prioritäten. In: Klages, H. & Kmieciak, P. (Hrsg.). Wertewandel und gesellschaftlicher Wandel. Frankfurt, New York: Campus Verlag.

Prinzipielle Sicht der Psychologie: Verhalten ist von Werten abhängig – nicht vom Alter oder einer Generation.

Psychologische Modelle legen nahe, dass wir uns nach Werten verhalten (immer vorausgesetzt freie Willensentscheidung möglich, d.h. ohne Restriktion z.B. durch Geldmangel [da geht Bio-Kauf eben schlechter])

Grundlage: Rokeach – Pyramide (1968, 1973):

 CSJHBFG

 

Werte kann man messen (Fragebogen), z.B. auf der Grundlage von Schwartz‘ Wertekreis (vgl. Folie).

Beispiel:

Personen, die prosoziale Werte für am wichtigsten in ihrem Leben ansehen, geben hohe Wichtigkeiten für die meisten der oben-rechts angesiedelten Werte und lehnen hedonistische Werte (links unten lokalisiert) eher ab, andere Personen bevorzugen die hedonistischen Werte, und lehnen die prosozialen ab. Gegenüberliegende Werte werden also selten zusammen bevorzugt, werden als inkompatibel erlebt. Dann gibt es auch noch Personen, die Sicherheitswerte bevorzugen (unten rechts), und wieder andere bevorzugen Freiheit und Toleranz (oben links). Es herrscht somit Werte-Pluralismus.

Generationszugehörigkeit/Alter spielt natürlich insofern eine Rolle, als man bestimmte individual-historische Erlebnisse (siehe soziologische Perspektive) gemeinsam hat („eine Person vor oder nach der Wende“ / gleicher Musikgeschmack, der durch Zeitgeist geprägt wurde). Hinzu kommt, dass man sich von einem bestimmten Alter ab sehr stark in Peergroups Gleichaltriger bewegt und sich gegenseitig beeinflusst.

 

Was macht es mit einer Generation, wenn sie von außen definiert wird? Verändert es das Selbstbild, wenn andere eine intensive Meinung über die Gruppe haben, zu der man definitorisch gehört?

 Definition “soziale Identität”: Teil des Selbstkonzeptes eines Individuums, welches sich aus dem Wissen über seine Mitgliedschaft in sozialen Gruppen/sozialen Kategorien (wie einer Generation) und aus dem Wert und der emotionalen Bedeutung dieser Mitgliedschaft zusammensetzt.

Die Theorie bezieht sich auf  die Wahrnehmung von Eigen- und Fremdgruppen und nimmt an, dass allein die soziale Kategorisierung eine hinreichende Bedingung für soziale Diskriminierung darstellt.

Tajfel und Turner (1987), die die sog. Theorie der sozialen Identität entwickelt haben, leiteten drei Grundannahmen ab:

  • Individuen streben danach, eine positive soziale Identität zu erhalten, bzw. zu verbessern. Diese Identität definiert sich durch Mitgliedschaften in Gruppen
  • Eine positive soziale Identität erhält man durch Vergleiche mit relevanten Out-Groups, also z.B. anderen Generationen. Der Vergleich dient der Stärkung der sozialen Identität, wenn sich die eigene Gruppe positiv von der Out-Group abhebt
  • Bei einem negativen Vergleichsergebnis versuchen Individuen die eigene Gruppe zu verlassen und einer anderen Gruppe beizutreten oder ihre eigene Gruppe aufzuwerten. Geht bei Generationen nicht. Dann besteht die Möglichkeit, die Wichtigkeit der sozialen Kategorie Generation abzuschwächen.

 

Generation Z soll grundlegend anders sein als Generation Y. Aber im Grunde wollen alle Ähnliches – Glück und Zufriedenheit. Nur der Weg dahin sieht für beide Gruppen anders aus. Was bedeutet das für Arbeitgeber?

Arbeitgeber könnten sich (und den Bewerbern) die Frage von Götz Werner (dm) stellen: Was brauchst du, um hier in der Firma gut arbeiten zu können? Also, was erwarten die jungen Leute von ihrer Arbeit außer Geld. Die Antwort mag bei Angehörigen der Generation Y anderes sein (Mitbestimmung, Beteiligung, Nutzung statt Eigentum, persönliche Weiterentwicklung) als bei Generation Z.

D.h.: Arbeitszufriedenheit streben alle an, können diese aber nur auf unterschiedlichen Wegen erreichen.