Einstellungen zur Organspende

©adobe stock_L.Klauser
Text von:

Was motiviert die Entscheidung gegen eine Organspende und welche Rolle spielt die öffentliche Diskussion dabei? Seit zwei Jahren erforschen das Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und das Institut für Soziologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in Kooperation diese beiden Fragen.

Das Projektteam interviewte dafür 60 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet, die einer Organspende skeptisch gegenüberstehen. Zusätzlich wurden über 80 Plakatmotive deutscher Organspende-Kampagnen der letzten 20 Jahre analysiert und deren moralische Botschaften in den Blick genommen.

Erste Ergebnisse der Studie liegen nun vor und werden auf der Tagung „Ja? Nein? Vielleicht? Diskurs und Kritik der Organspende“ am Montag, dem 18. Juli und Dienstag, dem 19. Juli in Erlangen vorgestellt. In diesem Rahmen findet auch eine öffentliche Podiumsdiskussion statt zum Thema „Organspende zwischen Aufklärung und Reklame – Ein Gespräch über Kampagnen, Medien und Kritik“. Das Projekt „Ich möchte lieber nicht. Das Unbehagen mit der Organspende und die Praxis der Kritik“ wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit insgesamt 400.000 Euro über zwei Jahre gefördert.

Einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge stehen die meisten Deutschen einer Organspende nach dem Tod positiv gegenüber. Dennoch haben nur wenige einen Organspendeausweis und dokumentieren so ihre konkrete Bereitschaft. „Als Gründe für eine Verweigerung werden dabei vor allem mangelnde Informiertheit oder Misstrauen in das Transplantationssystem vermutet, ohne dass dieser Zusammenhang bisher geprüft worden wäre“, sagt Frank Adloff vom Institut für Soziologie der FAU.

„Organspende wird als sozial erwünschtes Verhalten dargestellt. Es wird suggeriert, eine Entscheidung zur Organspende sei leicht und einfach zu treffen. Bedenken werden hingegen gänzlich ausgeblendet. So fühlen sich die Menschen durch die Kampagnen nicht in erster Linie gut informiert und zu einer tieferen Auseinandersetzung aufgerufen, sondern subtil unter Druck gesetzt“, sagt Silke Schicktanz.

Weitere Informationen zur Tagung und öffentlichen Podiumsdiskussion in Erlangen unter: www.soziologie.phil.uni-erlangen.de