©Alciro Theodoro da Silva
©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Kim Henneking

Melissa Harms gibt Einblicke in das Leben einer Fruchtsafttechnikerin.

Auf den ersten Blick ist Melissa Harms eine eher zierliche Person – und damit eine Ausnahme in ihrer Branche, die bis heute eine Männerdomäne geblieben ist. Doch durch ihre Tatkraft hat sie sich schnell Anerkennung verdient. Tatsächlich war Melissa sogar so gut, dass sie ihre dreijährige Ausbildungszeit zur Fruchtsafttechnikerin auf zwei Jahre verkürzen und direkt in eine Festanstellung übergehen konnte.

Für die heute 20-Jährige stand schon immer fest, dass sie mit Lebensmitteln arbeiten wollte. Die ehemalige Realschülerin wuchs im Restaurant ihrer Eltern auf und absolvierte bereits während ihrer Schulzeit ein Praktikum in einer Fruchtweinkellerei. Die Frage nach dem passenden Berufsweg war damit schnell geklärt. Nach ihrem Abschluss bewarb sie sich bei verschiedenen Getränkeherstellern und bekam schließlich einen Ausbildungsplatz bei beckers bester in Lütgenrode.

Aber was macht man eigentlich als Fruchtsafttechnikerin? „Wenn ich morgens zur Arbeit komme, warten zunächst einmal große LKW auf mich“, erzählt Melissa, „vollbeladen mit frisch gepresstem naturbelassenem Saft.“ Äpfel, Birnen, Kirschen, alles, woraus sich leckere Flüssigkeit gewinnen lässt. Ihr erster Arbeitsschritt: zunächst einmal probieren! Und wenn der Geschmackstest bestanden ist, lädt Melissa die Rohware über große Schläuche ab. Dann müssen die Tanks mit Lauge und Wasser gereinigt werden.

Immer mit dabei: ihr Taschenrechner. Denn Mathe spielt in Melissas Alltag eine große Rolle. Schließlich muss der Saft streng nach Rezept gemischt werden. „Das Verhältnis der Zutaten muss stimmen. Sonst schmeckt eine Flasche Apfelsaft nicht wie die andere“, erklärt die frischgebackene Fachkraft für Fruchtsafttechnik. In der Schule gehörten Biologie und Chemie zu Melissas Lieblingsfächern, und das kommt ihr heute sehr gelegen. Denn die Bestimmung der Dichte und des Säure­gehalts gehören ebenfalls zu ihren Aufgaben.

Ebenso wie die Saftaufbereitung. Da wird filtriert, konzentriert, erhitzt – technische und mechanische Kenntnisse sind für diesen Beruf unerlässlich. Sie helfen auch weiter, wenn man nicht so viel Kraft hat. „Wenn ich mal ein Fass nicht aufkriege, mache ich mir eben die Hebelwirkung zu Nutze. Kein Problem.“

In der Ausbildung bekam die Gesellin von Grund auf das nötige chemische, biologische und mathematische Fachwissen vermittelt. Mit insgesamt 40 weiteren Azubis aus Deutschland, Österreich und der Schweiz war sie in einem Jahrgang. Der Blockunterricht fand in der Nähe von Wiesbaden statt. Dort ist die einzige Schule in ganz Deutschland, die eine Ausbildung für Fruchtsafttechnik anbietet. Und trotzdem: Inzwischen zählt der Fruchtsaftverband Deutschland rund 300 Betriebe, die ihren Azubis jeweils für die Dauer des Schulblocks eine Wohnung zur Verfügung stellen. Einen Mangel an potenziellen Arbeitgebern gibt es für Melissa also nicht.

Auch was eine Weiterbildung betrifft, stehen ihr viele Türen offen. Neben der Meisterprüfung, die vermehrt auf kaufmännische und technische Themen eingeht, kann sie mit ihrem Gesellenschein schon die Schichtführung sowie die Abteilungs- oder Betriebs­­leitung übernehmen. Ein Studium der ­Lebensmitteltechnologie wäre ebenfalls noch möglich. Doch Melissas nächstes Ziel steht bereits fest: das Labor. Hier möchte sie weiter ihrem größten Interesse – den chemischen Analysen – nachgehen und an der Qualitätskontrolle mitarbeiten.

Das musst du mitbringen

Schulabschluss: Realschule
Deine Interessen: Mechanik, Technik, chemische Abläufe
Schulfächer: Biologie, Chemie, Mathematik, Physik

Gut zu wissen

Ausbildungsdauer: drei Jahre
Mögliche Arbeitgeber: Fruchtsaftindustrie, Obstweinherstellung

Ausbildungsgehalt

1. Lehrjahr 685–827 Euro
2. Lehrjahr: 777–883 Euro
3. Lehrjahr: 819–991 Euro
Einstiegsgehalt: 2.812–2.882 Euro