faktor-Kandidatencheck

Text von: redaktion

Die drei Kandidaten - Bernhard Reuter, Dinah Stollwerck-Bauer und Christel Wemheuer - für die Landratswahl im Landkreis Göttingen am 11. September 2011 standen Rede und Antwort.

Ich möchte Landrat des Landkreises Göttingen werden, weil …

Bernhard Reuter: …der Landkreis oft Bremsklotz für eine Zusammenarbeit in der Region war. Das will ich ändern. Die gemeinsamen Probleme in der Region werden wir nur lösen, wenn Göttingen in Südniedersachsen eine Führungsrolle übernimmt und sich in Hannover und Berlin für unsere Region stark macht. Außerdem habe ich lange und gern in Göttingen gelebt und gearbeitet und freue mich auf eine mögliche Rückkehr.

Dinah Stollwerck-Bauer: …dieses Amt für mich Verantwortung, Herausforderung und Chance in einem verkörpert. Der Landkreis Göttingen im Herzen Deutschland mit seiner einzigartigen Vielfalt ist etwas besonderes und ich möchte meine ganze Kraft dafür einsetzen, mit den Menschen hier gemeinsam unseren Landkreis weiter nach vorne zu bringen.

Christel Wemheuer: …mir die nachhaltige Entwicklung des Landkreises in der Region Göttingen sehr am Herzen liegt. Ich möchte als Landrätin bei der Gestaltung der Zukunft unseres Landkreises Verantwortung übernehmen und freue mich darauf, einen Beitrag für mehr Chancengleichheit, für die Schaffung und den Erhalt lebenswerter Verhältnisse leisten zu können. Klimaschutz und der Erhalt intakter Naturräume sind für mich vorrangige Aufgaben.

Das wichtigste Projekt meiner Amtszeit wird …

Bernhard Reuter: …es sein, den „Reinhäuser Graben“ zuzuschütten. Zwischen Stadt und Landkreis Göttingen gibt es viel zu große Reibungsverluste. Das Gegeneinander lähmt Politik und Verwaltung in wichtigen Bereichen. Ich bin sicher, dass ich als Landrat zusammen mit Oberbürgermeister Wolfgang Meyer ein besseres Miteinander zwischen Landkreis und Stadt etablieren kann – zum Wohle der gesamten Region.

Dinah Stollwerck-Bauer: …sein, Chancen zu erkennen, Ideen zu entwickeln und damit Zukunft zu gestalten, denn wir stehen vor vielen Herausforderungen: demografischer Wandel, Energiewende, Stärkung der heimischen Wirtschaft, bessere Vernetzung der Bildungslandschaft, Einbindung von Menschen, die unsere Unterstützung benötigen, Sicherung der Lebensbedingungen im ländlichen Raum, Gesundheitsregion, Finanzen usw.

Christel Wemheuer: …unsere Strukturen stärker auf die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen anzupassen, um die Handlungsfähigkeit zu verbessern. Mein Ziel ist es, im Landkreis Göttingen die Energieversorgung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien umzustellen. Unsere Region hat das Potenzial, in Sachen Klima- und Ressourcenschutz eine führende Position einzunehmen und zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, den demografischen Wandel zu bewältigen?

Bernhard Reuter: Bis 2031 wird der Landkreis – ohne die Stadt Göttingen – 24 000 Einwohner verlieren. Den demografischen Wandel zu bewältigen, heißt ihn zu gestalten. Dazu brauchen wir eine Gesamtstrategie. Diese muss der Landkreis gemeinsam mit den Städten und Gemeinden entwickeln. Sie muss optimale Rahmenbedingungen für Beschäftigung, gute Bildung und ein attraktives Lebensumfeld schaffen.

Dinah Stollwerck-Bauer: Wir müssen lernen, den demografischen Wandel nicht als Bedrohung, sondern als Chance zu verstehen und neue Ideen und Formen der Zusammenarbeit zuzulassen. Das Zusammenspiel zwischen Alt und Jung wird immer wichtiger. Familienpolitik, neue Formen der Gesundheitsversorgung, generationenübergreifende Nutzung des Internets, sinnvolle Gestaltung von Bauleitplanung, etc., das sind hierfür wichtige Bausteine.

