©Alciro Theodoro da Silva
©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Marisa Müller

Hendrik Zenzen, Forstwirt im ersten Lehrjahr bei den Niedersächsischen Landesforsten, trägt viel Verantwortung – aber genau das ist seine Freiheit.

Mit Sicherheitsschuhen stapft Hendrik Zenzen durch das Dickicht des Plesseforstes. Zweige zerbersten, Laub raschelt, Äste peitschen dem 21-Jährigen ins Gesicht und prallen am Visier seines orangenen Helms ab. Egal ob Wind, Regen, Schnee oder Nebel, der Mündener muss ran, denn er hat sich für eine Ausbildung zum Forstwirt entschieden. Und die findet nun einmal draußen statt.

„Im Winter gehen wir erst in den Wald, wenn es hell ist. Ansonsten kann uns nur ein Sturm abhalten“, erzählt Hendrik, der mit den Jahreszeiten auch die unterschiedlichen Bereiche des Berufs entdeckt hat: „Im Winter ernten wir Holz. Ansonsten dreht sich im Wesentlichen alles um Pflanzen, Pflegen, Forstschutz.“

Im Plesseforst befinden sich jede Menhe Edelhölzer, vor allem Buche, Ahorn und Esche. Jetzt ist erstmal eine Buche fällig, denn die hindert andere Bäume am Wachsen. Hendrik lässt die Motorsäge aufheulen, setzt an und bringt den 15 Meter hohen Baum zu Fall. Fast geräuschlos kippt er zur Seite, dann klatscht die Krone auf dem Waldboden auf, und ein letztes Beben erschüttert das Holz.

„Die Leute haben keine Ahnung, dass es uns gibt. Die kennen nur den Förster. Dackel, Hut, Gewehr. Dabei sind wir diejenigen, die die Wälder pflegen und die Natur so erhalten, wie es dem Spaziergänger am Sonntagnachmittag gefällt“, erzählt Hendrik. Eigentlich wollte auch er lieber etwas anderes werden. Nämlich einer mit Dackel, Hut und Gewehr. Doch als das mit dem Studienplatz nicht klappte, ergriff er die Offensive. Ein Freiwilliges Ökologisches Jahr beim Hessenforst – danach bewarb sich Hendrik als Forstwirt, bestand den Einstellungstest und wurde genommen.

Heute paukt er fleißig Baumarten, lernt alles über Landschaftspflege, Artenschutz, Waldbau und Schädlingsbekämpfung. „Das Studieren läuft mir ja nicht weg“, erklärt Hendrik, der sich in der Natur schon immer sehr wohl gefühlt hat. „Büro, das wäre nichts für mich. Im Wald kann ich eigenständig arbeiten, kein Chef, der ständig kontrollieren kommt.“

Vögel zwitscher friedlich, in der Ferne hüpft ein Eichhörnchen von Ast zu Ast – idyllische Ruhe, und doch lauert die Gefahr. Denn Hendrik und seine fünf Azubi-Kollegen der Landesforsten haben sich für einen extrem risikoreichen Beruf entschieden. Die Verletzungsgefahr durch unsachgemäßen Werkzeuggebrauch ist hoch, außerdem lauern im Wald zusätzliche Bedrohungen: „Umfallende Bäume, Unfälle mit der Motorsäge oder der Spaltaxt, alles keine Seltenheit“, zählt Hendrik auf. Deshalb sei ein wacher Geist auch das Wichtigste bei der Arbeit, Sicherheitskleidung schützt außerdem vor dem Schlimmsten. Die angehenden Forstwirte gehen immer mindestens zu dritt in den Wald. Am Helm tragen sie Sprechfunk. Wenn etwas passiert, kann einer Hilfe holen, während der andere beim Verletzten bleibt; glücklicherweise ist das für Hendrik bislang Theorie geblieben.

Wer glaub, als Forstwirt könne man sich den Gang ins Fitnessstudio sparen, der liegt nur teilweise richtig. Vielmehr gilt es, Haltungsschäden oder einseitige Belastung auszugleichen. „Wir machen viel Sport – für den Bauch und das Gleichgewicht“,erklärt Hendrik. Dafür stellt sein Arbeitgeber ihm und allen 30 Mitarbeiter kostenlos das wöchentliche Sportprogramm ‚Fit im Forst‘.

Zur Berufsschule müssen die Forst-Azubis immer gleich einen Koffer packen. Der Blockunterricht in Münchehof dauert rund vier Wochen. Und das dort erworbene Wissen ist gefragt. Die Bundeswehr stellt Forstwirte ein, ebenso die Deutsche Bahn, die nennen sie dann ‚Fahrbahnpfleger‘. „Auch Bauhöfe wollen uns, denn wir wissen alles über Hölzer und Werkzeuge, die Möglichkeiten sind vielfältig“, sagt Hendrik. Zudem könne man nach der Ausbildung weitere Fortbildungen machen, z.B. zum Maschinenführer oder weiter zum Forstwirtschaftsmeister sowie zum Naturschutz- und Landschaftspfleger. Hendrik möchte noch einen Bachelor in Forstwirtschaft anschließen; denn nach wie vor träumt er vom Försterdasein. Sein größter Traum liegt allerdings in Übersee: „Einmal die Natur in Kanada erleben. Das stelle ich mir großartig vor.“

Aber Kanada liegt in weiter Ferne. Stattdessen folgt Hendrik nun dem Ruf zum nächsten Einsatz. Sägen, Benzinkanister, Flatterband und Äxte werden im Anhänger verstaut – aufsitzen. Die Türen klappen. Langsam rollt der grüne Kleinbus auf der Forststraße davon.

Forstwirt/-in

Du liebst die Natur, Wind und Wetter können dir nichts anhaben? Logisches Denken und eigenständiges Arbeiten liegen dir? Du bist körperlich fit und  verantwortungsbewusst? Die Niedersächsischen Landesforsten bilden jedes Jahr 30 neue Azubis zu Forstwirten aus! Wichtig sind technisches Verständnis, mathematisches Geschick sowie Text- und Lesekompetenz.