Förderung von unten

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Text von: redaktion

Wie ein Göttinger mit Mikrokrediten den Armen dieser Welt helfen und zugleich wirtschaftlichen Erfolg erzielen will.

Mit ihrer Gründungsidee, der Refinanzierung von Mikrokreditfinanzinstituten, ist die Deutsche Derivate AG Microfinance zum Gründer des Monats der Financial Times Deutschland (FTD) gewählt worden. Mit im Boot sitzt Markus Schreier, Geschäftsführer des Finanzdienstleisters SMS in Göttingen. Co-Gründer Schreier wird von Göttingen aus den Vertrieb des neuen Unternehmens verantwortlich zeichnen.

Die Idee besteht darin, Kleinstunternehmern in Schwellen- und Entwicklungsländern so genannte „Mikrokredite“ in der Größenordnung von 100 Dollar zur Verfügung zu stellen. „Wir wollen die Finanzierungslücke zwischen dem riesigen Kapitalbedarf im Süden und dem Angebot an den Kapitalmärkten im Norden überbrücken“, erläutert Schreier. Dazu wird die Deutsche Derivate Microfinance mit Finanzinstituten in den Ländern des Südens zusammenarbeiten. Mikrokredite haben nach Einschätzung der Weltbank ein weltweites Potenzial von 300 Milliarden Dollar. „Der Zinssatz für diese Kleinstkredite beträgt rund 25 Prozent, sodass eine tragfähige Marge erreicht wird“, erklärt Markus Schreier. Zugleich liege die Ausfallquote bei lediglich drei Prozent.

Dass die Vergabe von Mikrokrediten rentabel ist und zugleich Menschen aus der Armut helfen kann, hat der Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus vorgemacht. Er gründete 1983 die Grameen Bank in Bangladesch, die Mikrokredite an Einkommensschwache vergibt. Seit 1995 bedarf die Bank keiner Finanzhilfe von außen mehr. 2006 erhielten das Finanzinstitut und sein Gründer Yunus den Friedensnobelpreis für die Förderung wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung von unten.

[b]Seitdem ihre Gründungsidee[/b] in der FTD öffentlich wurde, gehen bei Markus Schreier und Andreas Woitzik, Schweizer Vermögensverwalter und Geschäftsführer der Deutsche Derivate AG, täglich neue Projektvorschläge ein. Oft melden sich Vertreter aus Schwellen- und Entwicklungsländern, die eine Handlungsvollmacht ihres Landes in der Tasche haben.

Ein Projekt, das ganz oben auf der Liste der geplanten Aktivitäten steht, ist die Wasseraufbereitung. „In Kooperation mit Mikrokreditbanken sollen 30 Liter fassende Wasserfilter herausgegeben werden, mit denen verschmutztes Wasser wieder trinkbar gemacht wird“, so Schreier. Der Bedarf an sauberem Wasser weltweit ist riesig: So trinken nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation heute rund eine Milliarde Menschen mit Krankheitserregern verunreinigtes Wasser. Unter dem Titel „Wird Wasser wertvoller als Öl?“ werden die Gründer im September einen Workshop an der European Business School im Rheingau anbieten. Aufgabe der Studierenden wird es sein, einen Businessplan für Trinkwasserfilter anzufertigen.

Um das nötige Kapital für die Mikrokreditprojekte aufzubringen, planen Schreier und Woitzik, Anleihen zu emittieren, die von institutionellen Anlegern erworben werden können. Für Privatinvestoren werden in Kürze geschlossene Fonds aufgelegt, wobei die Verzinsung bei fünf bis sechs Prozent liegen soll. Ebenso werden Anleger gesucht, die sich an der Gründungsidee beteiligen.

Vorerst betreibt Microfinance verstärkt Öffentlichkeitsarbeit. Schreier und Woitzik hoffen nicht nur auf einen Erfolg beim Göttinger Innovationspreis, sie setzen auch darauf, Gründer des Jahres der FTD zu werden. Der Gewinner wird Ende Oktober bekannt gegeben. Mit einem Preisgeld von 50.000 Euro handelt es sich um den höchst dotierten Businessplan-Wettbewerb in Deutschland. Schreier hofft auf einen Sieg: „Ich bin zuversichtlich, dass etwas Großes daraus wird.“

[b]Text:[/b] Tanja Uhde