Frauen braucht das Land!

© iStockPhoto.com
Text von: redaktion

“Kinder – Küche – Kirche“ oder doch lieber “Frau – Familie – Führungsposition?“, fragen die Berater Marliese Arns und Peter Demes in unserer Coaching-Zone.

Kaum ein Jahr nach der Diskussion um die Frauenquote in den Vorstandsetagen deutscher Dax-Unternehmen entsteht der Eindruck, dass das Thema schon wieder aus dem öffentlichen Interesse verschwunden ist. Dies wird der Bedeutung der Frau als Leistungsträgerin im Beruf und in der Familie nicht gerecht.

Unsere Coaching-Erfahrung zeigt, dass sich viele Frauen, die leistungsorientiert im Leben stehen, mit ihren täglichen Aufgaben und Pflichten in einem unerbittlichen Spannungsfeld bewegen. Wer im Coaching-Prozess mit diesen Frauen zusammenarbeitet, erkennt schnell ihren hohen Anspruch an die eigene Leistung in allen Bereichen. Die Vorstellung, dem Beruf, der Familie – vor allem den eigenen Kindern – möglicherweise nicht gerecht zu werden, hat ganz oft nur einen Grund: den eigenen überhöhten Qualitätsanspruch. Dieser Perfektionismus lässt Frauen nur allzu schnell beruflichen Chancen ausweichen. Werden sie angenommen, ist häufig eine innere Bereitschaft spürbar, ganze Lebensbereiche wie die Partnerschaft, den Freundeskreis oder Freizeit und Sport hintenanzustellen. Manche gehen sogar so weit, eigene Kinder in der Lebensplanung auszuschließen. Ist es erst so weit gekommen, stellt sich für eine Frau häufig die Frage: Kann sie als erfolgreiche Führungskraft überhaupt eine gleichwertige Partnerschaft leben, oder bleibt dem weiblichen ‚Alpha-Tier‘ nur das sprichwörtliche ‚Beta-Bärchen‘ als letzte Konsequenz vor dem Alleinsein?

Wo beginnt die Aufgabe, Beruf und Familie erfolgreich unter einen Hut zu bringen? Basis jeder fruchtbaren Arbeit ist es, eine gute Selbstwahrnehmung zu entwickeln und damit die eigenen Blockaden zu erspüren. Nicht selten sind gut ausgebildete Frauen heute noch mit althergebrachten Vorstellungen ins Leben geschickt worden. Die eigene Mutter hat schon immer gesagt: „Kind, man kann im Leben nicht alles haben.“ Selbst wenn die Herkunftsfamilie keine ‚inneren Bremsen‘ eingebaut hat, ist die Gesellschaft mit Bewertungen schnell zur Hand. „Gut, dass sie keine Kinder bekommen hat, sonst könnte sie diesen Job gar nicht machen“, heißt es dann. Oder: „Bei dieser Karriere, wozu haben Sie eigentlich Kinder?“

Frauen sollten stärker auf sich selbst achten und den eigenen Anteil an der bestehenden Situation überprüfen. So dürfen sie nicht länger die eigene Karriere sabotieren, indem sie die ‚Mutter der Abteilung‘ spielen oder das angemessene Gehalt nicht konsequent einfordern. Wer Frauen an dieser Stelle ermutigen möchte, findet in der Geschichte viele Beispiele: Besonders die Abwesenheit von Männern – zum Beispiel in Kriegen – hat dazu geführt, dass die wirkliche Leistungsfähigkeit von Frauen sichtbar wurde. Schon jetzt ist der Mangel an gut ausgebildeten männlichen Führungskräften beängstigend. Ganz abgesehen von den Aspekten der Chancengerechtigkeit: Allein schon durch die demographische Entwicklung werden leistungsorientierte Frauen mehr denn je in Wirtschaft und Familie gebraucht, um den ökonomischen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu begegnen.

Es muss deshalb zu einer Selbstverständlichkeit werden, die biologischen Lebensaufgaben der Frau in das aktive Berufsleben zu integrieren, dies sollte ab jetzt zum Pflichtprogramm für ManagerInnen in erfolgsorientierten Unternehmen werden. Frauen in ihren vielfältigen Herausforderungen angemessen zu unterstützen und zu würdigen, wird damit zur selbstverständlichen Männerpflicht. Männer sollten sich dabei an die Vorstellung gewöhnen, dass es zukünftig auch Vätersache ist, pünktlich um 16 Uhr die Kinder aus der KITA abzuholen, während die Mutter noch im Meeting ihre Frau steht!