©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Lea van der Pütten

Mit Fingerfertigkeit und der Leidenschaft für Zahlen hat Melanie Hille durch eine Ausbildung zur Feinoptikerin ihren Traumjob gefunden.

Bei Feinoptik denken viele zunächst nur an Brillen und Kontaktlinsen. Doch sie liegen schwer daneben, wie Melanie Hille erzählt, die gerade frisch ihre Ausbildung zur Feinoptikerin bei Qioptiq abgeschlossen hat.

Das Unternehmen aus Göttingen, das seit einigen Jahren zur Excelitas-Gruppe gehört, entwickelt und produziert optische Komponenten und Systeme, die in einer Vielzahl von Anwendungen und Märkten – wie zum Beispiel in der Medizintechnik, der Luft- und Raumfahrt sowie in Forschung und Entwicklung – zum Einsatz kommen. Das Unternehmen liefert dafür Lösungen in den Bereichen Beleuchtung, Detektion und anderen Hochleistungstechnologien. Mit Kassengestellen zum Nulltarif hat das wirklich nichts zu tun. „Wir machen hier hauptsächlich Planoptik“, erklärt Melanie. „Dazu zählen alle Gegenstände, die eben, also gerade sind – wie Glasplatten oder Prismen.“ Anders als Linsen weisen die Glasflächen in der Planoptik keine Krümmung auf. Die entstehenden Komponenten werden dann unter anderem in sehr komplexe Module eingebaut, die in der Halbleiterindustrie in Maschinen eingesetzt werden, um Chips zum Beispiel für Computer oder Handys herzustellen.

Die Ausbildung zum Feinoptiker kann entweder in einem handwerklichen oder in einem industriellen Betrieb absolviert werden. Dort lernen die Azubis dann alles rund um das Thema Glasverarbeitung. Diese umfasst neben der Planoptik zum Beispiel auch das Fertigen von Linsen für Fernrohre, Mikroskope oder Teleskope. Die Auszubildenden sollen ein Gespür dafür bekommen, welches Glas für bestimmte Objektive benötigt wird. Die einzelnen Objektive, Prismen oder andere Komponenten werden häufig mithilfe bestimmter Maschinen hergestellt. Diese zu bedienen, ist ebenfalls ein Teil der Ausbildung. Dennoch wird nach wie vor viel in Handarbeit gefertigt, wie Melanie berichtet. Das erfordert Fingerfertigkeit!

Melanies Ausbildung bei Qioptiq fand in Kooperation mit dem benachbarten Unternehmen ZEISS statt, das über eine eigene Lehrwerkstatt verfügt. Der Technologiekonzern entwickelt, produziert und vertreibt unter anderem Mikroskope, Brillengläser sowie Foto- und Filmobjektive. Dabei handelt es sich wieder um ganz andere Komponenten, vor allem um Radien, berichtet die 21-Jährige. „Die Kombination der beiden Unternehmen ist gut, weil man so in einer Ausbildung schon viele verschiedene Aspekte der Feinoptik mitnehmen kann.“

Überhaupt sei ihre Ausbildungszeit von Beginn an spannend gewesen. „Gleich an meinem allerersten Tag stand eine Azubireise auf dem Programm“, erzählt sie. „Gemeinsam sind wir nach Jena gefahren, um das dortige ZEISS-Planetarium zu besuchen. Und es ging genauso interessant weiter.“

In ihrem ersten Lehrjahr hat sie bei ZEISS die Grundtechniken, wie zum Beispiel das Läppen, kennengelernt. „Läppen ist das Schleifen von Glas“, erklärt Melanie. „Das kann man sich vorstellen wie flüssiges Schleifpapier.“ Mit einem in Wasser gelösten Korn werden dabei die Glaskomponenten in Form gebracht. Die Azubis beginnen zunächst mit dem Fertigen von Würfeln und gehen später zu schwierigeren Sachen wie Prismen, Linsen oder Platten über. „Die Platten sind schon schwierig, weil sie größer sind und schwerer zu polieren. Hier muss man bis auf das Tausendstel genau arbeiten.“ Das erfordere auch schon mal körperliche Anstrengung, aber vor allem Fingerfertigkeit. Auch einige Kenntnisse, über die man bereits aus der Schulzeit verfügt und die man nützlich einbringen kann, sind in der Ausbildung zum Feinoptiker gefragt.

„Mathe und Physik brauche ich schon recht häufig, beispielweise für die Winkelmessung“, berichtet Melanie und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Aber man kommt eigentlich auch ohne Vorwissen ganz gut mit.“ Die theoretischen Grundlagen für die Fertigung lernte sie in der Berufsschule in Wetzlar. Gemeinsam mit den anderen Azubis fuhr sie alle vier bis sechs Wochen für jeweils 14 Tage zum Blockunterricht. Hier wohnten sie in einem Haus in kleinen WG-Einheiten zusammen.

Eine tolle Zeit, die nun aber vorbei ist. Denn seit August des vergangenen Jahres müssen die Auszubildenden für den Lehrstoff nun nicht mehr nach Wetzlar fahren, sondern besuchen die BBS II in Göttingen. Dadurch kehrt übrigens nach sieben Jahren eine der regionalen Feinoptik-Tradition entsprechende Ausbildungskompetenz wieder nach Göttingen zurück.

In ihrem zweiten Lehrjahr wechselte Melanie dann zu ihrem eigentlichen Ausbildungsbetrieb Qioptiq. Dort durchlief sie bis zum Ende alle 15 bis 16 Abteilungen und lernte so das gesamte Unternehmen und die internen Abläufe kennen. Zu ihren Aufgaben gehörten unter anderem das Vorbereiten von Heizplatten und Maschinen, das selbstständige Läppen von Gläsern und das Polieren der fertigen Komponenten.

Inzwischen hat Melanie ihre Abschlussprüfung erfolgreich hinter sich gebracht. Sie wurde bei Qioptiq übernommen und arbeitet jetzt als Fachkraft im Unternehmen. „Meine Ausbildung“, sagt sie zufrieden, „würde ich allen, die sich für die Optik, Zahlen und etwas Handwerk interessieren, unbedingt weiterempfehlen.“

Ausbildungsgehalt
1. Lehrjahr: 600 – 750 Euro
2. Lehrjahr: 650 – 850 Euro
3. Lehrjahr: 800 – 1.000 Euro
4. Lehrjahr: 950 – 1.050 Euro
Einstiegsgehalt: 1.400 – 2.500 Euro (brutto)