Film ab

©shutterstock: Michail Petrov
Text von: Tobias Kintzel

Der Einsatz von bewegten Bildern gewinnt im Online-Marketing immer mehr an Bedeutung. faktor zeigt auf, was Unternehmen beachten sollten, um mit ihren Videos den erhofften Erfolg zu erzielen.  

Julia Berlin (Foto), Vertriebsleiterin bei Amtek und zuständig für den Raum Deutschland, Österreich, Schweiz

„Wir haben lange überlegt, wie wir unsere Kunden, junge Doktoranden und Laboranten aus dem Elektrochemiebereich, ansprechen können“

– erzählt Julia Berlin (Foto) aus Güntersen bei Adelebsen. Das Unternehmen vertreibt Präzisionsmesstechnik und damit vor allem erklärungsbedürftige Produkte.

„Das war der wesentliche Grund, warum wir uns schließlich entschieden haben, Videos als Unterstützung für unsere Marketing- und Vertriebsaktivitäten zu produzieren und über YouTube online zu verbreiten.“

Im August 2014 erfolgte der Startschuss. Seither haben sich mehr als 10.000 Internetnutzer die bisher entstandenen kurzen Filme angesehen. Diese Reichweite ist ein echter Erfolg, denn die potenzielle Zielgruppe – die Forscher und Studenten in den Laboren – ist überschaubar. „Ich habe auch schon direktes Feedback von Kunden erhalten, die von den Videos begeistert waren und sogar unseren YouTube-Kanal abonniert haben“, sagt Berlin und freut sich über die positive Resonanz.

Auch für andere Unternehmen sind die Voraussetzungen, ähnliche Ergebnisse mit dem Einsatz von bewegten Bildern im Online-Marketing zu erzielen, besser als je zuvor. Laut der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse suchen immer mehr Deutsche zunächst im Internet, wenn sie sich aktiv zu einem Thema informieren wollen – im letzten Jahr waren es schon 66 Prozent. Und für zwei von drei Nutzern gehören dabei Videos wie selbstverständlich zu ihren genutzten Quellen.

Doch wer durch Videos einen tatsächlichen Effekt für sein Marketing erzielen will, muss nicht nur bei der Erstellung wichtige Aspekte beachten, sondern auch für die anschließende Verbreitung. Denn was nutzt ein gut produzierter Film, den keiner finden und sehen kann?

„Die in englischer Sprache produzierten Videos sind als Unterstützung für unsere Distributoren in aller Welt gedacht. Sie sollen die Kundenakquise vereinfachen“

– beschreibt Julia Berlin den Ansatz von Amtek. Da sie selbst in den Videos agiert, schreibt sie auch die Drehbücher. „Ich möchte authentisch wirken, Dinge auf meine Weise erklären.“ Dazu orientiert sie sich an Erfahrungen aus echten Face-to-Face- Vertriebsterminen und den Kundenproblemen, die ihr dort begegnen. Die Videos sind unter anderem dazu gedacht, elektrochemische Fragestellungen zu beantworten. Hier gelingt es Berlin, erklärungsbedürftige Produkte und deren Funktionen so zu präsentieren, dass der Kunde einen Nutzen erkennen und eine Problemlösung herbeiführen kann. Das Konzept funktioniert, weil es der anvisierten Zielgruppe relevanten Inhalt bietet – und damit eine zentrale Formel des Videomarketings beachtet: ‚Content is King‘. Es gilt, aktuelle Themen und Herausforderungen der Zielgruppe sowie deren Nutzenerwartungen zu identifizieren und in Videos aufzunehmen. Nicht nur Erklärfilme für Produkte oder Dienstleistungen, sogenannte Tutorials, stehen hoch in der Gunst der Nutzer. Wirkung erzielen auch Videos, in denen sich Unternehmen einem Thema neutral nähern, eigenes Know-how preisgeben und dem Rezipienten damit einen Lerneffekt bieten. Mit Tipps und Ratschlägen positionieren sie sich als glaubwürdige Experten. Bei der Fokussierung auf den Inhalt eines oder mehrerer Videos dürfen die kommunikativen Ziele der übergeordneten Mar keting strategie nicht aus den Augen verloren werden. Videos sollen schließlich die Botschaften, die über andere Kommunikationskanäle gesendet werden, stützen und ergänzen.

