Folge – richtig!

Text von: redaktion

Beatrice Rodenstock und Peter Demes von der Demes Consulting über die gelungene Unternehmensnachfolge oder “Wenn Unternehmen in die Wechseljahre kommen“

Nach neuesten Informationen des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn werden in Deutschland jährlich ca. 22.000 profitable Unternehmen an ihre Nachfolger übergeben. Erwähnenswert dabei ist, dass den Akteuren nach eigenem Empfinden nur ein geringer Teil dieser Unternehmerwechsel zufriedenstellend gelingt. Damit finden Unternehmensübergaben ca. 60 Mal am Tag statt, für die Betroffenen ist es jedoch eine Herausforderung, mit der sie meist nur einmal im Leben konfrontiert werden – Ausgang ungewiss!

Als Coaches von inhabergeführten Unternehmen haben wir die Erfahrung gemacht, wer ein Familienunternehmen berät, berät ein Unternehmen, und er berät immer auch eine Familie. In diesem Spannungsfeld zwischen Familie, Unternehmen und Vermögen kann es erfahrungsgemäß schnell zu Konflikten kommen. Konflikte, die in der Mehrzahl der Fälle auf enttäuschte Erwartungen zurückzuführen sind und sich oft nur schwer oder gar nicht mehr auf der Sachebene lösen lassen. Der Inhaber steht dabei vor einer großen Herausforderung, schließlich hat er 30 oder 40 Jahre Herzblut in seine Firma gesteckt und sie zu dem gemacht, was sie heute ist, ein profitables Unternehmen.

,Ich leiste, also bin ich‘ ist sein Lebensmotto und bei dem Gedanken, nicht mehr jeden Tag in die Firma zu kommen, fällt ihm schon heute die Decke auf den Kopf. Es geht um sein Lebenswerk, und nicht selten hat man als Außenstehender das Gefühl, die Übergabe bedeutet für ihn, den letzten Akt auf seiner Lebensbühne zu inszenieren. Da wird es verständlich, dass er sich nur widerwillig unter Druck setzen lassen will und verdrängt deshalb das Thema erst einmal in der Hoffnung, es wird sich irgendwie schon von alleine lösen.

Der Nachfolger muss bereit sein, schnell Verantwortung zu übernehmen, um den hohen Ansprüchen des Vorgängers zu genügen. Wenn es schiefläuft, war er nicht nur erfolglos, sondern hat auch noch das Lebenswerk des Vorgängers – meist der eigenen Eltern – zerstört! Die Messlatte liegt also hoch, und er steht beim Inhaber, den Banken, den Geschäftspartnern und den Kunden unter besonderer Beobachtung. Es wird einige Zeit dauern, bis er das nötige Vertrauen erworben hat, sein Umfeld für seine Strategien und Überzeugungen zu gewinnen. Dann kann eine Nachfolge im besten Fall Weitergabe und Erneuerung zugleich bedeuten.

Besonders die Mitarbeiter brauchen das Vertrauen in die Nachfolge, und oft stellt sich die Frage, wann ist der richtige Zeitpunkt, mit den ‚Wechseljahren‘ zu beginnen? Es gibt dafür einfache Signale und zwar spätestens, wenn andere anfangen, darüber zu reden, und es ist fast schon zu spät, wenn die eigenen Mitarbeiter sich fragen, wann geht der ‚Alte‘ jetzt endlich und was kommt dann?

Auch juristisch, finanziell und steuerlich muss die Übergabe gut vorbereitet werden. Viele Familienunternehmen scheitern an diesen ‚technischen‘ und menschlichen Hürden, und genau dann macht es Sinn zu versuchen, hier mit allen Beteiligten tragfähige Lösungen zu erarbeiten. Coaching kann dabei helfen, verhärtete Fronten zu klären und eine Konsensfindung zu moderieren. Wer als Nachfolger diesen Prozess aktiv mitsteuert, kann nachher auch besser mit seinen Verantwortungen leben.