Geballte Kompetenz

© IStockPhoto/Ariel da Silva Parreira
Text von: Tobias Kintzel

Die südniedersächsischen Logistikunternehmen sind hochflexibel, leistungsfähig, arbeiten regional und international. Einige sind eher klein, andere beschäftigen mehr als 1.000 Mitarbeiter.

Alle profitieren von der strategisch guten Lage der Region am Knotenpunkt der logistischen West-Ost- und Nord-Süd-Ströme, von der Infrastruktur und von einem wachsenden Markt. Denn globalisierte Beschaffungs- und Absatzmärkte,hohe Produktindividualisierung und die stetig steigenden Kundenanforderungen in Bezug auf Lieferzeit, Liefersicherheit und Lieferflexibilität führen dazu, dass produzierende Unternehmen immer mehr logistische Aufgaben auslagern. Um sich ein Stück des wettbewerbsintensiven Marktes zu sichern, müssen sich Logistik-Anbieter von anderen abheben.

So konzentriert sich zum Beispiel die Göttinger Firma LPL Internationale Transporte und Logistik in der Abwicklung von Transporten auf bestimmte Zielländer. Besonderer Schwerpunkt: Osteuropa. „Damit wir Kunden auch zuverlässig betreuen können, stellen wir sicher, dass unsere Mitarbeiter die Sprache des Ziel- oder Herkunftslandes auch fließend sprechen“, sagt Geschäftsführer Lucas Orlowicz. Dass der Ansatz vielversprechend ist, zeigt das Wachstum: Vor nur zwei Jahren mit zwei Mitarbeitern gestartet, sind heute neun Mitarbeiter beschäftigt; und die Jungunternehmer wollen weiter expandieren.

Im Hinterland gut angebunden ist die Willi Kreykenbohm Spedition in Holzminden, die schon seit 1924 besteht. „Als Alleinstellungsmerkmal sehe ich die Schaffung eines Containerdepots mit dem Equipment unterschiedlicher Reedereien“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Willi-Ingo Kreykenbohm. Damit zielt er auf das von ihm gegründete und betriebene Adelebser Container Terminal ab, das die Region mit den deutschen Seehäfen verbindet und für neue Möglichkeiten in der Abwicklung weltweiter Im- und Exportsendungen sorgt.

Über den Gleisanschluss auf dem Adelebser Container Terminal hat Kreykenbohm Kapazitäten für 150 Container pro Kalendertag. Zusätzlich wird die Möglichkeit am GVZ in Göttingen für kombinierte Verkehre genutzt. „Wir sehen unsere Kunden in einem Umkreis von 100 Kilometer zu unseren Standorten“, so Kreykenbohm.

Die Firma Symotion in Holzminden, deren Mutterfirma die Symrise AG ist, arbeitet sowohl für Symrise als auch für externe Kunden, wie Logistik-Manager Thomas Reich erklärt. Mit etwa 150 Mitarbeitern ist Symotion nach eigener Auskunft einer der wenigen Spezialisten in Mitteldeutschland mit Erfahrung in den Bereichen Lagerung, Transport und Handling von Gefahrstoffen. Außerdem sind sie zugelassener ‚Reglementierter Beauftragter‘ und so bestmöglich in die Abfertigung von Luftfracht an Flughäfen integriert. „Für die zunehmende Zahl der Gefahrstoffe wird es immer mehr einzuhaltende Bestimmungen im Bereich Transport und Lagerung geben. Wir haben uns hier spezialisiert und sehen so auch unseren weiteren Weg“, sagt Reich. Zurzeit planen die Holzmindener ein weiteres Logistikzentrum, das bis 2017 fertiggestellt sein soll.

Bei Obermann in Osterode setzt man derweil auf Tradition. Die Unternehmensgruppe ist in der vierten Generation inhabergeführt. „Besonderen Wert legen wir auf die Integration in die Prozesse der Kunden und die maßgeschneiderte Erbringung unserer Dienstleistungen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Lars Obermann. „Hierbei steht das perfekte Zusammenspiel zwischen Ware und Information im Vordergrund.“ Darüber hinaus entwickelt das Unternehmen innovative Shuttle- und Transportkonzepte und setzt sie um, teilweise mit Spezialequipment wie Tankaufliegern für Druckfarben. Um noch mehr wachsen zu können, will Lars Obermann „das Konzept des European Distribution Centers, also des zentralen Knotenpunkts zur Verteilung von Waren in ganz Europa, weiter ausbauen“.

„Im Bereich der Kontraktlogistik sehen wir große Chancen, uns weiterzuentwickeln und arbeiten intensiv daran, unsere Marktposition auszubauen“, beschreibt Detlef Hofmann, der bei der Zufall logistics group für den zentralen Vertrieb des Geschäftsbereiches Kontraktlogistik verantwortlich ist, die Situation. Jörg Rotthowe, Leiter der Niederlassung Göttingen, ergänzt: „Da der Handel immer globaler wird, gerade auch im Mittelstand, investieren wir zur Zeit ebenso intensiv in den Ausbau der Geschäftsfelder Seefracht und Luftfracht.“ Verbesserte Anlieferungsformen für Privatkundenbelieferungen sowie die Elektromobilität sind, so Rotthowe, ebenfalls Themen, mit denen sich das inhabergeführte Familienunternehmen zur Zeit mit vielen Ressourcen beschäftige.

Bei all diesen Unternehmen steht Kundennähe im Fokus. Jedes für sich punktet durch klare Fokussierung auf Branchen und Regionen oder die Spezialisierung auf eingesetzte Behälter und Fahrzeuge oder ein Full-Service- Angebot. Sofern es ihnen gelingt, ihr Alleinstellungsmerkmal in den relevanten Märkten zu kommunizieren, stehen die Zeichen tatsächlich auf Wachstum.