Gegensätze ziehen sich an

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Claudia Klaft

Modern und bewährt – Gerd-Hinrich Döscher auf spannender Entdeckungsreise im neuen Restaurant planea.

Es ist das Konzept des Fine-Dining-Restaurants, Gegensätze zu vereinen. Und so treffen wir in dem jungen Restaurant, das wenige Tage zuvor, Ende Mai, eröffnet wurde, einen Unternehmer der „alten Schule“ zum Testessen:

Gerd-Hinrich Döscher, Inhaber und Geschäftsführer der König GmbH & Co. KG. Seit 37 Jahren führt er das Unternehmen mit den Geschäftsbereichen Produkte und Personaldienstleistungen in Moringen sehr erfolgreich. Doch nicht nur beruflich hat er Erfahrung, sondern auch, was das gute Essen angeht. Deswegen sind wir besonders gespannt auf seine Einschätzung des planea.

Wir sind um 18 Uhr verabredet und erfahren gleich zu Beginn von ihm, dass er normalerweise nicht so früh das Büro verlässt. Das Handy ist sicherheitshalber noch auf Empfang. Doch wir tauchen ein in die Atmosphäre des Restaurants und beginnen mit einem Prosecco zum Aperitif. Und so wie dieser perlt auch die Anstrengung des Tages von Döscher ab.

Das Restaurant beeindruckt ihn mit seiner klaren Linie.

Egal wo man sitzt, schaut man auf die Historische Sternwarte – entweder auf das große Bild des Göttinger Künstlers Andreas Lemberg, das sich harmonisch ins Interieur fügt, oder durch die Fensterfront auf das reale Gebäude gegenüber im Park. Döscher findet bereits zu Anfang die Einrichtung für Göttingen einmalig.

Nicht nur diese ist komplett auf die planea-Farben grau, pink und mokkafarben abgestimmt – ganz im Corporate Identity, das von der Göttinger Agentur blaueQuelle konzipiert wurde –, sondern auch die Kleidung des Servicepersonals, das uns in diesem Moment die Speisekarte reicht.

Nein, es ist kein Heft, sondern es sind zwei Seiten, eingefasst in eine Acrylhülle, die den Eindruck einer leicht gefalteten Karte vermittelt. Und es ist auch keine gewohnte Aufteilung „Vorspeise, Hauptgang, Dessert“, sondern eine übersichtliche Anzahl Speisen wird nur durch die Aufzählung der enthaltenen Komponenten beschrieben. Wie die Zutaten zubereitet und angerichtet sind, bleibt ein Geheimnis, das man dem Personal zwar entlocken könnte, aber – wir folgen dem Konzept der Überraschung.

Klassisch aufgeteilt scheint die Weinkarte, doch sie folgt den Kriterien wie „elegant, aromatisch, leicht“. Die Entscheidung fällt zugunsten eines „leichten Weißburgunders, der die Menüfolge durchgängig und passend begleitet.

Gerd-Hinrich Döscher, der gemeinsam mit seiner Frau Rita gekommen ist, muss noch einmal an sein Handy, bevor er es ausschaltet und sich dann entspannt zurücklehnt. „Es ist schwer, das Geschäft in andere Hände zu geben“, gibt der 67-Jährige unumwunden zu. Er hat die Firma aufgebaut und lange Jahre selbst geführt, doch jetzt arbeitet er an der Unternehmensnachfolge, um den Fortbestand zu sichern.

Er kam 1972 zum Unternehmen, das damals in Hamburg seinen Sitz hatte. Das Personalgeschäft war dort gut aufhoben, doch mit der Wirtschaftskrise 1973 wurde der Standort für die Firma, die gleichzeitig Lüftungskanäle produzierte, unhaltbar.

Zu transportintensiv waren die Produkte, und Döscher suchte einen zentralen Punkt in Deutschland. Einer davon war Moringen und „seit 1975 hängen wir von Jahr zu Jahr fester da“, sagt Döscher und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Man muss sich erst an die Region gewöhnen und sie dann lieben lernen.“

Doch, und darauf legt er Wert: „Der Standort hat nicht den Blick auf die Welt verwehrt.“ Mittlerweile ist die Firma nach Österreich und in die Schweiz expandiert. In Deutschland zählt König zu den führenden Personaldienstleistern bei der technisch, gewerblichen Personalüberlassung. Der Geschäftsbereich Produkte umfasst u. a. die Herstellung von Bauprofilen. Die Finanzkrise führte zwar „zu weniger Umsatz und doppelter Arbeit“ beschreibt es Döscher. Doch man merke schon, dass das Geschäft wieder anzieht.

Die Vorzüge der Region weiß auch das Küchenduo Sarah Henke (28) und Kirill Kinfelt (27) zu schätzen. So weit möglich greifen sie auf heimische Produkte zurück und präsentieren sie in außergewöhnlicher Form. So wird der Saint Pierre (Fisch) im Hauptgang von lila Kartoffel begleitet, die gestampft, in Scheiben und als Pulver ansprechend auf dem Teller serviert wird. Nachdem schon die Vorspeise, eine Safransuppe mit Kügelchen aus Crème-fraîche in einer außergewöhnlichen Schale (Foto) kredenzt wurde, so wertet Döscher auch diesen Gang als Erlebnis:

„Es sieht sehr gut aus und schmeckt auch ausgezeichnet.“

Ausgezeichnete Restaurants hat er mit seiner Frau schon viele auf privaten Ausflügen besucht – längere Urlaube gönnt er sich selten. Ein Restaurant wie das planea sei sonst nur in Großstädten zu finden, urteilt er. Das stimmige Konzept – von der geschmackvollen Einrichtung über das besondere Geschirr, den exzellenten Service bis zur außergewöhnlichen Küche – zeige Stil und Kreativität.

Das Dessert zum Abschluss kitzelt ein letztes Mal den Gaumen mit „Cheese Cake/Limette/Griechischer Joghurt“. Wir diskutieren, wessen Handschrift sich dahinter verbirgt.

„Es ist unsere gemeinsame Kreation“, versichert das Küchenduo. „Wir haben hier perfekte technische Voraussetzungen“ sagt Kinfelt „und ein tolles Team“, ergänzt Henke freudestrahlend und meint damit die junge Mannschaft in Küche und Service.

Zum guten Service gehört auch ein hauseigener Chauffeur, der die Gäste holt und bringt. „Wir kommen auf jeden Fall wieder“, verrät Gerd-Hinrich Döscher und freut sich auf weitere Überraschungen aus der Küche.

Modern und bewährt müssen keine Gegensätze sein, eigentlich passen sie sehr gut zusammen.