©Luka Gorjup
Text von: Lea van der Pütten

In Australien brennt der Wald, im Harz wütet der Borkenkäfer und deutschlandweit sterben die Buchen ab. Die Forstwirtschaft ist eine Branche im Wandel. Umso mehr ist sie heutzutage auf die Forstwirte angewiesen, die sich um die Pflege des Waldes kümmern – so wie Christian Peter.

In voller Arbeitsmontur mit Schutzhelm und Kettensäge bewaffnet stapft Christian Peter durch den Wald bei Bovenden/Reyershausen. Der 26-Jährige absolviert derzeit sein zweites Ausbildungslehrjahr im Forstamt Reinhausen der niedersächsischen Landesforsten. Mit einem kräftigen Ruck schmeißt Christian die Kettensäge an und schneidet unter lautem Geknatter das Unterholz rund um die große Buche frei, die gleich gefällt werden soll. Schon seit einigen Wochen sind er und seine Kollegen dabei, Hauungen auf dem Plesseplateau vorzunehmen, denn unter anderem bedingt durch die letzten heißen Sommer sind viele der Buchen von einem Pilz befallen und sterben langsam ab. „Das stellt für Spaziergänger oder uns Forstwirte eine Gefahr dar“, erklärt Christian, nämlich dann, wenn die morschen Bäume einfach abbrechen. „Jetzt – solange das Holz noch einigermaßen gesund ist – fällen wir sie, damit wir das Holz noch verkaufen können. Später will das niemand mehr haben.“ Diese Aufgabe ist eine Gratwanderung – zum einen müssen die erkrankten Bäume erkannt und die Gefahr, die von ihnen ausgeht, eingeschätzt werden. Gleichzeitig müssen die Forstwirte aufpassen, dass sie nicht zu viele Lichtflächen auf dem Waldboden entstehen lassen, da das wiederum Auswirkungen auf das Ökosystem hat. Ein Job mit viel Verantwortung.

„Man sollte die Ausbildung zum Forstwirt nicht unterschätzen“, sagt Christian. Natürlich ist es eine tolle Vorstellung, jeden Tag an der frischen Luft zu arbeiten, aber diese Arbeit sei eben auch körperlich sehr anstrengend. Auch die Anwendung der in der Berufsschule erlangten theoretischen Kenntnisse – wie die  Berechnung von Höhen und Winkeln oder die Bestimmung von bestimmten Pflanzenarten – auf die Wirklichkeit ist nicht immer ganz einfach. Mehrfach im Jahr fährt Christian für zwei bis fünf Wochen zur Berufsschule nach Seesen. Dort erlernt er neben Fächern wie Politik, Deutsch, EDV oder BWL vor allem forstfachliche Kenntnisse. Das fängt bei den theoretischen Grundlagen über die Sicherheitstechniken wie etwa bei Hauungen an – und geht bis hin zu Natur- und Pflanzenkunde sowie Waldbau.

„Mir gefällt an meiner Ausbildung besonders, dass immer so viele verschiedene Arbeiten anstehen – je nach Saison und was gerade anfällt“, erzählt Christian. Am meisten Spaß machen ihm jedoch das Bestimmen von Pflanzen sowie die Jungbaumpflege bzw. waldbauliche Eingriffe. „Es ist einfach schön, den Prozess von der kleinen Pflanze bis hin zum großen erntereifen Baum zu beobachten“, sagt der Azubi schwärmend. Neben Hauungen stehen regelmäßig auch Läuterungen auf seinem Ausbildungsplan, also die Pflege junger Pflanzen, ebenso wie Pflanzungen von ganzen Kulturen wie etwa Eichen oder das Bauen von Zäunen. Jede dieser Aufgaben kann dabei mehrere Wochen Zeit in Anspruch nehmen. Dann trifft sich das Forstteam früh morgens um 7 Uhr an der Werkstatt, legt die Arbeitsausrüstung an, macht die Geräte fit und lädt alles auf den Anhänger. Oben im Wald wird  zunächst die Schutzhütte vorgeheizt, und dann startet ein langer und manchmal auch schweißtreibender Arbeitstag. „Es kann auch schon einmal sein, dass wir den ganzen Tag lang Holz hacken“, sagt Christian und lächelt dabei zufrieden über seine Ausbildungswahl.

Bevor Christian allerdings seine Ausbildung als Forstwirt begann, hatte er bereits ein Bachelorstudium in Geografie absolviert. Hierbei stellte er jedoch fest, dass er beruflich doch lieber praxisorientierter arbeiten möchte. Zu diesem Zeitpunkt engagierte er sich in seiner Freizeit schon seit über zehn Jahren ehrenamtlich bei der Deutschen Waldjugend und brachte hier Kindern auf spielerische Art und Weise den Wald und die Forstwirtschaft näher. Den grünen Daumen in der Tasche fiel ihm die Neuorientierung somit leicht. „So konnte ich zum Glück auch schon einiges an Grundlagenwissen mit in die Ausbildung bringen und wusste, was mich erwartet“, erklärt Christian. Die ist auch der Grund, warum er jedem, der diesen Weg anstrebt, empfiehlt, sich die Arbeit vorher einmal genau anzuschauen. „Es ist kein ganz einfacher Job, und man sollte sich bewusst sein, dass Forstwirte an vielen Stellen nicht mehr gefahrlos arbeiten können“, so der Azubi. Gleichzeitig sei es aber ein Beruf mit Sinn und Zukunft. Es werden künftig mehr Forstwirte gebraucht, Sicherheitstechniken werden angepasst und neue Aufgaben kommen auf. „Es wird mit Sicherheit nicht langweilig. Der Beruf bleibt, ebenso wie der Wald selbst, durch die klimabedingten Veränderungen im steten Wandel.

Welche Charaktereigenschaften sollte ein Forstwirt mitbringen?

• Teamfähigkeit
• Rücksichtnahme
• Belastbarkeit

Welche Möglichkeiten hat man nach Abschluss der Ausbildung?

• Weiterbildung zum Forsttechniker
• den Forstwirtschaftsmeister machen
• Forstwirtschaft studieren
• einen eigenen Forstbetrieb gründen

Ausbildungsgehalt

1. Lehrjahr: 650 Euro
2. Lehrjahr: 700 Euro
3. Lehrjahr: 750 Euro
Einstiegsgehalt: 1.500–2.000 Euro (brutto)