Exzellent seit 1737

Text von: Claudia Krell

Seit 275 Jahren prägt die Universität Göttingen Bevölkerung und Erscheinungsbild der Stadt.

Hinweis: Beachten Sie auch denfaktor-Linkmit weiteren Informationen zum Thema aus unserer Frühjahrs-Ausgabe 2012.

275 Jahre alt wird die Georg-August-Universität in diesem Jahr. 1737 markierte die offizielle Inauguration einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte Göttingens, beide sind seitdem untrennbar miteinander verbunden. Mit über 24.000 Studenten in 2011 und etwa 11.000 Beschäftigten (2010, ohne Hilfskräfte) ist die Universität ein entscheidender Wirtschaftsfaktor der Region – als Arbeitgeber, als Auftraggeber und als Anziehungspunkt für junge Menschen. Die Grundvoraussetzungen dafür und für die Auszeichnung als Exzellenzuniversität wurden schon in der Anfangszeit der Georgia Augusta gelegt.

Vor allem aus wirtschaftlicher Sicht war die Universitätsgründung entscheidend für Göttingen. „Man kann wohl ohne Übertreibung sagen, dass kein Ereignis die Entwicklung Göttingens in neuerer Zeit so tiefgreifend beeinflusst hat wie die Gründung der Universität“, heißt es in einem Abriss zur Stadtgeschichte des Stadtarchivs. Zwar erlebte Göttingen schon im 18. Jahrhundert nach schwierigen Jahren einen langsamen wirtschaftlichen Aufschwung. Das war Unternehmern wie dem Tuchfabrikanten Johann Heinrich Grätzel zu verdanken, der in der Region die vorindustrielle Manufaktur einführte. 1732 fiel die Entscheidung, Göttingen zur Universitätsstadt des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg zu machen. Namensgeber Georg August, Kurfürst und in Personalunion als Georg II., König von Großbritannien und Irland, beschloss, hier eine Landesuniversität zu errichten. Staatsminister Gerlach Adolph Freiherr von Münchhausen, treibende Kraft und auch erster Kurator, holte nicht nur berühmte Gelehrte nach Göttingen, sondern prägte auch schnell das Erscheinungsbild der Stadt. Um das Klientel des adligen und besser gestellten Nachwuchses sowie die exzellenten Professoren anzusprechen, sorgte er sich um das kulturelle Angebot: So entstanden früh Reitstall und Reitbahn, eine gehobene Wohn- und Logierstätte (heute Michaelishaus) und eine Fechthalle, aber auch wissenschaftliche Einrichtungen wie der Botanische Garten (1740; Abbildung Seite 72) oder das Accouchierhaus mit der ersten Frauenklinik Deutschlands (1751).

1734, im Jahr der ersten Vorlesung, begann außerdem der Aufbau der Universitätsbibliothek. Die Paulinerkirche, bereits um 1300 als Kloster errichtet, gilt darum mit dem angeschlossenen Kollegiengebäude (heute Eingang Lichtenberghof) als Keimzelle der Universität. Bereits hier zeigte sich der für Göttingen so entscheidende liberale Charakter: Als eine der ersten Bibliotheken war sie auch für Studenten zugänglich. Göttingen, das sollte eine Universität der Aufklärung sein. Eine der größten Errungenschaften war die Einschränkung des Aufsichtsrechts der theologischen Fakultät und damit die Grundzüge von Wissenschaftsfreiheit. Schon in seiner Festrede zum 50. Jubiläum der Universität soll Christian Gottlob Heyne gesagt haben: „Durch sie allein und durch nichts anderes ist Göttingen zu so großer Würde und derartigem Ansehen erhoben worden, hat anderen Universitäten und Ländern die Fackel vorangetragen und war für die Wandlungen der Wissenschaften, die wir in den letzten Jahren beobachtet haben, von großer Bedeutung.“ Diese liberale Gesinnung war es auch, die sich 1837 mit den Göttinger Sieben manifestierte. Wilhelm Eduard Albrecht, Friedrich Christoph Dahlmann, Georg Heinrich August Ewald, Georg Gottfried Gervinus, Jakob und Wilhelm Grimm sowie Wilhelm Weber beschuldigten König Ernst August I. des Verfassungsbruchs.

Bis in die Moderne hinein spielen die bei ihrer Gründung verankerten Überzeugungen eine wichtige Rolle für die Universität und ihre verbundenen Einrichtungen. Sie spiegeln sich z.B. in der Arbeit der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen wider, die Wissen wahrt und für die Zukunft aufbereitet (siehe S. 76).