Christel Wemheuer: Im Rahmen des EU-Förderprogramms LEADER sind gemein¬sam mit wichtigen Akteuren aus der Region bereits wesentliche Entwicklungsziele formuliert und Maßnahmen beschrieben worden. Die Förderung des ehrenamtlichen Engagements bildet für mich den strategischen Ansatz. Meine Erfahrungen als Vorsitzende der LEADER-Aktionsgruppe bei der Umsetzung der vielfältigen Projekte und insbesondere in den Bioenergiedörfern, stimmen mich in dieser Hinsicht sehr hoffnungsvoll. In den Dörfern ruht ein enormes Potenzial, das durch eine stärkere Einbeziehung und Mitwirkung der Menschen in die lokalen Gestaltungsprozesse freigesetzt werden kann.

Mit welchen Maßnahmen wollen Sie dem Fachkräftemangel entgegenwirken?

Bernhard Reuter: Bei den weniger werdenden Kindern sollte möglichst jeder Schüler die Schule mit einem qualifizierten Abschluss und klarer Berufsperspektive verlassen. Außerdem müssen wir die Hochschulabsolventen in unserer Region halten. Mit der Bildungsregion Göttingen des Regionalverbandes und der Fachkräftekonferenz der IHK sind gute Ansätze vorhanden. Diese will ich als Landrat vernetzten und ausbauen.

Dinah Stollwerck-Bauer: Wir müssen Bildungs- sowie Arbeitsmarktpolitik und damit auch die Bewältigung des Fachkräftemangels mehr dahingehend verstehen, Übergänge, z.B. von der Schule in die Ausbildung, zu optimieren. Sowohl die Wirtschaft als auch die Wissenschaft will ich einbeziehen, um den jungen Menschen frühzeitig Möglichkeiten aufzuzeigen oder andere entsprechend zu qualifizieren.

Christel Wemheuer: Grundlage einer Strategie und von konkreten Maßnahmen muss eine qualifizierte Ana¬lyse und Prognose der Fachkräftesituation sein. Als Landrätin werde ich mich da¬für einsetzen, dass die Fachkräftekonferenz Südniedersach¬sen sich als Forum verfestigt, mit den Akteuren Maßnahmen identifiziert und ihre Umsetzung unterstützt.

Der Landkreis Göttingen ist…

Bernhard Reuter: …ein attraktiver Standort zum Leben und Arbeiten, der sein großes Potential noch viel besser nutzen könnte. Dazu benötigen wir mehr Miteinander mit den Gemeinden und der Stadt Göttingen. Das kreative Potential vieler aktiver Menschen könnte wirksamer genutzt werden, wenn sie mehr Unterstützung durch den Landkreis erführen.

Dinah Stollwerck-Bauer: …mein Zuhause und ich möchte ihn stets an Nummer 1 in der Mitte Deutschlands sehen.

Christel Wemheuer: Eine Region mit großem Potenzial im Herzen Europas, einer der schönsten Naturräume in Deutschland, in punkto Naherholung gut aufgestellt, durch Vielfalt in der Region immer interessant und einen Besuch wert, zukunftsorientiert zu gestalten.

Wie kann die Energiewende in Göttingen erreicht werden?

Bernhard Reuter: Durch mehr Energieeffizienz können wir den Verbrauch senken. Die Energieagentur Region Göttingen leistet dafür eine unverzichtbare und gute Arbeit. Außerdem sollten die Erneuerbaren Energien ausgebaut werden. Die Bioenergiedörfer im Landkreis sind ein wirksamer Ansatz, den ich weiterentwickeln möchte. Wichtig ist mir dabei, dass die Bürger mitgenommen und beteiligt werden.

