Förderpreis für Schmerzforschung 2012

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Text von: redaktion

Die Angst vor schmerzhaften Bewegungen spielt in der Erforschung chronischer Rückenschmerzen eine wichtige Rolle. Ergebnisse einer aktuellen Studie der Psychologin Antonia Barke von der Universität Göttingen stellen nun die Rolle der Angst in Frage.

Barke vermutet, dass die Vermeidung von Bewegungen eher auf der Überzeugung beruht, dass bestimmte Bewegungen oder körperliche Aktivitäten grundsätzlich für den Rücken schädlich sind.

Für ihre Arbeit wurde sie beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim mit dem mit 7.000 Euro dotierten Ersten Preis der Kategorie Klinische Forschung des Förderpreises für Schmerzforschung 2012 ausgezeichnet.

Chronische Rückenschmerzen werden in der Forschung mit dem „Fear-avoidance-Modell“ erklärt: Es geht davon aus, dass Patienten in der akuten Phase des Rückenschmerzes Angst vor Bewegungen entwickeln, weil diese mit Schmerzen verbunden sind.

Zunächst vermeiden sie diese bestimmten Bewegungen, bevor sie beginnen, sich übermäßig zu schonen. Dies führt langfristig zu einer Schwächung der Muskulatur.

Die Menschen werden schmerzanfälliger und ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich. Außerdem leidet die Psyche, weil sich die Möglichkeit positive Dinge zu erleben verringert.

Das, was auf der Ebene der Nervenzellen bei Bewegungsangst passiert, hat Barke vom Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie der Universität Göttingen nun mit der funktionellen Magnetresonanztomographie untersucht.

Damit kann gezeigt werden, welche Gehirnregionen bei bestimmten Aufgaben aktiv sind.

Barke untersuchte insgesamt 60 Frauen, 30 davon mit chronischen Rückenschmerzen, von denen 15 in Fragebögen angaben, unter Angst vor Bewegungen zu leiden, und 15, die nach eigenen Angaben keine solche Bewegungsangst empfanden.

Allen Teilnehmerinnen wurden Fotos von Bewegungen gezeigt, zur Hälfte Bewegungen, die für Personen mit Rückenschmerzen schmerzhaft sind (zum Beispiel Bücken, Kisten heben) und zur anderen Hälfte Bilder mit neutralen Bewegungen.

Wider Erwarten unterschieden sich die Gehirnaktivierungen der stark bewegungsängstlichen Teilnehmerinnen beim Betrachten der Fotos nicht von denen der wenig bewegungsängstlichen oder der Gesunden.

„Die Ergebnisse sprechen gegen die zentrale Rolle der Angst“, schließt die Forscherin. „Wir vermuten deshalb, dass die Vermeidung auf der Überzeugung beruht, dass bestimmte Bewegungen – oder körperliche Aktivität überhaupt – für den Rücken schädlich sind.“

Der Förderpreis für Schmerzforschung wird jährlich von der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. vergeben, Stifterin ist die Grünenthal GmbH in Aachen.

Weitere Informationen zum Programm des Deutschen Schmerzkongresses in Mannheim sind im Internet unter www.schmerzkongress2012.de zu finden.