“Es braucht keine Show“

© Sam White / privat
Text von: Noreen Hirschfeld, redaktion

Sam White ging durch Höhen und Tiefen, verlor aber nie den Glauben an seine Musik.

Hinweis:Beachten Sie auch den faktor-Linkmit weiteren Informationen zu diesem Artikel aus unserer Winter-Ausgabe 2011.

Fünf oder sechs Jahre ist er alt, als sein Vater ihn mit in ein Musikgeschäft nimmt. Sven Laue darf sich eines der unzähligen Klaviere aussuchen. Ein besonders schönes hat es ihm angetan. Er drückt eine Taste, ein gewaltiger Ton erklingt. „In diesem Moment habe ich mich verliebt“, erklärt er heute. Mehr als 30 Jahre später ist Laue unter dem Künstlernamen Sam White bekannt und verdient sein Geld mit Musik. Ein nicht immer leichter Weg.

Sam Whites Musik ist angelehnt an angloamerikanische Singer- und Songwriter, gemischt mit einem Hauch Jazz und einer Prise Soul. „Musik ist ein Teil meiner Person, ist das, was ich am meisten liebe und wovor ich am meisten Angst habe“, erklärt der 40-Jährige seine Leidenschaft. Seine Texte schreibt er auf Englisch und Deutsch, meist sind sie autobiografisch: „Ich beschreibe Begegnungen, Lebensumstände, Dinge, die ich selbst erfahren habe“, sagt der Pianist und Sänger.

Schlaganfall und Lernprozesse

Auf den ersten Blick wirkt er locker und aufgeweckt, doch im Gespräch und in seinen Texten offenbart White auch eine nachdenkliche Seite. Sie zeugt von einem schweren Schicksalsschlag: Im Jahr 2004 erleidet er einen Schlaganfall, ist anschließend halbseitig gelähmt und verliert seine Sprachkoordination. Die Sprache kommt nach Monaten nahezu über Nacht wieder, aber mit der linken Hand muss er das Klavierspiel neu erlernen. In seinem Song ‚You and I‘ verarbeitet er dieses Erlebnis in einem Zwiegespräch mit sich selbst. Die Ehrlichkeit und Authentizität, die er hier hineinlegt, sind dem Musiker besonders wichtig: „Es braucht keine Show“, ist Sam White überzeugt.

„Anfangs habe ich sehr viel in Bars gespielt“, erzählt er von seinem Beginn alsMusiker. 1999 gibt er sich den Künstlernamen Sam White und gründet mit Georg Scharf das Musikstudio L&S music. Scharf schlägt nach zwei Jahren neue Wege ein, White steht alleine da. Die regelmäßigen Buchungen der Braunschweiger Agentur Cosmopolit Event Management retten ihn, und langsam folgen weitere Aufträge. So war er unter anderem schon auf dem Traumschiff MS und spielt regelmäßig auf der Chirurgenfachmesse in Berlin.

Von Klassik zu Blues

Seine musikalische Ader hat Sven Laue von seinen Eltern geerbt. Seine Mutter habe viel gesungen und sein Vater Klavier gespielt, erinnert er sich. So erhielt er auch eine musikalische Früherziehung, eine klassische Klavierausbildung. „Klassik mochte ich aber gar nicht“, erzählt er heute lachend. Erst ein neuer Klavierlehrer ändert alles: Dieser setzt sich an das Instrument und spielt einen Blues. „So etwas hatte ich bis dahin noch nie gehört“, ist White heute noch begeistert. Bereits in der nächsten Unterrichtsstunde kann er das Stück nachspielen. Von da an übt er – bald ohne Lehrer – drei Stunden täglich.

Seine erste Melodie komponiert Laue mit 13, seinen ersten Song mit Text (‚Rain‘) schreibt er während seines Studiums in Göttingen, als ihn der Liebeskummer plagt. Das nie beendete Jurastudium bietet ihm Gelegenheit, herauszufinden, was er vom Leben erwartet. „Ich fragte mich: Was würde ich 24 Stunden am Tag machen können, ohne dass es weh tut?“ Darauf gibt es nur eine Antwort: Musik. 1995/96 beginnt er sein Studium an der School for Jazz and Contemporary Music (DJAM) in Amsterdam und verdient nebenbei sein Geld als Taxifahrer. Später wechselt er an die Vocal School for Popular Music ‚Vocaline‘ in Hamburg, wo er zum Boygroup-Sänger werden soll. „Das wollte ich definitiv nicht“, wehrt er ab. Darum nimmt er fortan Unterricht bei der deutschen ‚Jazzlady‘ Ulita Knaus.

Heute ist White selbst als Gesangscoach tätig und arbeitet musiktherapeutisch mit Tinnituspatienten. Mit seiner Band bringt er im Februar 2012 die Single „Sam White“ heraus, im Sommer/Herbst 2012 soll ein Album folgen. Zunächst verzögerte sich dieses Projekt allerdings, Schuld ist ein tragisches Ereignis: Bassist und Saxofonist Jörn Skrzypietz erlitt kürzlich ebenfalls einen Schlaganfall. Aber Sam White ist wie immer optimistisch, eben ein ‚Sunshine‘, wie sein Freund und Kollege Jörn ihn oft nennt.

Zur Person

Sam White, 1971 unter dem Namen Sven Laue in Rehren bei Hannover geboren, ist Sänger, Pianist und Komponist. Aktuell arbeitet der Wahlgöttinger mit seiner Band und dem Label Blue Door Records an seinem neuen Album. Zu seiner Sam-White-Band gehört neben Jörn Skrzypietz, derzeit vertreten von Adrian Schmidtke, auch Schlagzeuger Christian Archontidis. In seinem Studio L & S music arbeitet White als Lehrer und Coach.