Gaumenfreuden

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Claudia Klaft

Ernst Becker von beckers bester kommt bei St. Georges auf den Geschmack.

Wie beschreibt man einen Ort, an dem man sich wie in einem gemütlichen Zuhause fühlt und gleichzeitig Urlaubsgefühle empfindet? Am besten: St. Georges in Dieterode.

„Im Laufe des Abends werden Sie mitkriegen, warum wir es hier so lieben“, sagt Ernst Becker, Geschäftsführer von beckers bester. Es ist eisiger Winter und drinnen verbreiten Öfen wohlige Wärme. Und auch in der Küche – die gegenüber dem Eingang gelegene bereits einladend wirkt – wird mit Holzöfen das Essen zubereitet. Kupfer- und gusseiserne Töpfe hängen dort griffbereit an der Decke. Es ist sehr heiß. „Temperaturmäßig ist es wie in einem Bergwerk“, gibt Werner Freund, Besitzer des Restaurants, zu.

„Schon morgens heize ich die Öfen an. So haben sie abends die richtige Hitze, und ich kann das Fleisch tagsüber schonend garen lassen“, erklärt er.

Seine Kochkunst überzeugt seit Jahren nicht nur die Gäste, sondern auch den Gault Millau. Ernst Becker, der durch sein eigenes Unternehmen um gute Lebensmittel und deren Verarbeitung weiß, ist überzeugter Stammgast: „Hierhin lohnt sich jeder Weg – und sei es nur für einen Flammkuchen.“

Wir haben einen Tisch in einem der beiden Gasträume, die jeweils Platz für 16 Personen bieten und mit ihrem ländlich-französischen Charme Ferienlaune verbreiten. „Schade, dass Sie jetzt nicht den Blick über das Eichsfeld vom Balkon genießen können“, sagt Becker. Dieser ist eine Besonderheit des Fachwerkhauses, das Werner Freund, der nach der Wende 1996 an seinen Heimatort zurückkam, mit viel Liebe zum Detail restauriert und eingerichtet hat.

Sich zu Hause fühlen – da bedarf es auch keiner Speisekarte. Denn für die kleine Auswahl, die dem Gast geboten wird, entscheidet sich Freund erst beim morgendlichen Einkauf. Sorgfältig wählt er frische und hochwertige Zutaten aus.

Genauso wie Ernst Becker, der allerdings etwas weiter fahren muss, um seine Lieferanten zu besuchen. Die Früchte für seine Säfte kommen aus Europa, Afrika und ganz Amerika. Dabei setzt der 63-Jährige auf langfristige Geschäftsbeziehungen. „Mir ist wichtig, durch Besuche auch eine persönliche Beziehung aufzubauen.“ Das dadurch gewonnene Vertrauen biete eine langfristige Verlässlichkeit. Und manchmal werden aus Lieferanten auch Freunde, so wie sein Partner in Brasilien, durch den er das Land kennenlernte.

„Ja, durch den Saftladen kommt man in die ganze Welt“, sagt Ernst Becker schmunzelnd. Und diesen hat er mit seinem Bruder seit 1974 wesentlich vergrößert. Damals hatte der Betrieb, der 1932 von der Großmutter als Kelterei für Süßmost gegründet und von seinem Vater 1946 erweitert wurde, „gemütliche“ 40 Mitarbeiter. Heute ist es ein Fruchtsaftunternehmen mit 200 Mitarbeitern, und mit seinem Neffen Sebastian Koeppel hat jetzt auch die vierte Generation Einzug in die Geschäftsführung gehalten. „Die Lebensmittelproduktion ist auf sehr hohem Niveau“, erläutert der Geschäftsfüh- rer – nicht ohne Stolz. Die Fruchtvielfalt hat durch moderne Logistiklösungen zugenommen. Sein Favorit ist Cranberry, aber es habe auch eine Rückbesinnung auf heimische Früchte, wie die Quitte, stattgefunden. Das Kreieren neuer Säfte sei ein vielschichtiger Prozess: von der Fruchtaus- wahl über die Verpackung bis zur Preiskalkulation. „Jeden Monat machen wir Blindverkostungen“, erzählt Becker und weiß zu berichten, dass Frauen einen anderen Geschmack haben als Männer.

Blind müssen wir das Menü unseres aufmerksamen Gastgebers nicht verkosten, der zum Hauptgang einen ganzen Steinbutt serviert. Und ob Ernst Becker und ich dabei ein anderes Geschmacksempfinden haben, lässt sich nicht sagen, denn es schmeckt uns beiden vorzüglich.

Beeinflusst sind die Kreationen und die Weinauswahl des 56-jährigen Freund von seinen Reisen nach Frankreich und zu heimischen Weingebieten sowie von den gesammelten Erfahrungen bei Spitzenköchen. „Ich bin gerne unterwegs und lasse mich inspirieren – bis ich es nicht abwarten kann, zu Hause meine neuen Ideen umzusetzen“, sagt Freund.

Die Zeit ist verflogen, viel zu schnell ist der Abend vergangen. Wir saßen doch gerade beisammen wie in einem gemütlichen Zuhause oder war es Urlaub? Richtig: Es war im St. Georges. Für einen längeren Aufenthalt bietet die zugehörige Auberge den passenden Platz.

Kontakt:
Restaurant St. Georges
Dorfstr. 16a, 37318 Dieterode
036082 / 42128
Öffnungszeiten: freitags bis sonntags von Ende April bis Dezember