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Text von: redaktion

Die Exzellenzinitiative hat die Göttinger Georg-August-Universität in den Mittelpunkt gebracht. faktor zeigt, wie mit diesem neuen Schwung aus der Georgia Augusta eine internationale Spitzenhochschule entstehen könnte.

Vor einem Dreivierteljahr landete die Universität Göttingen mit ihrem Zukunftskonzept bei der Exzellenzinitiative einen vollen Erfolg. Was hat sich seitdem an der Georgia Augusta getan? Welchen Herausforderungen muss sich die Universität stellen, um für die Zukunft aufgestellt zu sein? Diesen Fragen ist faktor auf den Grund

gegangen.

In den nächsten fünf Jahren und womöglich noch darüber hinaus, wird ein ungewohnter Geldsegen an die Göttinger Universität fließen – um die 70 Millionen Euro werden es bis 2012 wahrscheinlich sein. „Göttingen: Tradition – Innovation – Autonomie“, so lautet der Name des Zukunftskonzeptes, das die Universität Göttingen mit den Geldern aus der Exzellenzinitiative nun verwirklichen kann. Mit der Umsetzung des Konzeptes, das sich auf vier zentrale Säulen stützt, wurde bereits begonnen. „Wir liegen mit allen vier Maßnahmen des Zukunftskonzeptes im Zeitplan“, informiert Universitätspräsident Kurt von Figura.

Im Bereich „Brain Gain“, wo es um die Gewinnung hochkarätiger Nachwuchswissenschaftler geht, seien die fünf geplanten Courant-Forschungszentren inzwischen eingerichtet. Die Forschernachwuchsgruppen werden im Sommer folgen. Im Lichtenbergkolleg, das in der Historischen Sternwarte beheimatet sein wird, finden seit Anfang des Jahres Seminare und Kolloquien statt. „Die Position des Direktors wird zurzeit besetzt“, so der Präsident. Bei der Maßnahme „Göttingen International“ seien die Auslandsrepräsentanzen der Universität im chinesischen Nanjing und im südkoreanischen Seoul aufgebaut, die in Pune in Indien folge in Kürze. Die Maßnahme „Brain Sustain“ schließlich soll Spitzenforscher an die Universität binden. „In dieser Maßnahme sind die ersten zehn Freistellungen von der Lehre für Spitzenforscher ausgesprochen“, erklärt von Figura.

Mit der Millionenfinanzspritze von Bund und Ländern wird sich in den kommenden Jahren an der Göttinger Universität gerade in punkto Spitzenforschung weiterhin Einiges bewegen. Dennoch könnte die finanzielle Situation der Universität besser aussehen. In den vergangenen Jahren trafen einschneidende Kürzungen den Hochschulhaushalt. So hat das Land Niedersachsen seit 1995 seine Mittel um über 15 Prozent des Gesamtbudgets der Universität abgesenkt. Kurt von Figura wünscht sich am Gesamthaushalt der Universität gemessen ein „zweibis dreifaches der jetzigen Mittel“, um bessere Bedingungen für Forschung und Lehre zu ermöglichen. Auch eine zweite Runde der Exzellenzinitiative nach Ablauf der ersten fünf Förderjahre hält er für „unbedingt notwendig“.

Neben der staatlichen Förderung fasst die Universität seit einiger Zeit auch andere Wege der Finanzierung ins Auge. Langfristig gesehen könnten sich hier Möglichkeiten auftun, unabhängiger von der staatlichen Förderung zu agieren. Seit 2003, dem Jahr, als die Georg-August- Universität in die Trägerschaft einer Stiftung wechselte, besteht die Stabsstelle Fundraising auf der universitären Ebene. In den ersten fünf Jahren hat sich bereits ein beachtenswerter Erfolg eingestellt. „Von 2003, dem ersten Jahr des professionellen Fundraisings, konnten wir die eingeworbene Summe von rund 80.000 Euro auf 3,5 Millionen Euro Ende 2007 steigern“, sagt Doris Lemmermöhle, Vizepräsidentin der Georg-August-Universität. In diesem Jahr ist die gleiche Summe bereits erreicht. „Unser Ziel ist es, bis zum Jahr 2010 auf zehn Millionen Euro jährlich zu kommen“, hofft die Vizepräsidentin.