Dinah Stollwerck-Bauer: Mit einem Gesamtkonzept, das einen Energiemix zum Inhalt hat. Ich möchte die Bevölkerung einbeziehen. Die Menschen wollen die Energiewende, haben aber auch Ängste und Sorgen, wenn es z.B. darum geht, Windenergie vor der Haustür zu haben. Formen wie die Bioenergiedörfer können Beteiligungsmöglichkeiten schaffen und Mitgestaltung zulassen. Nur mit gemeinsamer Kraft ist die Energiewende möglich.

Christel Wemheuer: Indem die bisherigen Aktivitäten gebündelt und erheblich ausgeweitet werden. Wir brauchen einen Masterplan, damit der Landkreis Göttingen bis 2040 zur 100 Prozent erneuerbare Energie Region wird. Die Energieagentur Region Göttingen muss hier eine federführende Rolle einnehmen, daran arbeite ich schon jetzt als deren Vorsitzende. Das Konzept einer gemeinschaftlichen Energieanlage, wie es in den fünf Bioenergiedörfern erfolgreich von den Bürgerinnen und Bürgern umgesetzt wird, ist für mich ein viel versprechenden Modell auch für den Bau und Betrieb von Windkraft- und Solaranlagen.

In welcher Organisationsform sehen Sie die Region zukünftig gut aufgestellt?

Bernhard Reuter: Klar ist, dass wir wegen des Einwohnerrückganges mehr Zusammenarbeit benötigen. Welches die dazu richtige Organisationsform ist, wird ein Gutachten zeigen, das die südniedersächsischen Landkreise und die Stadt Göttingen in Auftrag gegeben haben. Eine Reform muss sich positiv für Menschen und Kommunen in der Region auswirken. Ich will sie mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutieren und entscheiden.

Dinah Stollwerck-Bauer: Der Landkreis muss die sinnvolle Zusammenarbeit mit und zwischen Städten und Gemeinden sowie über Kreisgrenzen hinaus verstärken bzw. ermöglichen. Hier steckt noch viel Potential. Bei Zusammenlegungen von Kreisen habe ich Zweifel. Wer von großen Einheiten träumt, der offenbart für mich doch eher staatliche Lenkungsphantasien als ein Gespür für das Empfinden der Menschen vor Ort und für Bürgernähe.

Christel Wemheuer: Ich bin davon überzeugt, dass angesichts der Folgen des demografischen Wandels neue Formen der regionalen Kooperationen und effizientere Verwaltungsstrukturen dringend notwendig sind für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und die nachhaltige Zukunftsfähigkeit der Region Göttingen. Wichtig ist mir, dass die Entscheidungen zur Änderung der bisherigen Kommunalstrukturen transparent und unter größstmöglicher Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger stattfinden.

Warum sollten Entscheider Sie wählen?

Bernhard Reuter: Weil die Entscheider in mir einen Partner haben, der ihnen zuhört und mit ihnen gemeinsam für eine gute Zukunft unserer Region arbeitet. Und weil ich bewiesen habe, dass ich eine große Verwaltung führen kann und als Vorsitzender des Niedersächsischen und Vizepräsident des Deutschen Landkreistages über ein breites Netzwerk verfüge, dass ich für den Landkreis Göttingen einsetzen werde.

Dinah Stollwerck-Bauer: Weil es mir genau darum gehen wird, die Entscheider einzubinden. Ich möchte einen Leitbildprozess für den gesamten Landkreis anregen, der Menschen einbezieht und sie mitentscheiden lässt. Da sind gerade die Entscheider wertvolle Partner, denn von ihnen erwarte ich, dass sie die gleiche Bereitschaft haben wie ich: den Landkreis zu entwickeln, zu stärken und nach vorne zu bringen.

Christel Wemheuer: Ich stehe als Grüne für klare politische Werte. Mein Ziel ist es, diese Werte zum Leitbild einer ehrlichen, verlässlichen Politik zu machen. Als Dezernentin für die Bereiche Bauen, Umwelt, Ordnung und Verkehr hatte ich in den letzten Jahren bereits die Verantwortung für eine Vielzahl von praxisrelevanten Entscheidungen. Ich glaube, dass es mir auch bei kontrovers diskutierten Themen gelungen ist, eine sachgerechte Abwägung zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger unseres Landkreises zu gewährleisten.