Dabei kommt es nicht nur auf die Länge an.

„Wenn ein Video Erfolg haben soll, muss es den Rezipienten bereits in den ersten Sekunden begeistern und festhalten“

– sagt Tobias Langer, einer der geschäftsführenden Gesellschafter des Göttinger Multimedia-Dienstleisters dluxe media. Julia Berlin gelingt das, in dem sie schon zu Beginn jedes Films aufzeigt, für wen das Video welche Informationen bietet. Um anspruchsvoller werdende Internetnutzer im Business- Umfeld nicht von Anfang an zu verprellen, sind aus Sicht des Multimedia-Experten eine gute und gleichbleibende Bild- sowie Tonqualität unabdingbare Grundlagen. Unternehmen, die zum Start ihrer Videomarketing-Aktivitäten nicht sofort in das notwendige teure Equipment investieren wollen und die kein technisches Know-how haben, können auf Dienstleister zurückgreifen. Berlin berichtet von guten Erfahrungen: „Wir drehen unsere Videos mit Demes Consulting, lassen sie auch dort schneiden.“ Am Ende zählt aber doch die Länge: Da die Aufmerksamkeit der Zuschauer mit fortschreitender Dauer eines Films abnimmt, sollte dieser im Idealfall nach der finalen Bearbeitung zwischen 90 und 120 Sekunden dauern. Tutorials oder Produktvideos können auch länger sein. Droht ein Video mehr als vier Minuten zu dauern, sollte versucht werden, es in logische Blöcke zu teilen und einzelne Videos pro Abschnitt zu produzieren. Jeder Nutzer kann dann die Teile ansehen, die ihn interessieren – ohne lange Wartezeiten.

„Welches Video?“ ist die denkbar schlechteste Reaktion auf die Frage, ob einem potenziellen oder tatsächlichen Kunden ein Video des eigenen Unternehmens gefallen hat. Sie zeigt aber auch, wie wichtig es ist, der Zielgruppe ein produziertes Video zugänglich zu machen. Die Einbindung auf der eigenen Website oder auf dem Unternehmensblog, der Versand von E-Mail-Newslettern und das Posten von Beiträgen in den Social- Media- Kanälen reichen dabei nicht aus. Wer viele Leads generieren, Produkte und Dienstleistungen verkaufen oder an der Marken- und Imagebildung arbeiten will, muss eine möglichst große Reichweite für seine Videos erzielen. Obwohl es viele Online-Portale für die Veröffentlichung von Videos gibt, sollten sich Unternehmen zum Einstieg auf eines konzentrieren: YouTube. Dafür sprechen die Userzahlen, die Funktionen und die enge Verbindung mit Google. Mehr als 21 Millionen Menschen in Deutschland nutzen jeden Monat YouTube, weltweit verzeichnet das Portal am Tag mehr als drei Milliarden Klicks. Es gilt mittlerweile als die zweitgrößte Suchmaschine der Welt. Unternehmen, die dafür sorgen, dass ihr Video von ihrer Zielgruppe gefunden wird, sichern sich eine große Reichweite. Dazu sollten sie ihrem Video zunächst einen aussagekräftigen Titel geben und die Möglichkeit nutzen, ein Transkript der Videoinhalte als Begleittext zu veröffentlichen, der für die Suche und Ergebnisanzeige wichtig ist. Wie sinnvoll es ist, an diesen Stellen sein Wissen über die relevanten Themen der Zielgruppe einzubringen, ist die enge Verbindung zu Google: Die größte Suchmaschine der Welt listet die Ergebnisse seines Tochterunternehmens YouTube regelmäßig weit oben.

Aus Marketingsicht ist zusätzlich interessant, dass fast alle Social-Media-Kanäle die einfache Einbindung von YouTube-Videos ermöglichen: Wem es gelingt, ein begeisterndes Video mit nutzerwerthaltigem Inhalt zu produzieren, kann darauf hoffen, dass es von Nutzern aktiv weiterempfohlen und über soziale Netzwerke aktiv verbreitet wird – das beschert dem Video eine deutlich größere Reichweite.

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