Unter den privaten Geldern findet sich alles von der Kleinstspende für die Renovierung des Karzers, dem ehemaligen Studentengefängnis, bis hin zu einer Zustiftung für die Palliativmedizin von über zwei Millionen Euro. „Ein Projekt, für das gegenwärtig Gelder eingeworben werden, ist zum Beispiel das ‚Deutsche Zentrum für MS im Kindes- und Jugendalter’ der Göttinger Universitätsmedizin“, so Lemmermöhle. Gegenwärtig plane das Fundraising in Zusammenarbeit mit Banken außerdem, einen Bildungsfonds einzurichten. „Die Rendite der Anleger in diesem Bildungsfonds soll der Universität zukommen“, erklärt sie.

Die Zukunft des Fundraisings an deutschen Hochschulen beschreibt Lemmermöhle als einen langfristigen Prozess: „Es wird sicherlich drei Generationen dauern, bis deutsche Universitäten mittels Fundraising auch nur annähernd über ähnliche Summen verfügen können, wie dies etwa heute an amerikanischen Universitäten der Fall ist.“ Für besonders wichtig hält sie es, „dass wir als Universität hervorragend sind und selbstverständlich unsere Alumni pfleglich behandeln“.

Es sind gerade die Ehemaligen einer Universität, die Alumni, die den Hochschulen zusätzliche Einnahmen bescheren können. Viele der Exmatrikulierten wollen ihrer Alma Mater etwas Gutes tun. Hier lohnt sich ein Blick über den „Großen Teich“: Die Universität von Minnesota etwa erhielt im vergangenen Jahr von 50.000 Alumni insgesamt 83 Millionen Dollar (ca. 53 Millionen Euro).

An deutschen Hochschulen hingegen ist die zarte Pflanze Alumni in den vergangenen Jahrzehnten vernachlässigt worden. „Der Massenbetrieb an deutschen Universitäten hat zu einer Entfremdung zwischen den Studierenden und ihrer Universität geführt“, meint Präsident Kurt von Figura. Die Universität bleibe für viele Studierende anonym. Mittlerweile wird in Göttingen jedoch mit Nachdruck daran gearbeitet, das Alumni-Netzwerk zu stärken. So wird es im September dieses Jahres zum Beispiel ein großes „International Alumni Homecoming“ in Göttingen geben. Als prominenter Festredner und ehemaliger Alumnus der Georgia Augusta wird der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder sprechen.

Bernd Hackstette, Alumni-Referent der Georgia Augusta, freut sich über einen spürbaren Zulauf der Ehemaligen. 3.000 Fördermitglieder hat der Göttinger Alumni- Verein derzeit, etwa 650 davon leben im Ausland. Zusätzlich steht die Universität Göttingen über das Alumni-Internetportal mit mehr als 7.000 ausländischen Ehemaligen in Verbindung. Vor allem die Medienpräsenz der Universität führe zu steigenden Mitgliederzahlen, so Hackstette. „Unsere Absolventen sind stolz darauf, dass der eigenen Alma Mater in der Exzellenzinitiative ein herausragendes wissenschaftliches Potenzial bescheinigt wurde“, erklärt Hackstette.

Ob die deutschen Alumni langfristig gesehen mit gleichem Enthusiasmus ihren einstigen Ausbildungsstätten unter die Arme greifen werden wie die amerikanischen Absolventen, ist schwerlich voraussagbar. Hackstette gibt auf alle Fälle die Marschrichtung vor: „Die Mitglieder der internationalen Alumni-Vereinigung sind aufgefordert, sich aktiv in die weitere Entwicklung der Georgia Augusta einzubringen – mit ihren Erfahrungen aus der Berufswelt und ihren Kontakten in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.“

Gemeinsam mit Alumni im Ausland will die Uni Göttingen an Fördergelder rankommen.

