Expertenmeinungen zur E-Mobilität

Jörn Kater ©Marco Bühl
Text von: redaktion

Elektroautos ja, nein? Das heiß diskutierte Thema wurde beim Mobilitätsabend des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft Südniedersachsen aus zwei Perspektiven fachlich beleuchtet. Karl Schuster, BMW-Group, und Peter Löck, unabhängiger Mobilitätsberater, lieferten Fakten zur emotional geführten Debatte.

„Jeder hat dazu eine persönliche Meinung. Aber das Thema kann nur global betrachtet werden. Denn Urbanisierung, Digitalisierung, Politik, Ressourcen und Kultur stellen uns vor Herausforderungen, die uns zwingen, die Mobilität neu zu denken. Die CO2-Reduktion ist unverzichtbar. Es muss was passieren!“, sagt Schuster.

Anhand interessanter Daten bezüglich Effizienz und Produktion verglich Schuster verschiedene Antriebstypen: Dass das Öl von der Förderung bis zum Tank schon 70 Prozent an Energie verliert, aber der Strom von der Gewinnung bis zur Batterie nur etwa 50 Prozent. Und dass zwar bei der Produktion von E-Autos mehr CO2 anfällt, dafür bei der Nutzung keines. Die Auffassung von BMW sei: „Die Zahlen sprechen für sich. Die Zukunft ist elektrisch!“ Doch für den Weg in die Zukunft biete die Marke die ganze Bandbreite. „Denn welcher Antriebstyp ökonomisch Sinn macht, hängt von der individuellen Nutzung ab.“

Peter Löck bezifferte den Ressourcenbedarf der Verbrennungsmotoren: „Deutschland importiert pro Jahr etwa 65 Milliarden Liter Kraftstoff, aus Ländern wie Saudi-Arabien und Russland. Das ist absurd!“ Sein weiterer Aspekt: „Wir sind nicht allein auf der Welt.“ Es ändere sich die Nachfrage aus wichtigen Exportländern wie China hin zu Elektro-Autos. „Darauf müssen die Autoproduzenten zwangsläufig reagieren, wenn sie ihren Marktanteil nicht verlieren wollen.“

Den konkreten Nutzen eines E-Autos sieht Löck darin, dass es zum Beispiel keinen Ölwechsel und neuen Auspuff braucht. Stattdessen nur ein Update für neue Programme, die die Effizienz des Fahrzeugs steigern können. Wie Schuster, sprach auch er das Thema bidirektionales Laden an, das die Stromeinspeisung vom Auto ins Netz profitabel macht.

Mobilität neu denken und daraus innovative Geschäftsmodelle entwickeln sei der konsequente Schritt, sagt Löck. „Es gibt Ideen, mit einer monatlichen Rate die Möglichkeit zu erwerben, Fahrräder, Taxis, Busse, Bahnen und Autos zu nutzen, je nach Bedarf.“

Schuster und Löck gaben viele neue Denkanstöße, die anschließend beim gemeinsamen Netzwerken bewegt wurden. Gastgeber Jörn Kater, Regionalleiter Südniedersachsen des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, resümiert: „Der Abend hat mit interessanten Perspektiven die oft emotional geführte Diskussion auf eine sachliche Ebene geführt. Das ist das schöne in unserem Netzwerk: das konstruktive Miteinander.“

Das nächste Miteinander bietet das 29. Business-Meeting des BVMW Südniedersachsen am 12. März mit Wolfgang Bosbach zum Thema ‚Halbzeit in Berlin. Neustart oder weiter wie bisher?‘.