„Lauf, Forrest!“

Jörn Kater lässt den Schweinehund nicht mitlaufen
Text von: redaktion

Ein Virus greift um sich. Besonders viele Entscheider sind befallen. Ausdauersport! Bis zum Ironman haben sich einige bereits durchgebissen. Und den Schweinehund haben sie dabei längst abgehängt.

Text: Stefan Liebig – Fotografie: Alciro Theodoro da Silva

Hätte jemand Frank Reese im Frühjahr 2014 prophezeit, er könne sich bereits ein Jahr später ‚Ironman‘ nennen, hätte er ihn wohl ohne zu zögern für verrückt erklärt. Doch oft sind es die zufälligen Begegnungen, die unser Leben völlig verändern. Vor eineinhalb Jahren behandelte Rehabilitationstrainer und Osteopath Reese zum ersten Mal den passionierten Ausdauersportler Steffen Baumbach in seiner Physio-Praxis.

„Natürlich habe ich Frank vom Triathlon erzählt. Zwei Behandlungen später sagte er zu mir: ‚Steffen, ich bin jetzt auch Triathlet.‘ Dabei hatte er noch nicht mal ein Fahrrad!“, erzählt Baumbach. Doch der Entschluss war gefasst: Schon zwei Wochen später drehte der damals 46-Jährige die ersten Trainingsrunden auf seinem neuen Triathlonfahrrad und nahm auch das Schwimmtraining auf. „Gekrault hatte ich vorher so gut wie nie“, erinnert sich Reese. Hoch motiviert erstellte er sich einen systematischen Trainingsplan. Seine berufliche Erfahrung als medizinischer Trainings- und diplomierter Sportphysiotherapeut verschaffte dem bis dahin nur als Läufer aktiven Sportfan natürlich einen wesentlichen Startvorteil.

„Ich glaube, jetzt bin ich wirklich Triathlet.“

Bereits zwei Monate später sprang er beim Jedermann-Triathlon im Harz im wahrsten Sinne des Wortes ins kalte Wasser. „Bei meinem ersten Massenstart im Schwimmen wurde ich gleich kräftig untergetaucht. Natürlich hatte ich Panik“, so Reese. Doch danach hielt er sich den Rest der 1,5 Kilometer über Wasser und bewältigte auch die 46 Kilometer auf dem Rad sowie die zehn Kilometer Laufdistanz. Erschöpft, aber glücklich kam er ins Ziel. Bevor er sich dann für ganze zwei Tage schlafen legen wollte, teilte er Steffen Baumbach noch mit: „Ich glaube, jetzt bin ich wirklich Triathlet.“

Fortan kannte sein Ehrgeiz nur noch ein Ziel: ‚Ironman‘. Bei der ,eisernen‘ Distanz folgt auf 3,8 Kilometer Schwimmen und 180 Kilometer Radfahren noch ein Marathon. Beseelt vom ersten Erfolg im Harz und angestachelt von Baumbachs Erzählungen ergatterte Reese tatsächlich einen Startplatz für den traditionsreichen Ironman-Triathlon im mittelfränkischen Roth. Da auch Baumbach Glück bei der Startplatzvergabe hatte, gehörten die beiden Göttinger zu den insgesamt 3.500 Startern. Das Motto der beiden lautete: das Ziel erreichen. Während es für den Fitnesstrainer Baumbach bereits der fünfte Start bei einem Ironman-Triathlon war, ging Reese „unwissend nach Roth“. Doch obwohl er das Streckenprofil nicht kannte, durfte er sich nach 13 Stunden und 20 Minuten von den Jubelrufen der Zuschauermassen über die Ziellinie tragen lassen. „Allein diese Begeisterung des Publikums zu spüren, ist die ganze Anstrengung wert“, so Reese.

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