Für den Korrosionsschutz

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Text von: Claudia Krell

VerpackungsCluster und HAWK kooperieren – Pilotprojekt steht in den Startlöchern.

Eine Kooperation haben die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) und dasVerpackungsCluster Südniedersachsen e.V. (VC) beschlossen. Nun steht das erste gemeinsame Projekt in den Startlöchern: die Früherkennung des Korrosionsbeginns bei Aluminium und verzinkten Stählen.

Die Hochschule arbeitet dafür mit der Excor Korrosionsschutz-Technologien und -Produkte GmbH, einer Tochter der Knüppel Verpackung GmbH und Co. KG, zusammen. Das Unternehmen mit Sitz in Hann. Münden und Dresden entwickelt, produziert und vertreibt temporäre Korrosionsschutzprodukte nach der sogenannten VCI-Methode. VCI steht für „Volatile Korrosion Inhibitor“ und bedeutet „flüchtige Korrosions-Hemmer“: Über die Gasphase transportierte Wirkstoffe greifen hemmend in den Korrosionsprozess ein. Der VCI-Wirkstoff verdampft aus dem Trägermaterial (z.B. Folien) und kondensiert auf blanken Metalloberflächen. Der unsichtbare Schutzmantel bewahrt eingelagerte oder transportierte Güter zuverlässig vor Korrosion. Im Gegensatz zu herkömmlichen Verfahren, die mit Ölen oder festen Überzügen arbeiten, entfällt die Reinigung am Zielort.

Das zu entwickelnde objektivierbare Verfahren soll die unsichtbaren Anfänge der Korrosion zerstörungsfrei und be- rührungslos entdecken und ihr Ausmaß bestimmen können. So soll die Wirkung unterschiedlicher VCI bei verschiedenen Gütern aus Aluminium und verzinkten Stählen nachgewiesen, genau bestimmt und zielgerichtet verbessert werden. „Für dieses Problem sind aktuell weder eine brauchbare Untersuchungsmethode noch ein sinnvoller Ansatz bekannt“, sagt Ger-hard Hahn. Der Excor-Geschäftsführer, der auch Vorstandsvorsitzender des VC sowie Knüppel-Geschäftsführer ist, betont die wirtschaftliche Relevanz. „Korrosionverursacht jährlich Schäden in Höhe von etwa vier Prozent des Bruttosozialprodukts. Schon geringste Korrosionsspuren machen teure Nacharbeiten oder den Verwurf der Güter nötig.“

Karl-Josef Schalz, Dekan der Fakultät Naturwissenschaften und Technik, betont die interdisziplinäre Einbindung des Projekts: „Es geht um ein reproduzierbares System, an dessen Entwicklung Materialchemiker, Regelungstechniker und Informatiker beteiligt sein werden.“ Eineinhalb bis zwei Jahre und mehrere Masterarbeiten rechnet er, bis Ergebnisse vorliegen. Zum Einsatz kommen soll das Messverfahren vor allem bei Excor selbst und zwecks Benchmarking auch beim Kunden.

Das Projekt soll nicht das einzige bleiben. Auf Seiten des VC sondieren Geschäftsführer Roland Marx und Projektleiter Holger Frahnert (Inhaber Frahnert Forschung & Beratung), welche weiteren Projektedenkbar sind. Frahnert: „Wissenschaft und Wirtschaft zusammen zu bringen, ist besonders für KMU wichtig – aber auch schwierig.“ Das VC könne dafür mit Partnern wie der HAWK ein wertvoller Kata- lysator sein und die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit unterstützen. Zunächst seien alle Beteiligten aber „“dankbar, dass wir die junge Kooperation bereits mit Le- ben füllen“, sagt Marx. Schalz fügt an, dass so auch die Berührungsängste zwischen Wirtschaft und Wissenschaft abgebaut werden könnten.