Fördern und halten

© Universität Göttingen
Text von: Yannick Lowin

Zum ersten Mal wurden die Deutschlandstipendien an der Universität Göttingen vergeben – auch dank der großen Unterstützung regionaler Firmen.

Hinweis: Beachten Sie auch den faktor-Link mit weiteren Informationen zum Thema 275 Jahre Georgia Augusta aus unseren Ausgaben 2012.

Finanzielle Unterstützung und Auszeichnung zugleich, das ist das Deutschlandstipendium. Im Sommersemester 2011 hat die Bundesregierung das Stipendienprogramm initiiert, zum Wintersemester 2011/12 wurde es das erste Mal an der Georg-August-Universität Göttingen vergeben. Der Clou: Die Stipendien in Höhe von monatlichen 300 Euro werden zur einen Hälfte vom Bund und zur anderen Hälfte von privaten Förderern wie Unternehmen, Stiftungen oder Privatpersonen finanziert.

Die Aufgabe des Fundraisings liegt dabei ebenso in den Händen der Hochschule wie die Vergabe. Hier spielen neben schulischen und universitären Spitzenleistungen auch gesellschaftliches Engagement, erworbene Auszeichnungen und familiäre Umstände eine Rolle, sagt Romas Bielke von der Pressestelle der Universität Göttingen. Für dieses Semester haben es die Verantwortlichen geschafft, Sponsoren für 71 Stipendiaten zu akquirieren. Insgesamt hat das Bundes- ministerium für Bildung und Forschung 105 Deutschlandstipendien zur Verfügung gestellt. Auch wenn die öffentlichen Mittel nicht ganz ausgeschöpft werden konnten, ist Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel zufrieden: „Das Interesse und Engagement von Unternehmen und Wirtschaftspartnern, insbesondere aus der Region, war überaus stark.“ Beisiegel sieht das Programm deshalb als Möglichkeit, das Zusammenwirken der Exzellenzuniversität mit der heimischen Wirtschaft weiter zu stärken: „Indem Unternehmen junge Talente fördern und kennenlernen, vernetzen sie sich auch mit der Universität und tragen dazu bei, qualifizierte Fachkräfte in unserer Region zu halten.“

Gezielt Nachwuchs fördern

Aus diesem Grund hat sich zum Beispiel die KWS SAAT AG dazu entschieden, an der Initiative teilzunehmen: „Wir wollen auf diese Weise gezielt Nachwuchs mit Bezug zur Agrarwissenschaft im regionalen Umfeld der KWS fördern“, sagt Vorstandssprecher Philip von dem Bussche. Auch Klaus Hoffmann glaubt an die nachhaltige Wirkung der Stipendien: „Die regionale Förderung der Studierenden wird sich in der Zukunft für Stadt und Region auszahlen“, ist sich der Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen (GWG) sicher.

Ein Göttinger Student benötigtdurchschnittlich etwa 200 bis 300 Euro für Miete – ein Großteil seiner Lebenshaltungskosten kann durch das Deutschlandstipendium bereits gedeckt werden. Die 150 Euro, die die Stifter monatlich für die Nachwuchsförderung überweisen müssen, fallen für sie dagegen kaum ins Gewicht, wie Göttingens Pressesprecher Detlef Johannson bestätigen kann: „Der finanzielle Aufwand bedeutet im Einzelfall eine erhebliche Entlastung und ist für uns gleichzeitig überschaubar.“ Die Stadt hat ihr Stipendium an die Fakultät Geowissenschaften vergeben. Dort werden unter anderem künftige Verkehrs- und Stadtentwicklungsplaner sowie Tourismus- und Klimaexperten ausgebildet. Nachwuchskräfte also, von denen einige in Kommunen und Kommunalverwaltungen arbeiten werden.

Ein-Drittel-Hürde als Bürde

Die Stadt Göttingen ist mit dieser zweckmäßigen Stiftung nicht allein. Auch die KWS, deren fünf Stipendien an die Fakultät für Agrarwissenschaften gegangen sind, oder die HELIOS Albert-Schweitzer-Klinik in Northeim, die einen angehenden Mediziner unterstützt, haben fachnahe Studiengänge gewählt. Ingesamt hatten zwei Drittel der Sponsoren die Möglichkeit, selbst über die Zielfakultät ihres Stipendiums zu entscheiden. Kritische Stimmen warnten im Vorfeld davor, dass die Förderung nur wirtschaftsnahen Studiengänge zu Gute komme. Um diesem Ungleichgewicht entgegenzuwirken, hat der Bund die Hürde eingerichtet, dass ein Drittel der Gelder durch die Hochschulen nicht zweckgebunden verteilt werden soll. Ziel ist es, auf diese Weise für eine gleichmäßige Vergabe der Stipendienmittel zu sorgen. An der Uni Göttingen haben sich diese Bedenken als grundlos herausgestellt. So profitierten alle 13 Fakultäten von dem Förderprogramm. „Die meisten Stipendien gingen in die Fakultäten mit hohen Studierendenzahlen wie die Philosophische, die Medizinische und die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät“, sagt Bielke. Nicht nur aus diesem Grund kritisiert er die Vorgabe der Bundesregierung: „Die Ein-Drittel-Hürde bedeutet für uns eine Bürde, da die Anzahl der zu vergebenden Stipendien dadurch unnötigerweise begrenzt wird. Hier besteht von Seiten des Bundes Nachbesserungsbedarf.“

Nachbesserungsbedarf formuliert aber auch die regionale Wirtschaft. So sieht GWG-Chef Klaus Hoffmann beim Marketing seitens der Universität noch Luft nach oben: „Die Bewerbung der Aktion könnte deutlich verbessert werden“, meint er. Das wird auch nötig sein. Denn für den nächsten Förderzeitraum von Oktober 2012 bis September 2013 hat die Bundesregierung Mittel für 200 Stipendien zugesichert. Die ersten Zusagen aus der Wirtschaft und von privaten Förderern lägen bereits vor, sagt Beisiegel. Doch die Hochschule benötige noch deutlich mehr Geldgeber, um die maximale Zahl an möglichen Stipendien wieder annähernd erfolgreich ausschöpfen zu können.

Kontakte für Förderer

Jens M. Wellbrock
Stabsstelle Universitätsförderrung
Tel. 0551 39 – 4237
universitaetsfoerderung@uni-goettingen.de
www.uni-goettingen.de/universitaetsfoerderung