Einen wichtigen Schritt in diese Richtung könnten die vier Auslandsrepräsentanzen darstellen, die die Universität noch in diesem Jahr im chinesischen Nanjing, in Seoul, im indischen Pune und in Berkeley in Kalifornien eröffnen wird. Über die Auslandsbüros sollen sowohl ausländische Studierende angeworben werden als auch Wissenschaftler aus dem Ausland für einen Forschungsaufenthalt in Göttingen gewonnen werden. Um dies zu erreichen, setzt die Universität wiederum auf Alumni-Netzwerke. Geplant ist, die Außenstellen, wo immer dies möglich ist, nach ihrem Aufbau komplett den Alumni am Ort zu übergeben. Am schnellsten wird dies vermutlich in Seoul machbar sein, wo sich derzeit 300 Ehemalige der Georgia Augusta vernetzt haben.

„Es ist wahrscheinlich, dass sich aus der Zusammenarbeit mit den Alumni das ein oder andere Projekt entwickelt“, davon geht Uwe Muuss, Leiter der Stabsstelle Göttingen International, aus. „Die Ehemaligen sind in den unterschiedlichsten Institutionen wie Ministerien und Konzernen beschäftigt“, sagt er, „gemeinsam lässt es sich an Fördergelder rankommen.“ Mit den Auslandsrepräsentanzen bietet sich der Universität somit die Chance, von den asiatischen Wachstumsmärkten zu profitieren.

In diese Richtung zielt auch eine geplante Stiftungsprofessur für Ostasienwissenschaften und China, die demnächst besetzt werden soll. Das Besondere daran: Die Professur wird in den ersten fünf Jahren von der Wirtschaft getragen. Die in Einbeck ansässige KWS Saat AG, die Sparkasse Göttingen, die Norddeutsche Landesbank, die Sievert AG aus Osnabrück und das Verpackungsunternehmen Thimm aus Northeim stellen die Drittmittel.

Neben Forschungsarbeiten wird sich die neue Professur auch der Ausbildung von Führungskräften in Wirtschaft und Wissenschaft widmen und sie fit machen für ihr Auftreten in Asien. Zum Wintersemester 2009/2010 soll der Bachelor- Studiengang „Modern Chinese Studies“ mit 20 Studierenden an den Start gehen. Ein Master-Studiengang und ein deutschchinesisches Graduiertenkolleg sollen folgen.

Der Erfolg bei der Exzellenzinitiative bringt der Göttinger Universität neben der staatlichen Förderung nicht zuletzt einen Imagegewinn ein. Das Gleiche gilt für die in Göttingen ansässigen Unternehmen. So meint etwa Joachim Kreuzburg, Vorstandsvorsitzender der Sartorius AG, „dass sich der Imagegewinn der Universität generell positiv auf die Stadt Göttingen und die hier ansässigen Unternehmen auswirken wird“. Eine starke Universität sei attraktiv für Hochschullehrer und Studierende aus dem In- und Ausland, schaffe damit direkt und indirekt Arbeitsplätze und belebe die Stadt in vielfältiger Weise. Allerdings weise das Fächerspektrum der Universität „nur eine sehr begrenzte Passung zu den Arbeitsgebieten von Sartorius und denen der anderen größeren Unternehmen aus Göttingen und der Region“ auf, bedauert er. Daher profitiere man insbesondere auf der Imageebene von der Auszeichnung.

Thomas Keidel, Geschäftsführer des Messtechnikunternehmens Mahr, sieht es ähnlich: „Durch die Exzellenzinitiative bekommt die Universität Göttingen in Deutschland einen höheren Stellenwert.“ Das werte mittelfristig den Standort Göttingen auf, weil bessere Professoren und Studierende an die Hochschule kämen. Aus seiner Sicht muss die Universität in Zukunft aber „mehr an die Wirtschaft ran, um Drittmittel einzuwerben“. Er wünscht sich einen näheren Kontakt zur Göttinger Universität, der zu anderen Hochschulen, wie etwa der TU Stuttgart, schon bestehe.

Ebenso arbeitet die Firma Trinos Vakuum- Systeme als Maschinenbauunternehmen nur in Randbereichen mit der Göttinger Universität zusammen. Geschäftsführer Peter Spreitz hofft aber, dass der Imagegewinn der Universität auf das Unternehmen abstrahle. „Langfristig profitieren wir wahrscheinlich.“