©Luka Gorjup
Text von: Lea van der Pütten

Die beiden Azubis, die seit zwei Jahren im Industrie- und Filmoptik-Unternehmen Schneider-Kreuznach in Göttingen ein- und ausgehen, könnten in ihrer Persönlichkeit kaum unterschiedlicher sein. Und doch haben sich Lisa Schneider und Olga Melnitschuk für ein und denselben Berufsweg entschieden: Feinoptikerin zu werden.

Lisa fällt sofort durch ihre blau gefärbten Haare auf. „Das gefällt mir an handwerklichen Berufen, dass man sich nicht jeden Tag auftakeln muss“, sagt die 22-Jährige zufrieden lachend – obgleich ihr bisheriger Berufsweg nicht gerade einfach war. Denn wie viele andere wusste sie nicht, wohin ihre Reise einmal gehen sollte. Als Kind wollte Lisa Tierärztin oder Meeresbiologin werden – so lange, bis sie eines Tages feststellte, dass man in diesen Berufen auch Tiere aufschneiden muss. Also entschied sie sich nach ihrem Abi zunächst für ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Schule. Jedoch musste sie bald einsehen, dass die tägliche Arbeit mit Kindern auch nicht das Richtige für sie ist. Ähnlich wild ging es dann weiter. „Ich habe mich eigentlich überall kreuz und quer beworben“, erzählt Lisa. „Schneider-Kreuznach war schließlich die einzige Firma, die mich genommen hat.“ Eine glückliche Fügung, denn hier fühlt sie sich heute endlich richtig wohl.

Bei Olga hingegen war schon früh klar, in welche Richtung es gehen soll. Bereits seit ihrer Kindheit übe sie ihre Fingerfertigkeit – beim Nähen, Sticken oder Kneten. „Ich habe mich immer schon für das Handwerk interessiert“, sagt Olga lächelnd und berichtet, wie sie bei der Recherche im Internet in kürzester Zeit den Beruf der Feinoptikerin für sich entdeckte – eine Ausbildung, die man grundsätzlich in zwei verschiedenen Bereichen machen kann: in der Industrie und im Handwerk. Olga entschied sich für das Handwerk. Hier kommt der 19-Jährigen nun tagtäglich ihre Leidenschaft zugute.

Denn bei Schneider-Kreuznach lernen die beiden Auszubildenden, Bauelemente aus Glas herzustellen und zu montieren – zum Beispiel Linsen, Prismen, Spiegel und Filter für optische Geräte wie Foto-, Film-, oder Kinoobjektive. Im ersten Lehrjahr wurden ihnen dafür in der firmeneigenen Ausbildungswerkstatt die Grundfertigkeiten beigebracht, unter anderem das Polieren und Läppen an der Trittbank. „Läppen ist im Prinzip das Schleifen von Glas“, erklärt Olga. „Dabei wird das Glas präzise auf einer sich schnell drehenden Platte bewegt, auf der sich ein Gemisch von Wasser und Sand befindet, das die Abreibung erzeugt.“ Dafür brauche man ein gutes Auge, geschickte Hände und Geduld. Denn sorgfältig zu arbeiten, hat in diesem Beruf oberste Priorität. Außerdem sind neben guten Noten in den Fächern Mathematik, Werken und Technik ein technisches Verständnis sowie ein ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen von Vorteil.

Alle sechs bis acht Wochen besuchen die Azubis für je zwei Wochen auch noch die BBS II in Göttingen. Dort erarbeiten sie die Theorie hinter der Praxis, müssen Definitionen lernen sowie das Funktionieren der Maschinen, mit denen sie es im beruflichen Alltag zu tun haben.

Während ihrem zweiten und dritten Lehrjahr wird es dann ernst: Lisa und Olga durchlaufen die einzelnen, verschiedenen Abteilungen im Unternehmen und fertigen als Vorbereitung auf ihre Abschlussprüfung selbstständig eigene Linsen, Prismen und Würfel an. Und damit steht ihrem gemeinsamen Ziel, Profi in Sachen Optik zu werden, dann auch nichts mehr im Weg.

Blick in die Zukunft: 3D-Druck in der Glastechnik

In den nächsten Jahren werden sich die Handlungsfelder der additiven Fertigung (3D-Druck) vervielfachen und auch die Glastechnik erobern. 3D-Druck ermöglicht die Herstellung dreidimensionaler Objekte auf der Grundlage digitaler Informationen durch das schichtweise Auftragen von Materialien. Angewendet werden könnten additiv hergestellte Glasprodukte z. B. in der Datentechnik, Optik oder in der biologischen und medizinischen Technik. Um für diese Entwicklung gerüstet zu sein, müssen sich Fachkräfte mit der neuen Technik vertraut machen.

Ausbildungsgehalt

1. Lehrjahr: 600-750 Euro
2. Lehrjahr: 650-850 Euro
3. Lehrjahr: 800-1.000 Euro
4. Lehrjahr: 950-1.050 Euro
Einstiegsgehalt: 1.400-2.500 Euro (brutto)