Fluggesellschaften sind Arbeitgebern bei Verspätungen auf Geschäftsreisen zum Schadensersatz verpflichtet

SBZW - Flugverspätungen bei Geschäftsreisen müssen entschädigt werden /©Shutterstock
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Wer kennt das nicht: Der Flug hat Verspätung, Anschlusstermine verstreichen und damit auch der Moment, in dem ein Geschäft seinen Abschluss hätte finden können. Ärgerlich und geschäftsschädigend - deshalb haben Geschäftsreisende und deren Arbeitgeber Anspruch auf Schadensersatz seitens der Fluggesellschaft. Im so genannten Montreal-Abkommen sind Details dazu geregelt. Der maximale Anspruch ist begrenzt und richtet sich nach der Höhe dessen, was der Reisende erhalten hätte, hätte er allein Klage erhoben.  

Ein litauischer Arbeitgeber ist Kläger des Ausgangsverfahrens. Zwei seiner Mitarbeiter sollen mit der beklagten Air Baltic eine Flugreise von Vilnius über Riga und Moskau nach Baku antreten. Der gebuchte Flug von von Riga nach Moskau verspätete sich. Die Reisenden konnten den Anschluss nach Baku nicht erreichen, erhielten eine spätere Verbindung und kamen 14 Stunden später als geplant am Ziel an.

©Shutterstock: Halfpoint

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Die Folge der Flugproblematik: Die gesamte Geschäftsreise der Mitarbeiter dauerte länger als geplant. Nach litauischem Recht hatte der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern deshalb zusätzlich Reisekosten und Sozialversicherungsbeiträge von 338 Euro zu bezahlen. Und um diesen Betrag ging des dem Kläger im Rechtsstreit mit der Airline.

Der Oberste Gerichtshof Litauens setzte das Verfahren aus und legte dem Europäischen Gerichtshof die Frage zur Vorabentscheidung vor. Dieser entschied, dass das Montreal-Abkommen in diesem Fall in Kraft trete. Die Fluggesellschaft haftet in einem solchen Fall also auch für den Schaden des Arbeitgebers. (Art. 19, 22, 29 des Montreal-Übereinkommens)

Die Vorschriften sind nach ihrem Wortlaut, dem Zusammenhang, in dem sie stehen, sowie dem mit dem Übereinkommen verfolgten Ziel des Schutzes der Verbraucherinteressen dahingehend auszulegen, dass sie nicht nur auf den Schaden anzuwenden sind, den ein Reisender erlitten hat. Vielmehr ist auch der Schaden von dem Übereinkommen umfasst, den eine Person in ihrer Eigenschaft als Arbeitgeber erlitten hat, die mit einem Luftfrachtführer einen Vertrag über die internationale Beförderung geschlossen hat, dessen Gegenstand die Beförderung von Reisenden ist, die ihre Arbeitnehmer sind.

Die gesamte Entscheidung finden Sie auf der Homepage des EuGH.