Gegen den Trend

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Sebastian König

Dass ein junger Unternehmer den Schritt in die Selbständigkeit wagt, ist noch nichts Außergewöhnliches. Wenn er sein Unternehmen allerdings nicht in der Stadt, sondern auf dem Land gründet, dann ist das heutzutage schon etwas Besonderes. Alexander Schob hat dies getan.

Am 1. September 2013 startete er mit seinem Betrieb für Feinmechanik in Meensen, einem Ortsteil der Gemeinde Scheden. Sein Mut, entgegen dem Trend sein Glück auf dem Land zu suchen, wurde jetzt mit der Auszeichnung ‚Gute Gründe(r)‘ honoriert.

Die Urkunde wird vier Mal pro Jahr von der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen (GWG) gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Region Göttingen GmbH (WRG) verliehen. „Wir haben uns für Alexander Schob entschieden, weil er sich getraut hat, ein Unternehmen in der Fläche zu gründen – und das, obwohl diese angesichts des demografischen Wandels sprichwörtlich bereits zu Grabe getragen wurde“, begründet WRG-Geschäftsführer Detlev Barth die aktuellen Auswahl.

Dass ein Fachunternehmen für Feinmechanik auch in der Peripherie bestehen kann, hat Schob bewiesen. „Der Betrieb hat sich ab der Lieferung der CNC-Fräsmaschine im Januar 2014 sofort selbst getragen“, berichtet der Meister. Bis zum Start hatte der Jungunternehmer einiges an Vorarbeit leisten müssen. So steuerte er zunächst einige Beratungsstellen für Neugründer an.

„Das war auch nötig, denn es steht in keinem Buch, wie ich mich speziell in der Feinmechanik selbständig mache“, sagt er. Eine seiner Anlaufstellen war die WRG. Hier erhielt er den Hinweis auf ein Förderprogramm des Landkreises sowie der Europäischen Union. Dabei können Gründer im Gebiet des Landkreises Göttingen unter bestimmten Bedingungen bis zu 15 Prozent ihrer Investitionssumme fördern lassen.

In Schobs Fall ging es bei den Investitionen hauptsächlich um den Ausbau eines Raumes in seinem Privathaus und um die Anschaffung der dort zu installierenden CNC-Fräsmaschine. Damit war es aber noch nicht getan, wie Schob erklärt: „Mir fehlten schließlich noch die Kunden.“ Dabei setzte er nicht nur auf Kontakte aus seiner Zeit als Angestellter.

Er ging auch auf neue Kunden zu. „Dazu muss man natürlich erst mal den Mut haben, einfach Nummern rauszusuchen und sich auch gestandenen Firmenchefs zu stellen.“ Die Vorarbeit hat sich offensichtlich gelohnt. Denn das Unternehmen läuft, und Schob hat seinen Businessplan „bei Weitem übertroffen“.

Für Barth ist das keine Überraschung: „Feinmechanik ist ein Geschäftszweig, der gut in unsere Region passt.“ Wobei Schob mit seinem Angebot offenbar auch noch eine freie Nische gefunden hat. Denn er produziert hauptsächlich Prototypen, Einzelteile und Kleinserien. Seine Produkte kommen unter anderem in der Messtechnik, in Maschinen für die Telekommunikation und in der Lasertechnik zum Einsatz.