Förderung des BiotechGenoMik-Netzwerks

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Text von: redaktion

Das von der Uni Göttingen koordinierte Forschungsnetzwerk BiotechGenoMik wird drei Jahre lang mit mehr als sieben Millionen Euro gefördert. Im Mittelpunkt der Forschung steht die funktionelle Genomanalyse an Bakterien mit wichtigen Eigenschaften für die industrielle Produktion.

Das von der Universität Göttingen koordinierte Forschungsnetzwerk „BiotechGenoMik – From Genomes to Functions to Products“ wird über einen Zeitraum von drei Jahren mit mehr als sieben Millionen Euro gefördert. Davon gehen rund drei Millionen Euro an die Georgia Augusta. Die Fördermittel hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Forschungs- und Förderinitiative Funktionelle Genomforschung an Mikroorganismen (GenoMik-Plus) bewilligt. Im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten steht die funktionelle Genomanalyse an Bakterien mit wichtigen Eigenschaften für die industrielle Produktion. „Vorrangige Zielsetzung ist es, die Erbinformationen mit Blick auf Anwendungen in der Industrie zu analysieren“, erläutert Prof. Dr. Wolfgang Liebl. Der Wissenschaftler vom Institut für Mikrobiologie und Genetik ist in der Göttinger Netzwerkzentrale für die bundesweite Koordination der Arbeiten verantwortlich.

Die im Jahr 2001 gestartete BMBF-Initiative GenoMik verfolgt das Ziel, durch genombasierte Forschungsansätze das Potential von Mikroorganismen für die Entwicklung neuer Produkte und industrieller Produktionsprozesse nutzbar zu machen. Mit der Förderung GenoMik-Plus soll dieser Forschungsbereich weiter ausgebaut werden. Lag der Schwerpunkt der Arbeiten in den bisherigen GenoMik-Netzwerken in Göttingen, Bielefeld und Würzburg auf der vollständigen Sequenzierung mikrobieller Genome und der Schaffung einer umfangreichen Datenbasis, so wird es jetzt vorrangig um die funktionelle Genomanalyse mit Anwendungsorientierung gehen. „Die so genannte Weiße Biotechnologie erfährt derzeit einen starken Aufschwung. Immer mehr Unternehmen der chemischen Industrie, der Pharma-, der Lebensmittel- und der Kosmetikindustrie nutzen biotechnologische Verfahren für die Produktion“, erläutert Prof. Liebl. So sind an dem BiotechGenoMik-Netzwerk 14 Partner aus der Industrie beteiligt. Die enge Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Anwendern soll die schnelle Umsetzung der Forschungsergebnisse in die Praxis garantieren.Die Forschungen werden dabei anknüpfen an die Arbeiten des von 2001 bis 2006 geförderten GenoMik-Netzwerkes unter der Leitung des Göttinger Mikrobiologen Prof. Dr. Gerhard Gottschalk. An der Georg-August-Universität wurden bislang 13 Bakteriengenome vollständig sequenziert. Weitere Genomsequenzen befinden sich in unterschiedlichen Phasen der Entschlüsselung. „Eine Reihe von Vorhaben in dem neuen Netzwerk basieren auf diesen Genomdaten aus Göttingen“, betont Prof. Liebl. Im Zuge der funktionellen Genomanalyse werden die Forscher untersuchen, welche Funktionen einzelne Sequenzabschnitte für den Organismus besitzen, um so gezielt genetische Bausteine für biotechnologische Verfahren nutzbar zu machen. So lassen sich zum Beispiel Gene „herausfiltern“, die für die Produktion spezieller Enzyme verantwortlich sind. Diese können dann als Biokatalysatoren in der industriellen Produktion genutzt werden.

Zu den drei Forschungsverbünden in dem neuen BiotechGenoMik-Netzwerk gehört der Verbund BacillOMik, der sich mit der Genomforschung an einer speziellen Gruppe von Bakterien, so genannten Bacillen, befasst. Im Mittelpunkt des zweiten Verbundes GenoMikEngineering steht die Verbesserung von Produktionsorganismen. Schwerpunkt des dritten Verbundes MetaGenoMik bildet die Nutzung der enormen Vielfalt kultivierbarer und nicht-kultivierbarer Mikroorganismen und deren Biokatalysatoren und Stoffwechselwege, um damit neue Produkte und Produktionsprozesse zu entwickeln. Die Forschungsarbeiten werden durch bereits etablierte Serviceeinrichtungen für die Schlüsseltechnologien Sequenzierung und Annotation (Göttingen), Bioinformatik (Bielefeld) und Proteomanalyse (Greifswald) unterstützt. Die Netzwerkzentrale mit einer Geschäftsstelle für die Koordination der Arbeiten ist an der Biologischen Fakultät der Georg-August-Universität angesiedelt.

„Wir freuen uns, dass das vom BMBF eingesetzte, internationale Gutachtergremium unser Forschungskonzept ausgewählt und zur Förderung empfohlen hat“, betont der Koordinator. „Die erneute Finanzierung eines Netzwerkes mit Zentrum in Göttingen bedeutet nicht nur eine Anerkennung für die in den vergangenen Jahren geleistete Forschungsarbeit, sondern sichert darüber hinaus Arbeitsplätze und sorgt für einen weiterhin hohen technischen Standard der beteiligten Laboratorien durch modernste Geräteausstattung.“