Forschung eröffnet neue Therapiewege bei Diabetes

Text von: redaktion

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Göttingen, haben bei zuckerkranken Mäusen Insulin prodizierende Zellen durch die Schaltung eines Gens erreicht. Weitere Untersuchungen müssen zeigen, ob der Ansatz auch auf den Menschen übertragbar ist.

Gehen die Insulin produzierenden Zellen des Körpers zugrunde, kann sich daraus Diabetes entwickeln – eine der häufigsten Stoffwechselerkrankungen westlicher Industrienationen. Sie durch körpereigene, Insulin produzierende Zellen zu ersetzen, ist seit langem ein Traum der Diabetesforscher.

Die Wissenschaftler sind diesem Ziel jetzt einen wichtigen Schritt näher gekommen: Schalteten die Forscher in zuckerkranken Mäusen ein einziges Gen in den Bauchspeicheldrüsenzellen an, verwandelten sich diese in Insulin produzierende Zellen.

Göttinger Forscher um Ahmed Mansouri und Patrick Collombat konnten jetzt nachweisen, dass Pax4 in diesem komplexen Räderwerk der entscheidende „Schalter“ ist, mit dem sich Vorläuferzellen der Bauchspeicheldrüse anregen lassen, Insulin zu produzieren.

Wie sie herausfanden, erzeugten die neuen Zellen ausreichend Insulin, um in den kranken Mäusen den Blutzucker auf das Normalmaß zu senken. Auch die Lebensdauer der Mäuse ließ sich deutlich verlängern.

„Wir waren völlig überrascht, dass es ausreichte, nur diesen einen faktor in den Vorläuferzellen ‚anzuschalten’“, erklärt Ahmed Mansouri, Leiter der Forschungsgruppe „Molekulare Zelldifferenzierung“.

Aber auch ausgereifte Zellen, die bisher Glukagon herstellten, ließen sich durch aktives Pax4 reprogrammieren und in Insulin produzierende Zellen umwandeln.

„Die Bauchspeicheldrüse ist viel flexibler als bisher angenommen. Ihre Entwicklung ist auch im erwachsenen Körper noch nicht abgeschlossen“, sagt Patrick Collombat.

Ließe sich diese Umwandlung auch im Menschen gezielt regulieren, könnte dies zukünftig neue Therapiewege eröffnen, um Diabetes erfolgreich zu behandeln.

Ein vielversprechender Ansatz, doch weitere Untersuchungen müssen erst zeigen, ob der Ansatz auch auf den Menschen übertragbar ist.

„Unser Ziel ist es, Medikamente zu finden, mit denen wir Pax4 oder eines seiner Zielmoleküle kurzzeitig aktivieren und damit die Umwandlung anstoßen, aber auch wieder anhalten können“, so Mansouri.